Patrick Fischers Comeback wird zum Rohrkrepierer
Publiziert am 10. Juni 2026
Die Causa Fischer geht in ein weiteres Drittel. In einem inszenierten Setting spricht der ehemalige Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft über seinen Fall. Wir erfahren Persönliches und seine Sicht der Dinge. 🏒
🎙️Während dieser 35 Minuten wirkt Patrick Fischer sympathisch, berührbar und geerdet, einmal ist er den Tränen nahe. Die Fragen, die ihm Peter Röthlisberger stellt, sind Steilpässe, kritisches Nachhaken bleibt weitgehend aus.
«Patrick Fischer – Das Interview» ist nicht Journalismus, sondern eine Auftragsarbeit. Röthlisberger, früher einmal beim «Blick» tätig, ist seit Jahren Mitinhaber einer PR-Firma. Eine zweite PR-Firma produzierte das Video. Es wurde auf Fischers Youtube-Kanal hochgeladen, der Teaser dazu am Vorabend auf seinem Instagram-Konto lanciert – und auch seine Website ging online.
🔵 Fischer hat in den Wochen seit Mitte April sehr viel einstecken müssen – das ist unbestritten. Nur: Das hat er sich selbst eingebrockt. Doch Selbstkritik übt er in diesem «Interview» kaum.
Als Trainer verlangte er von seinen Spielern Disziplin und absolute Integrität. Just in diesen Bereichen verriet er sein Team. Die Öffentlichkeit und den Eishockeyverband hat er angelogen.
‼️ Wir Menschen machen Fehler. Entscheidend ist, was wir daraus lernen. Fischer hätte in diesem Video die Gelegenheit gehabt, öffentlich um Entschuldigung zu bitten. Das hätte ihn rehabilitiert. Stattdessen präsentiert er sich als Opfer.
Sein Beratungsteam schreckte nicht davor zurück, die «Off the record»-Thematik in den Vordergrund zu stellen. SRF-Journalist Pascal Schmitz habe eine mündliche Vereinbarung gebrochen, sagt Fischer.
🚊Es gehört zu den journalistischen Standards, dass sich beide Parteien im Vorfeld explizit auf «Off the record» verständigen müssen. Beim Dreh mit Fischer versuchte der Kommunikationschef des Eishockeyverbandes, das Geständnis, das während der Mittagspause fiel, im Nachhinein als vertraulich zu deklarieren.
«Off the record» gibt es nicht à la carte. In der Medien- wie in der PR-Branche wissen das offensichtlich viele Leute nicht.
📔 Teil des PR-Drehbuchs: Fischers gestriger Auftritt am «Sport Business Network Day» in Sursee. In einem Talk konnte er seine Sicht während 90 Minuten einbringen. Ein Journalist von CH-Media erhielt exklusiven Zutritt, auf allen 18 Newsportalen des Medienkonzerns bekam Fischer viel Raum.
Doch das detailliert geplante Comeback wird nicht gelingen – es bleibt ein Rohrkrepierer. Schade: für Patrick Fischer und für den Sport.
🔗 Die Links zum «Interview» auf Youtube, zum Artikel von CH-Media und zum Interview mit Peter Röthlisberger bei «Persönlich» gibt’s in der Kommentarspalte.
P.S.
Krisenkommunikation gehört seit vielen Jahren zum Angebot meiner Firma. Es geht mir bei diesem Posting nicht darum, andere in der Branche schlecht zu machen.
Foto: ab dem genannten Video

Hier die Links:
-zum Video «Patrick Fischer – das Interview»:
https://www.youtube.com/watch?v=BryXlQW2zwg
-zum Artikel von CH-Media:
https://www.schweizheute.ch/sport/patrick-fischer-spricht-erstmals-ueber-das-gefaelschte-covid-zertifikat-ld.4181877
-zum Interview mit Peter Röthlisberger:
https://www.persoenlich.com/gesellschaft/das-verandert-die-ganze-geschichte
Ein weiterer Mosaikstein in der Causa Fischer: Gestern Abend veröffentlichte «Schweiz heute», das neue Nachrichtenportal des Medienkonzerns CH-Media, eine E-Mail, die Pascal Schmitz an Finn Sulzer, Kommunikationschef beim Schweizer Eishockeyverband, geschrieben hatte (am Schluss dieses Kommentars verlinkt). Darin kommt gleich im ersten Satz der Begriff «Off the record-Vereinbarung» vor.
Das lässt den Schluss zu, dass Schmitz die Vereinbarung faktisch anerkennt. Er brachte den Fall aber trotzdem ins Rollen, was er in dieser E-Mail begründet, u.a. mit dem öffentlichen Interesse, das überwiege. Solche Abwägungen sind in der Praxis immer wieder umstritten.
Des Pudels Kern: Nach journalistischen Standards muss «Off the record» vor dem Gespräch, explizit und gegenseitig vereinbart werden. (Es gibt allerdings Journalisten, die «Off the record» konsequent ablehnen, weil sie sich damit in Geiselhaft begeben.) Das E-Mail spricht von einem Mittagstisch-Gespräch – was darauf hindeutet, dass es ein informelles Gespräch war, das nach dem Dreh für das 10vor10-Porträt über Fischer geführt wurde. Die Frage ist: Wurde vor diesem Zmittag explizit «Off the record» festgelegt – oder hat der Kommunikationschef das erst nachträglich eingefordert? Letzteres wäre medienrechtlich nicht relevant. Ersteres würde Schmitz’ Position erheblich schwächen.
Was ich als Praktiker ergänzen kann: Was «Off the record» bedeutet und wann man diese Form wählt, ist vielen Leuten in der Medien- und PR-Branche nicht richtig bewusst. Im Wesentlichen geht es darum, dass auf diese Weise die Quellen, z.B. Whistleblower, geschützt werden, die relevante Informationen an eine Redaktion weiterreichen.
Der bekannteste Fall in der Schweiz dürfte Christof Meili gewesen sein, der 1997 als Wachmann bei einer Grossbank geheime Dokumente über jüdische Vermögen vor dem Schredder rettete. Damit stiess er den Fall über die nachrichtenlosen Vermögen von Juden aus dem Zweiten Weltkrieg an.
Hier der Link zum Artikel von «Schweiz heute».