“In zehn Jahren wird es keine Zeitungen mehr geben”, sagte Apple-Chef Steve Jobs vor ein paar Wochen. Diese Aussage ist natürlich Nonsens, und das weiss Jobs auch. Qualitätszeitungen werden sich trotz der Internet-Revolution halten können.
Zu den Qualitätszeitungen zähle ich auch den “Bund”, auch wenn er magerer geworden ist, sich zuweilen Fehler einschleichen oder er als “Gatekeeper” wichtige Themen ignoriert. Insgesamt erbringt die Redaktion aber eine bewunderswerte Leistung – allen Sparübungen, Restrukturierungen und Besitzerwechseln zum Trotz.
Vor zehn Tagen kündigte die Tamedia als Besitzerin des “Bund” tiefgreifende Veränderungen an. Verkürzt gibt es für Tamedia zwei Optionen:
- Fusion von “Bund” und “Berner Zeitung”
- Enge Kooperation mit dem “Tages-Anzeiger”
Die zweite Option dürfte darauf hinauslaufen, dass der Tagi den so genannten Mantel produziert und die ausgehungerte “Bund”-Redaktion pro Ausgabe noch ein paar Artikel beisteuert.
Mit Verlaub, beide Optionen sind für mich keine!
Der “Bund” hat schon seit 30 Jahren wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mir fehlt die Naivität zu glauben, es könne weitergehen wie bis anhin. Aber, und das ist entscheidend: der Grossraum Bern braucht auch in Zukunft zwei starke und unabhängige publizistische Stimmen. Hier steht der Verlagskonzern Tamedia in einer staatspolitischen Verantwortung.
“Man sollte indessen nichts unversucht lassen”, schrieb Wolfgang Hildesheimer einmal. Dieser Satz des deutschen Literaten ist seit 25 Jahren mein Antrieb.
Dank der Unterstützung von FDP-Grossrat Christoph Stalder und Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne) konnte ich Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft für das Mitmachen im Komitee “Rettet den Bund” gewinnen. Heute morgen um 9 Uhr haben wir die Namen des Co-Präsidiums an die Öffentlichkeit getragen.
Rettet_den_Bund_Medienmitteilung (PDF)
Die Reaktionen sind überwältigend – der Server kann die Zugriffe auf die Website www.rettet-den-bund.ch im Moment nicht mehr bewältigen. Jetzt hoffe ich auf die IT-Cracks.
Ich hoffe aber auch auf möglichst viele Mitglieder, die in diesem Komitee mitmachen und die Online-Petition unterzeichnen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Weiter hoffen wir darauf, dass die URL www.rettet-den-bund.ch auf Websites, Blogs und Foren verlinkt wird. Eben haben wir auch eine Facebook-Gruppe mit dem gleichen Namen ins Web gestossen.
P.S. Ich äusserte mich die letzten Jahre gelegentlich über den “Bund” – in Leserbriefen oder hier in diesem Blog. Als 2003 das “Berner Modell” angekündigt wurde, schrieb ich, dass das auf ein Ableben des “Bund” hinauslaufen werde. Und als Tamedia die Espace Media Groupe und damit den “Bund” 2007 übernahm, stiess ich nochmals ins selbe Horn.
Pessimistisch – auch ich. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert. Es muss einen anderen Weg geben als die von Tamedia skizzierten Optionen. Und dafür werde ich kämpfen.
Foto oben: stadtwanderer.net
Foto unten: derbund.ch









