Die SP stellt Ständerat Daniel Jositsch vom Platz
Publiziert am 29. Mai 2026
Die SP des Kantons Zürich zeigte gestern Nacht Daniel Jositsch die rote Karte. Sie will nicht, dass ihr Ständerat über 2027 hinaus am rechten Flügel spielt.
Der Entscheid fiel mit 109 zu 94 Stimmen und nach einem Redemarathon von rund zwei Stunden, während die Schweizer Eishockey-Nati sich mit ruppigem Einsatz in den Halbfinal spielte.
Es ist nicht überraschend, dass die SP Jositsch vom Platz stellt. Die Entfremdung wurde in den letzten Jahren immer grösser. Er provozierte grosse seine Partei immer wieder bis aufs Blut, in ihrer Wahrnehmung stellte er die Eigeninteressen über diejenigen der Partei. Einer breiten Öffentlichkeit dürften seine Winkelzüge bei den letzten beiden Bundesrats-Ersatzwahlen in Erinnerung geblieben sein.
Das ist die eine Seite. Die andere: Jositsch hat 2015 den Ständeratssitz für die SP erobert, nachdem diese mehr als 30 Jahre lang vergeblich angerannt war. In einem bürgerlich geprägten Kanton wie Zürich ins «Stöckli» zu kommen, ist für Kandidaturen aus anderen Parteien ausgesprochen schwierig. Der Landesring schaffte es damals mit der populären Konsumentenschützerin Monika Weber (1987-1998), die GLP 2023 mit Tiana Moser.
Eine Analyse des «Tages-Anzeigers» zeigt, dass Jositschs Abstimmungsverhalten zu rund 80 Prozent mit der Parteilinie übereinstimmt.
Mit der Entscheidung von gestern sendet die SP ein Signal aus: Nicht ganz linientreue Mitglieder haben in der Partei nichts mehr zu suchen. Andere wie Chantal Galladé und Daniel Frei wechselten schon vor Jahren zur GLP.
Das führt zu einer Verengung. Jede Partei, die einen ihrer Flügel stutzt, riskiert, dass sie sich selbst schwächt und ihre Anschlussfähigkeit in andere Lager verliert.
SP-Mitglieder auf nationaler Ebene beklagen sich immer wieder, dass sie aus einer Minderheitsposition politisieren müssten und nur ab und an ein Geschäft ihn ihrem Sinne durchbrächten. Das Gegenmittel wäre: mehr Breite.
Verliert die SP bei den Wahlen 2027 ihren Zürcher Ständeratssitz und reduziert sich damit ihre Vertretung im «Stöckli», ist das selbstverschuldet. Jositsch wäre auch zum vierten Mal in Folge mit dem besten Resultat gewählt worden. (Womöglich wird es das, allerdings als Parteiloser.)
Nationalrätin Jacqueline Badran, die jetzt für die SP die Kohlen aus dem Feuer holen muss, ist auch sehr populär. Aber ob sie auf dem Land ähnlich punkten kann wie Jositsch, ist zu bezweifeln.
