Die Hellebarde ist griffbereit

Publiziert am 01. Dezember 2025

Die Nachricht ist knapp und fehlerfrei: «Balsiger, du Hurensohn, hau doch ab auf den Mond!!!» Das war vor acht Jahren, mitten im Sturm um die No-Billag-Initiative. Ein Ja hätte der SRG und fast allen privaten Radio- und TV-Anbietern den Stecker gezogen.

Ich fungierte damals als Kampagnenleiter des Komitees «Nein zum Sendeschluss». Es dauerte, bis wir in die Gänge kamen. Social Media waren in der Spätblüte, die Algorithmen noch nicht kaputt. Mit einem grossartigen zwölfköpfigen Team bespielten wir im Schichtbetrieb unsere Kanäle – und liessen in den Kommentarspalten keine Entgleisungen zu.

Das Verdikt am 5. März 2018: 71,6 % schickten «No Billag» bachab, bei der jüngsten Altersgruppe sogar 75 %. Glücksgefühle nach einer episch langen Abstimmungsphase.

Trotzdem zweifelte ich keinen Moment daran, dass der nächste Angriff auf die Medienvielfalt kommen wird. Also begann ich im Sommer 2018, die Bewegung Courage Civil aufzubauen. Dieser Verein ist das Fundament für die Allianz Pro Medienvielfalt, die wir vor vier Jahren ins Leben gerufen haben. Zu ihr gehören inzwischen 6200 Einzelpersonen und 30 Organisationen.

In vier Monaten stimmen wir über die Halbierungsinitiative ab. Ein Ja würde das SRG-Budget tatsächlich halbieren. Der Ausgang ist offen.

Die SRG macht längst nicht alles richtig. Aber am 8. März 2026 stimmen wir darüber ab, ob sie auch in Zukunft in allen vier Landessprachen ein gutes Angebot liefern kann.

Sie produziert Inhalte, die sich am freien Markt nicht rechnen: das «Echo der Zeit», DOK-Filme, Serien wie «Tschugger» oder «The Deal» und eine breite Palette an Live-Sport.

Man müsse die Budgets der Leute entlasten, sagen die Initianten. Fakt ist, dass die Gebühren in den letzten zehn Jahren um 25 % gesunken sind. Zurzeit bezahlt ein Privathaushalt 92 Rappen pro Tag, schon bald nur noch 82 Rappen.

«Warum tust du dir das nochmals an?», fragte mich eine Bekannte beim Start.

Die Antwort ist einfach: Weil ich mir ein Ja nie verzeihen würde! Für das Projekt Allianz Pro Medienvielfalt habe ich bislang fast 3000 Stunden investiert, die meisten unbezahlt.

Neu ist diese Rolle nicht: 2008/2009 hatte ich fast tout Berne mobilisiert, um die Fusion der Traditionszeitung «Der Bund» mit der «Berner Zeitung» zu verhindern. Nach 1200 Arbeitsstunden, die wir seitens meiner Firma pro bono geleistet hatten, war die Fusion vom Tisch.

Die letzten vier Jahre erinnerten mich oft an eine epische Velotour: Sie waren kräftezehrend, gaben aber immer wieder viel Energie zurück. Ich habe neue Menschen schätzen gelernt, die mit Herzblut mitwirken. Das zählt.

P.S.
Die Wutbürger muss ich enttäuschen: Ich fliege nicht auf den Mond. Bis am 8. März 2026 werde ich jeden Zweikampf annehmen – vorzugsweise mit dem Florett Wenn es sein muss, greife ich zur Hellebarde.

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