Freude wegen der NZZ, bodenloser Frust wegen Tamedia

Publiziert am 21. Oktober 2026

Eine Ernennung, die Freude macht: Mark Dittli (Foto) wird neuer Chefredaktor der NZZ. (Hier geht’s zur Medienmitteilung des Unternehmens.) Einer, der ausgezeichnet schreibt. Einer, dem Dünkel fremd ist. Einer, der weiss, wie digital geht. Einer, der führen kann. So beschreiben ihn Leute, die mit ihm bei «Finanz & Wirtschaft» gearbeitet haben.

Samstag für Samstag bleierne Leitartikel auf der NZZ-Frontseite – damit ist bald Schluss. Und hoffentlich gibt es wieder eine klare publizistische Linie.

Was das Branchenportal «Persönlich» zur Personalie Dittli schreibt, verlinke ich hier. 

Und nun zum Frust, wobei dieses Wort nicht annähernd fasst, was ich wirklich empfinde: Tamedia, zur TX Group gehörend, zieht einen weiteren Stellenabbau auf den Redaktionen durch. Die Gewinne, die der Medien- und Tech-Konzern in anderen Bereichen erzielt, sind weiterhin gigantisch, die Ausschüttungen an das Aktionariat bleiben so hoch wie eh und je. Anstatt das journalistische Angebot immer mehr auszuhöhlen, könnte man es quersubventionieren, was vor dem Börsengang Usus war in diesem Haus.

Abschliessend in eigener Sache, weil es offenbar Klärungsbedarf gibt: Ja, ich kritisiere die Medien oft. Aber viel öfter lobe ich ihre Arbeit. Die guten Stücke, die trotz allen Widrigkeiten immer noch in vielen Redaktionen entstehen, verlinke ich auf den Kanälen, die mir zur Verfügung stehen.

Für die Rettung der Tageszeitung «Der Bund» hat meine Firma in den Jahren 2008/2009 insgesamt 1200 Stunden Fronarbeit geleistet. Beim Kampf gegen die SRG-Halbierungsinitiative von Ende 2021 bis heute wendete ich ungleich mehr Zeit auf; 2400 Stunden davon unbezahlt. Wer selbst eine Firma führt, hat eine Vorstellung, was das bedeutet.

Ergänzend: 
Eine ehemaliger Tamedia-Mitarbeiter wirft einen differenzierten Blick auf die Entwicklung bei Tamedia – hier zum Nachlesen.

Fotos:
– von Mark Dittli: zvg/NZZ
– unten: Jonathan Labusch, Syndicom

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