Die Wir-Schweiz hat die Bergetappe gewonnen – aber die nächste wartet schon

Publiziert am 09. März 2026

Abstimmungskampagnen zu führen hat vieles gemeinsam mit Velotouren in den Bergen. Sie sind lang, streng und schön. Ist das Ziel erreicht, kommen die Glücksgefühle. Und die Erschöpfung.

62 Prozent sagen Nein zur Halbierungsinitiative. Das Signal des Volkes ist klar: Es will weiterhin eine starke SRG.🇨🇭

Ich bin erschöpft und glücklich. Doch es gibt auch ungute Gefühle – davon später.

Das wird ein persönliches Blogposting.

Der Anstieg zu dieser Bergetappe begann vor mehr als vier Jahren. So lange arbeitete die Allianz Pro Medienvielfalt auf ein Nein hin. Bis letzten Sommer war sie allein auf weiter Flur.

Dann entstand ein Nein-Komitee. Die Sportverbände formierten sich, Kulturorganisationen begannen zu mobilisieren, die Wissenschaft stiess hinzu – Mitte Januar stand die «Wir-Schweiz» auf.

Deshalb gab es ein derart klares Resultat.🇨🇭

Es wäre lächerlich, jetzt den Gorilla zu geben, der sich auf den Brustkorb trommelt. Zumal während der Kampagne auch Fehler passiert sind – kleine und grössere.

Was ich bis ins hohe Alter mitnehme, sind die leisen Geschichten. Davon gab es viele – sie haben mich in den letzten vier Jahren genährt.

Zwei Beispiele:

🔵 Vor langer Zeit rief ein Mann aus dem Baselbiet an, den ich zuvor nicht gekannt hatte. Nennen wir ihn Matthias Marty. Er erzählte mir, was er am Programm von Radio SRF mag. Das Angebot sei breit und weitgehend gut; ein Wort ergab das andere.

Er wolle der SRG und ihren Angestellten etwas zurückgeben, sagte Herr Marty, und fragte: «Darf ich in meiner Gemeinde Flyer und euer Faktenblatt verteilen?» Natürlich sagte ich ja. Tags darauf war ein Paket unterwegs. Herr Marty verteilte unsere Unterlagen in 3000 Briefkästen. Das braucht Zeit.

🔵 In den letzten vier Jahren meldeten sich auch viele Angestellte. Sie waren der Polemik und dem Trommelfeuer ausgesetzt – und der Unsicherheit ihrer Vorgesetzten.

Jemand schrieb: «Danke für eure unermüdliche Arbeit. Sie hat mir in diesen Zeiten ein wenig Zuversicht verschafft. Ich war so froh über die öffentlichen Richtigstellungen zu den vielen Behauptungen.»

➡️ Für die Martys dieses Landes und für die Angestellten, die einen guten Job machen, habe ich gekämpft.‼️

Doch die nächste Schlacht folgt.

Wer gestern Bundesrat Albert Rösti an seiner Medienkonferenz zuhörte, kratzte sich ungläubig am Kopf: Der Medienminister redete, als hätte es ein Zufalls-Nein mit 50,1 Prozent gegeben. (Nachschauen auf dem Youtube-Kanal des Bundesrats, ab ca. 12:30)

Der Bundesrat will der SRG in der nächsten Konzession die Daumenschrauben anziehen, etwa im Online-Bereich.

Stünde ich in einem Fussballstadion, würde ich sagen: «Schliift’s!»🫃

➡️ Ein Medienhaus kann nur überleben, wenn es ein überzeugendes Angebot im Netz hat. Das weiss heute jeder Teenager. Der Gesamtbundesrat hingegen foutiert sich darum.

Wir werden das Momentum dieses Volks-Neins zu nutzen wissen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert