Die SP krankt auch in der Krise

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Kantonale Wahlen eignen sich vorzügig, um die Temperatur der Bevölkerung und der Parteien zu messen. Nach den Parlamentswahlen in den Kantonen Aargau und Solothurn von Anfang März kann man konstatieren: die SP hat nicht nur Fieber, sie ist sogar ernsthaft krank.

Genauso wie die Konjunktur ein Auf und Ab zeigt, steigt und sinkt die Wählerstärke der SP auf nationaler Ebene. In den letzten 40 Jahren schwankte sie zwischen 19,0 und 24,9 Prozent.

Die massiven Verluste der SP im Aargau (- 4,2% bzw. minus 8 Sitze) und im Kanton Solothurn (- 4,2% bzw. minus 4 Sitze) reihen sich ein in eine Serie von Niederlagen, die bereits 2004 ihren Anfang nahm. In der Mehrzahl der Kantone hat die SP seither verloren, ein klarer Trend ist aber trotzdem noch nicht zu erkennen. Bei den Nationalratswahlen 2007 verlor sie 3,8 Prozent, für Schweizer Verhältnisse ist das ein Erdrutsch.

Mitten in der Wirtschaftskrise taumelt auch die SP. Gerade angesichts der Wirtschaftslage, die die soziale Frage und die Arbeitsplatzsicherheit in den Vordergrund rücken, sind die jüngsten Wahlresultate eine dicke Überraschung.

Woran krankt die SP? Ich mache fünf Gründe aus:
1. Mobilisierung
2. Potpourri an Themen
3. Dogmatische Positionen
4. Bundesratsmitglieder
5. Konkurrenz durch Grünliberale

Das Problem der Mobilisierung (1) hat die SP schon seit vielen Jahren, und das ist der einzige Punkt in meiner Auflistung, der sich hart nachweisen lässt. Die Sozialdemokraten bringen viele Parteigänger und -sympathisanten nicht an die Urnen. Im Gegensatz zur SVP, die ihr Potential teilweise bis zu 95 Prozent ausschöpft.

Die Partei schafft es nicht, sich über Jahre hinweg auf ein paar wenige Themen zu konzentrieren (2). Sie tritt mit dem Anspruch an, fast überall kompetent zu sein, und ist das womöglich auch. Allein: die Ökonomie der Aufmerksamkeit ist knallhart. Entsprechend bleibt beim breiten Publikum, das sich nur am Rande für Politik interessiert, wenig hängen. Oder die Themen kommen an wie ein Potpourri.

Herr und Frau Schweizer sind nüchtern und pragmatisch. Die Abkehr vom jahrzehntelang als “unverhandelbar” bezeichneten Bankgeheimnis, die sich binnen weniger als zwei Wochen durchsetzte, zeigt das exemplarisch. Gleichzeitig hat die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ein Problem mit dogmatischen Überzeugungen (3), die mitunter giftig oder arrogant artikuliert werden. Vereinzelte SP-Mitglieder müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, auf einem Auge blind zu sein. Bei den anderen Parteien zeigt sich eine ähnliche Problematik, allerdings scheint es, dass man ihnen gegenüber toleranter ist.

Heutzutage werden Parteien vor allem durch ihre Mitglieder im Bundesrat wahrgenommen (4). Das liegt vor allem am Mediensystem, das radikal personalisiert. Die Bundesräte machen in diesem Spiel allerdings aktiv mit und versuchen sich mit grossen Auftritten und Reisen ins Ausland zu profilieren.

Die SP hat den Malus, dass ihre beiden Mitglieder in der Landesregierung den Zenit überschritten haben. Moritz Leuenberger wurde 1995 gewählt, damals noch keine 50 Jahre alt. Er marschierte als 68er durch die Institutionen bis ganz nach oben, und war in seinen ersten Bundesratsjahren für die Linke ein Hoffnungsträger. Bei den eidgenössischen Wahlen 1999 lieh Leuenberger sein Konterfei sogar für eine Plakatkampagne der SP.

Seit geraumer Zeit ist Leuenberger aber zur Belastung für die eigene Partei geworden. Und auch bei Micheline Calmy-Rey ist inzwischen der Lack ab. In den ersten Jahren war sie jeweils das populärste Mitglied im Bundesrat. Das hat sich nach ihren regelmässigen Provokationen und Tritten in den Fettnapf geändert.

Schliesslich kriegte die SP im urbanen Raum eine neue Konkurrenz: die Grünliberalen (5). In den Städten und Agglomerationen gibt es eine gut gebildete Bevölkerungsschicht, die ökologisch denkt und handelt, mit der Rhetorik und den Themen der SP aber nur beschränkt etwas anfangen kann. Diese Schicht scheint mit den Grünliberalen eine (neue) Heimat gefunden zu haben.

Die SP krankt also auch in der Krise. Christian Levrat, seit einem Jahr Parteipräsident der SP Schweiz, hat alle Hände voll zu tun. Bei seiner Einschätzung zu den elektoralen Schlappen in den Kantonen Aargau und Solothurn nannte er zwei Gründe:

1. die Mobilisierung
2. die fehlende Zuspitzung

Mit Verlaub, Levrat ist ein Meister der Zuspitzung. Er politisiert mit List und Lust, ist ein ausgebuffter Campaigner, und er tanzt seinen Gegenspielern regelmässig auf der Nase herum. Ein fähiger Mann, beim eigenen Parteivolk beliebt, bloss: reicht das, um wieder Wahlen zu gewinnen?

Foto Christian Levrat: blick.ch

Wenn die Zeitung “Der “Bund” fällt, fallen womöglich andere Verlage in Bern ein

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Mein Arbeitsweg führt mich täglich am altehrwürdigen “Bund”-Turm an der Effingerstrasse vorbei. Er steht immer noch, seit neuem verziert durch ein Transparent mit dem Claim: www.rettet-den-bund.ch. Der Versuch, dass das mögliche Ableben der Traditionszeitung nicht untergeht nebst den vielen relevanten und irrelevanten Storys, die uns um die Ohren gepfeffert werden.

Es ist gut für mich, täglich den Turm und das Transparent zu sehen. Der Kampf geht weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Die Zeitungsbranche in der Schweiz ist mitten in einem grossen Umwälzungsprozess. Die grossen Verlage wollen noch grösser werden, sie haben die Namen der mittelgrossen Häuser auf dem Speisezettel – oder sich diese schon einverleibt. Und womöglich verspüren die ganz grossen Verlage aus Deutschland und Frankreich schon bald Appetit auf Tamedia, Ringier und NZZ.

Noch ist es nicht soweit. Zuerst wird die “Schlacht” in Bern geschlagen. Sie dürfte vorentscheidend sein auf die Zukunft der “Basler Zeitung”, die von der Tamedia zurzeit noch relativ charmant umworben wird. Allerdings möchte hier Peter Wanner von der AZ Medien Gruppe auch noch ein Wörtchen mitreden.

Vieles deutet darauf hin, dass die Tageszeitung “Bund” in ihrem 160. Lebensjahr eingeht. Dass danach allerdings eine Monopolsituation droht, ist nicht sicher. Andere Verlage trachten danach, in Bern einzufallen. Sie könnten in das Vakuum, das prognostiziert wird, vorstossen. Einer der Verleger, der nicht nur im Stillen Interesse bekundet, sondern dieses auch laut kundtut, ist Christian Müller. Der Unternehmensleiter der Vogt-Schild in Solothurn sagt im heutigen Blogbeitrag des Branchenmagazins “Klartext”, dass der “Einmarsch in Bern einfach” wäre.

Das ist eine Kampfansage, die zweifellos ihren Widerhall findet.

Foto: Beat Schweizer

Bond hilft “Bund” – und Sie?

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Im letzten Herbst musste der Bundesrat zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank ein Rettungspaket für die grösste Schweizer Bank schnüren: 68’000’000’000 Franken schwer.

Der Tageszeitung “Bund” würde eine substanzieller Zustupf auch helfen. Bloss, da hilft der Bund nicht. Skandinavische Zustände will hierzulande niemand. Im hohen Norden wird die Presse im grossen Stil vom Staat subventioniert, um die Pressevielfalt zu gewährleisten.

Mit der gigantischen Summe von 68 Milliarden Franken hätte der “Bund” die nächsten 5666 Jahre ausgesorgt.

Weil solche Zahlen nicht fassbar sind, befassen wir uns besser mit der knüppelharten Realität. Es geht um das Überleben des “Bund”. Hier und jetzt. Wer noch immer nicht im Petitionskomitee “Rettet den Bund” ist, sollte sich sputen. Sonst ist bald einmal fertig mit Pressevielfalt im Grossraum Bern.

Auf meinem abendlichen Spaziergang durch die Innenstadt entdeckte ich eben das Bond’n’Bund-Sujet an den Bushaltestellen. Der britische Agent könnte ja noch eine Köfferchen mit Geld mitbringen.

Sujet: unknown

“Journalisten suchen heute stark nach dem Aussergewöhnlichen und Spektakulären”

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Zwölf Jahre lang war Christian Weber* im Nervenzentrum der eidgenössischen Politik tätig. Zuerst als Bundeshausjournalist, die letzten sechs Jahre als Pressesprecher der FDP Schweiz. Im Interview äussert sich Weber über seinen Rollenwechsel, die Medien, die früher eine Art Hofberichterstattung pflegten, heute aber stark das Spektakuläre suchten. Weber spricht aber auch über die FDP, deren Heterogenität von den Medien genüsslich zelebriert werde.

Christian Weber, bereuen Sie es, dass Sie beim Wahlkrimi nicht mit von der Partie waren? Parlamentarier betonen ja oft, dass Bundesratswahlen etwas vom Spannendsten seien.

Christian Weber: Bundesratswahlen sind spektakulär, wirklich spannend ist aber die tägliche politische Arbeit, der Prozess, wie Allianzen geschmiedet werden und Lösungen zum Durchbruch verholfen wird. Das hat mich an der Politik immer am meisten interessiert. Das Gedränge in der Wandelhalle anlässlich von Bundesratswahlen ist ausserdem nicht besonders angenehm. Das Bild von der Menschenmenge, welche man anlässlich der TV-Übertragung sieht, täuscht. In Tat und Wahrheit ist es noch viel schlimmer!

Sie waren zuerst als Journalist im Bundeshaus tätig, danach haben Sie die Seite gewechselt. Wie beurteilen Sie die Arbeit Ihrer ehemaligen Zunft?

Christian Weber: Die Gratwanderung ist für Journalisten nicht einfach. Auf der einen Seite gibt es viele wichtige, aber wenig spektakuläre Informationen, die vermittelt werden sollten. Andererseits ist es interessant (und auch lukrativ), nach Primeurs zu recherchieren. Während das Gewicht früher zu stark auf ‚Hofberichterstattung’ gelegt wurde, wird nun meines Erachtens zu sehr nach dem Aussergewöhnlichen und Spektakulären gesucht. Dabei bleiben wichtige Informationen auf der Strecke und die Realität wird verzerrt dargestellt.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Christian Weber: Durch die elektronischen Medien und insbesondere durch die Privatfernsehsender hat die politische Berichterstattung an Geschwindigkeit zugenommen. Aufgrund der permanenten Verfügbarkeit von Informationen im Internet wurde dieser Trend noch verstärkt. Die Spirale begann sich – nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen – zu drehen: Kürzere Meldungen, spektakulärere Informationen, die Suche nach Aussergewöhnlichem und Exklusivem.

Dies hat zur Folge, dass eine Exklusivmeldung mit relativ geringer Relevanz auf der Frontseite erscheint, die wichtige, aber wenig spektakuläre Information in einer Randspalte. Natürlich ist dies nicht nur die ’Schuld’ der Medien, denn alle Akteure spielen dieses Spiel mit. Die Gefahr ist aber gross, dass dabei die Relevanz auf der Strecke bleibt.

Die Journalisten haben im neuen Bundesmedienhaus bessere Arbeitsbedingungen erhalten. Gleichzeitig verschlechtert sich ihre Situation, weil die Redaktionen aus Spargründen weiter schleichend ausgedünnt werden. Wir die Berichterstattung aus dem Bundeshaus deswegen je länger je mehr zufällig und ungenau?

Christian Weber: Die Berichterstattung wird durch den Kostendruck nicht zufällig, im Gegenteil. Es wird noch mehr versucht, Spektakel und Exklusivität zu bieten und damit das Produkt für die Kunden attraktiv zu machen – mit den bereits erwähnten Folgen. Das zu beklagen wäre aber falsch, denn es ist schlicht die Medienrealität. Eine Herausforderung stellt dies insbesondere für die Medienkonsumenten dar. Sie müssen neue Medienkompetenzen entwickeln, um Informationen gewichten und einordnen zu können.

Wer als Journalist die Seite wechselt, wird in der Regel von der eigenen Zunft schief angeguckt. Wie erlebten Sie das?

Christian Weber: Das war für mich absolut kein Problem. Ich wurde von meinen ehemaligen Kollegen nie schief angeguckt. Nicht zuletzt deshalb, weil ich sie nicht als ‚ehemalige’ Kollegen angesehen habe, sondern einfach als Kollegen. Dass ich nie Probleme hatte, hängt vielleicht auch mit der Interpretation meiner Rolle als Pressechef zusammen. Ich sah mich immer auch als Bindeglied zwischen Journalisten und der Organisation, also der FDP. Für mich waren Journalisten gewissermassen Kunden, denen ich eine optimale Leistung anbieten wollte.

Wie gingen Sie vor, wenn Sie als Pressesprecher in den Medien falsch zitiert wurden?

Christian Weber: Das Beste ist immer der direkte Kontakt. Solche Dinge diskutiert man mit Vorteil ganz offen aus. Wobei falsche Zitate sehr selten ein Problem waren. Öfter waren es Interpretationen, die zu weit oder in eine falsche Richtung gingen.

Die FDP steckt seit Jahren medial Prügel ein. Berechtigt?

Christian Weber: Alle Parteien werden von den Medien kritisiert und das ist auch richtig so. Wie die Kritik letztlich wirkt, hängt in grossem Masse vom Erfolg der Partei ab. Hat man Erfolg, lässt sich Kritik leicht wegstecken, im gegenteiligen Fall ist das immer etwas schwieriger.

Das Leben selber schwer machte sich die FDP dadurch, dass sich immer wieder Exponenten mit abweichenden Meinungen in den Medien zu Wort meldeten. Dadurch wurde das Bild einer heterogenen, zerstrittenen Partei vermittelt – und von den Medien genüsslich zelebriert. Dieses Bild entspricht aber eigentlich nicht der Realität. Die FDP ist viel geschlossener als dies gemeinhin den Anschein hat und sie hat viel klarere und stabilere Positionen als dies viele wahrhaben wollen.

Weil die Differenz und der Zwist aber Themen sind, welche medial interessant sind, suchen die Medien immer wieder nach abweichenden Meinungen – und finden diese auch. Dadurch dass diese Personen in der Medienberichterstattung aufgenommen werden, erhalten sie ein überproportionales Gewicht. Auch mit nur einer Gegenstimme, kann das Klischee der zerstrittenen FDP aufgezeigt werden. Das Bild ist plausibel, auch wenn es falsch ist.

Interview: Mark Balsiger
Foto: fdp.ch

* Christian Weber ist promovierter Medienpsychologe und jetzt als Head of Communication für Swisscom Directories tätig.

Solidaritätswelle zugunsten der Berner Qualitätszeitung “Der Bund” rollt an

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“In zehn Jahren wird es keine Zeitungen mehr geben”, sagte Apple-Chef Steve Jobs vor ein paar Wochen. Diese Aussage ist natürlich Nonsens, und das weiss Jobs auch. Qualitätszeitungen werden sich trotz der Internet-Revolution halten können.

Zu den Qualitätszeitungen zähle ich auch den “Bund”, auch wenn er magerer geworden ist, sich zuweilen Fehler einschleichen oder er als “Gatekeeper” wichtige Themen ignoriert. Insgesamt erbringt die Redaktion aber eine bewunderswerte Leistung – allen Sparübungen, Restrukturierungen und Besitzerwechseln zum Trotz.

Vor zehn Tagen kündigte die Tamedia als Besitzerin des “Bund” tiefgreifende Veränderungen an. Verkürzt gibt es für Tamedia zwei Optionen:

  • Fusion von “Bund” und “Berner Zeitung”
  • Enge Kooperation mit dem “Tages-Anzeiger”

Die zweite Option dürfte darauf hinauslaufen, dass der Tagi den so genannten Mantel produziert und die ausgehungerte “Bund”-Redaktion pro Ausgabe noch ein paar Artikel beisteuert.

Mit Verlaub, beide Optionen sind für mich keine!

Der “Bund” hat schon seit 30 Jahren wirtschaftliche Schwierigkeiten. Mir fehlt die Naivität zu glauben, es könne weitergehen wie bis anhin. Aber, und das ist entscheidend: der Grossraum Bern braucht auch in Zukunft zwei starke und unabhängige publizistische Stimmen. Hier steht der Verlagskonzern Tamedia in einer staatspolitischen Verantwortung.

“Man sollte indessen nichts unversucht lassen”, schrieb Wolfgang Hildesheimer einmal. Dieser Satz des deutschen Literaten ist seit 25 Jahren mein Antrieb.

Dank der Unterstützung von FDP-Grossrat Christoph Stalder und Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne) konnte ich Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft für das Mitmachen im Komitee “Rettet den Bund” gewinnen. Heute morgen um 9 Uhr haben wir die Namen des Co-Präsidiums an die Öffentlichkeit getragen.

Rettet_den_Bund_Medienmitteilung (PDF)

Die Reaktionen sind überwältigend – der Server kann die Zugriffe auf die Website www.rettet-den-bund.ch im Moment nicht mehr bewältigen. Jetzt hoffe ich auf die IT-Cracks.

Ich hoffe aber auch auf möglichst viele Mitglieder, die in diesem Komitee mitmachen und die Online-Petition unterzeichnen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Weiter hoffen wir darauf, dass die URL www.rettet-den-bund.ch auf Websites, Blogs und Foren verlinkt wird. Eben haben wir auch eine Facebook-Gruppe mit dem gleichen Namen ins Web gestossen.

P.S. Ich äusserte mich die letzten Jahre gelegentlich über den “Bund” – in Leserbriefen oder hier in diesem Blog. Als 2003 das “Berner Modell” angekündigt wurde, schrieb ich, dass das auf ein Ableben des “Bund” hinauslaufen werde. Und als Tamedia die Espace Media Groupe und damit den “Bund” 2007 übernahm, stiess ich nochmals ins selbe Horn.

Pessimistisch – auch ich. Inzwischen habe ich meine Meinung geändert. Es muss einen anderen Weg geben als die von Tamedia skizzierten Optionen. Und dafür werde ich kämpfen.


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Foto oben: stadtwanderer.net
Foto unten: derbund.ch


Was geschieht mit dem “Bund”? – Kommt es zu Personalabbau oder gar zum “Aus”?

Heute morgen auf 9 Uhr müssen alle Redaktorinnen und Redaktoren der Tageszeitung “Der Bund” antraben. Sie wurden im Verlaufe des Sonntags per SMS aufgeboten. Das lässt nichts Gutes erahnen. Wer gestern Abend im Berner Rathaus die “Bund”-Journalisten beobachtete, stutzte.

Dass der “Bund” wirtschaftlich serbelt, ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Tatsache (publizistisch hingegen leistet er noch heute Aussergewöhnliches). Früher wurden die Löcher in Millionenhöhe durch die Mehrheitsaktionäre Ringier, NZZ oder Espace Media Groupe gestopft. Seit die Tamedia vor eineinhalb Jahren das Zepter übernommen hat, ist klar, dass es diesen Mechanismus nicht mehr geben wird.

Hat jemand dieses Mal das Totenglöcklein gehört, wie ich das bereits im Sommer 2007 und 2003 vermeldete?

Die Medienbranche spürt eine heranziehende Rezession in der Regel zuerst. Die letzten Tage wurden Personalabbau, Zwangspause im Sommer und anderes vermeldet, von den AZ-Medien über “le matin bleu” bis zur “Weltwoche”. Bis zur Stunde ist bekannt, dass 150 Arbeitsplätze in der Zeitungsbranche abgebaut werden.

Welches sind die Szenarien für den “Bund”:

– Das Traditionsblatt wid eingestellt, eine “Fusion” würde vermutlich bloss die abgedämpfte Sprachregelung für das Aufgehen in der “Berner Zeitung” bedeuten
– Der “Tages-Anzeiger” oder allenfalls die “Berner Zeitung” (BZ) liefern den so genannten Mantel plus, d.h. Ausland, Inland und Wirtschaft, der “Bund” produziert noch einen Teil, nämlich den Stadt-Bund (der Sportteil wird ja schon seit geraumer Zeit von der BZ erarbeitet; er ist bis heute ein Fremdkörper geblieben)
– einzelne Ressorts werden demnächst eingestellt, am gefährdetsten ist das Ressort Wirtschaft, gefolgt vom Ausland und Inland. Stattdessen werden diese Inhalte vom “Tages-Anzeiger” oder der BZ bezogen

Die Landeshauptstadt steuert auf eine Monopolsituation im Zeitungsmarkt hin. Da wirkt ein seit Jahren verwendeter Slogan beim “Bund” plötzlich zynisch: “Verstehen, warum”.

Gesucht: Die kreativsten Aktionen und Werbemittel im Berner Wahlkampf 2008

In letzter Zeit monierte ich in diesen Spalten mehrmals, dass es bei den Berner Gemeindewahlen gar keinen Wahlkampf gäbe. Die Rückmeldungen – hinter den Kulissen und nicht via Blog – widersprechen meiner These. Es werde sehr wohl gewahlkämpfert. Und dann folgten in der Regel Verweise auf Aktionen usw.

Gut so, liebe Kandidatinnen und Kandidaten. Im Berner Wahlherbst 2008 buhlen schätzungsweise noch 1000 Personen um Sitze in Parlamenten und Exekutiven, die Hälfte davon allein in der Stadt Bern. An sie alle richtet sich mein Aufruf: Mailen Sie mir

– Fotos von Ihren Aktionen
– Prospekte, Plakate, Postkarten usw.
– Youtube-Spots
– Songs
– Hintergruninformationen zu gelungenen Spins

in den gängigen Formaten und bitte, bitte, bitte nur in tiefen Auflösungen (teilweise dürften die Links reichen.) Die Mail-Adresse lautet: mark.balsiger@border-crossing.ch

Ich werde einen Teil davon hier im Wahlkampfblog oder im Wahlbistro aufschalten, allenfalls zusätzlich über unsere Facebook-Gruppe “wahlbistro – wo politisch Interessierte diskutieren” weiterverbreiten.

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P.S. Als Inspiration darf der Kurzfilm des Berner Stadtrats Henri-Charles Beuchat, der als Samichlaus ohne Rute auftritt, dienen – sowie die symbolische Putzaktion der Jungfreisinnigen vor der Reitschule, die auf meinen Auftruf am schnellsten reagierten:

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Foto: jungfreisinnige der Stadt Bern

Durchbruch für smartvote und Wahlbistro

Gestern am Stand des besten Kebabverkäufers in Bern: Nebenan diskutieren zwei Männer im Alter zwischen 25 und 30 Jahren. Beide sind unüberhörbar Walliser. Sie diskutierten über – die Stadtberner Wahlen. Beide sind unsicher, wen sie Ende November wählen sollen. “Ich kenne ja niemanden”, meint der eine lakonisch.

Die beiden Walliser sind zweifellos nicht alleine. Die Vermutung ist naheliegend, dass es Tausenden von Menschen in der Stadt Bern ähnlich geht. Gerade für sie gibt es das virtuelle Wahlbistro.

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Im Wahlbistro kann man den Kandidierenden auf den Zahn fühlen. Oder die Debatten unter Politisierenden verfolgen, die dort im Gange sind. Auch das hilft bei der Wahl.

Seit heute Morgen haben das Wahlbistro und die Wahlhilfe smartvote einen kombinierten Auftritt. Der technische Durchbruch gelang gestern und diese Nachricht von unseren IT-Cracks um 16.16 Uhr mit dem simplen Betreff “Ready!” liess bei uns im Büro die Korken knallen.

Worum geht es? Und wie funktioniert dieser kombinierte Auftritt? Ein Lesebeispiel:

– die URL www.smartvote.ch aufrufen
– Stadtratswahlen Bern – 30.11.2008 auswählen
– in der Suchmaske den Namen Jan Flückiger eingeben
– in Flückigers Navigation oben rechts erscheint die Rubrik „Wahlbistro“
– Wahlbistro anklicken >>> Flückigers Kommentare im Wahlbistro werden angezeigt (siehe Screenshot unten)
>>> von jedem seiner Kommentare kann man mit einem Mausklick direkt in die jeweilige Debatte gelangen

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Ein zweites Lesebeispiel:

– die URL www.wahlbistro.ch aufrufen
– zuunterst auf der Seite unter „Alle Debatten“ das Thema „Schutz der Umwelt vs. Behinderung der Wirtschaft“ anklicken
– der zweite Kommentar zu diesem Thema ist von Jan Flückiger
> in Flückigers Kurzprofil ist ein Link mit dem Namen “Smartspider” platziert (siehe Screenshot unten links). Mit einem Mausklick gelangt der Surfer direkt auf Flückigers Profil bei Smartvote.

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Fazit: Mit geringem Aufwand erhalten politisch Interessierte so wichtige Informationen über den Kandidaten Jan Flückiger. Zudem können sie seine Kommentare, die er zu verschiedenen Themen im Wahlbistro abgegeben hat, nachlesen. Das ergibt ein abgerundetes Bild und erleichtert die Wahl – oder hält davon ab.

Die beiden Walliser von gestern wissen um diese Innovation. Selbstverständlich habe ich Ihnen einen Flyer in die Hand gedrückt. Die allermeisten Menschen in Stadt und Kanton Bern hingegen wissen nichts über diesen kombinierten Auftritt von smartvote und Wahlbistro. Wir erreichen sie nicht.

Diese Aufgabe könnten die etablierten Medien wahrnehmen.

Werner Seitz zu den Bieler Wahlen: “Eine achtköpfige Regierung ist reichlich gross”

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Biel hat gestern gewählt. In der Exekutive löst Barbara Schwickert (grüne) den langjährigen Polizeidirektor Jürg Scherrer (Freiheitspartei) ab. Unter den vier vollamtlichen Mitgliedern ist das Gewichtsverhältnis damit neu 3 Rot-Grün zu 1 Bürgerlichen. Bei den nebenamtlichen Exekutivmitgliedern bleibt es bei 2 zu 2. Bei den Parlamentswahlen sind die Grünliberalen die klaren Sieger, die Freiheitspartei verliert vier Sitze.

Ein ausgewiesener Kenner der Politik und der Wahlen im Kanton Bern ist Werner Seitz. Der bekannte Berner Politologe hat für das Wahlkampfblog und im Wahlbistro eine Einschätzung der Bieler Wahlergebnisse vorgenommen.

Printversion des Interviews (PDF)

Werner Seitz, die Freiheitspartei hat vier Sitze verloren. Liegt das vor allem daran, dass ihr langjähriges Aushängeschild Jürg Scherrer in den Ruhestand geht oder steht diese Partei nun auch in Biel vor dem Aus?

Werner Seitz: Ich vermutet beides: Die Freiheitspartei (FP) besteht ja als nationale Partei seit der Jahrtausendwende nur noch in wenigen Regionen, und Biel war mit Jürg Scherrer die letzte FP-Hochburg. Nach diesem Wahlergebnis erwarte ich, dass die FP Biel den Weg der anderen Sektionen gehen wird: Entweder in der SVP aufgehen, die das FP-Gedankengut schon längere Zeit vertritt, oder marginalisiert weiter politisieren.

Die Grünliberalen holten auf Anhieb vier Sitze. Nach dem Durchmarsch im Kanton Zürich im letzten Jahr und unlängst in Basel-Stadt wiederholt sich ihr Erfolg erneut. Weshalb?

Die Grünliberalen haben dieses Jahr auch bei den kantonalen Wahlen in St. Gallen und im Thurgau gepunktet – also, überall, wo sie bisher kandidierten. Als neue Kraft mit mehrheitlich jungen Menschen, die mit den beiden Labels „ökologisch“ und „liberal“ die Politbühne betreten, sind sie zur Zeit zweifelsohne attraktiv. Mir fehlt jedoch noch die programmatische Tiefe. Ihre Stimmen machen die Grünliberalen – per saldo – nicht auf Kosten der Grünen. Sie stehen ihnen aber sicher etwas vor der Sonne. Wie die Bieler Panaschierstatistik zeigt, grasen die Grünliberalen nämlich auch im linksgrünen Segment. Aber da gibt es wohl grössere regionale Unterschiede.

Im Parlament haben die rot-grünen Parteien (ohne Grünliberale) mit 31 von 60 Sitzen nur eine hauchdünne Mehrheit. Wie wirkt sich das auf die Arbeit der nächsten vier Jahre aus?

Ich verstehe mich als Zaungast der Bieler Politik. Was ich aber mitbekommen habe ist, dass gerade in Biel keine knüppelharte Blockpolitik betrieben wurde. Ich gehe zudem davon aus, dass jede vernünftige und demokratische Politik darauf abzielt, nicht nur mit der eigenen Partei zu politisieren, sondern für bestimmte Vorlagen auch bestimmte Allianzen mit der einen oder anderen Partei einzugehen. Das können in Biel je nach Thema etwa die EVP, CVP, GLP oder die FDP sein.

Bei den Exekutivwahlen gab einen Links-Rutsch, Barbara Schwickert (grüne) ersetzt Jürg Scherrer (Freiheitspartei). Damit liegen die Mehrheitsverhältnisse bei 5 Rot-Grünen zu 3 Bürgerlichen, zuvor war es 4 zu 4. Rechnen Sie nun mit einem prononcierten Linkskurs der Bieler Regierung?

Mit der Einrichtung des Stichentscheids des Präsidenten hat es in Biel schon vergangene Legislatur eine Linksmehrheit gegeben. Barbara Schwickert aber wird sicher die ökologische und feministische Sichtweise verstärken.

Das „Bieler Modell“ der Exekutive ist ein Unikum: Es gibt 4 vollamtliche und 4 nebenamtliche Mitglieder. Die Nebenamtlichen mit einem Pensum von je 15 Prozent haben kein Ressort, sondern lediglich ein Mitsprache- und Stimmrecht. Ist ein Systemwechsel angezeigt, beispielsweise auf 5 vollamtliche Mitglieder?

Dieses Modell kam auch in den beiden anderen mittelgrossen Berner Städten Thun und Köniz zur Anwendung. Thun hat es vor einigen Jahren abgeschafft, in Köniz regieren immer noch drei Exekutivmitglieder im Vollamt und vier im Nebenamt. Eine achtköpfige Regierung für eine Stadt wie Biel mit 50’000 Einwohnern scheint mir reichlich gross. Die Präzisierung, dass nur vier voll regieren, lässt in mir die Frage aufkommen, wie sich die vier Nebenamtlichen denn überhaupt argumentativ in die Regierungsgeschäfte einbringen können. Zudem verkompliziert dieses Modell das Wahlsystem, das schon anspruchsvoll genug ist.

Eine andere Spezialität, die im Kanton Bern vielerorts zum Tragen kommt, ist das Proporzsystem bei Exekutivwahlen. In Biel kandidierten nicht weniger als 37 Personen für die Stadtregierung, die allermeisten ohne den Hauch einer Chance. Ausserhalb des Kantons Bern werden die meisten Exekutiven im Majorzwahlsystem bestimmt. Was spricht für die Beibehaltung des Proporzsystems?

Über den Daumen gepeilt werden in der Schweiz gut ein Drittel aller Gemeinderegierungen nach Proporz gewählt. In Zug und im Tessin gilt das Proporzsystem gar für die Wahl in die Kantonsregierung. Für den Proporz bei Exekutivwahlen spricht, dass er den kleineren Parteien grössere Wahlchancen gibt und so integrativ wirkt. Ein reines Majorzsystem gibt es übrigens wohl nirgendwo in der Schweiz: Meistens üben die grössten Parteien einen „freiwilligen Proporz“, was ja auch wieder Fragen aufwirft.

Auguren wie Kandidierende sagen dasselbe: Es gab in Biel kaum Wahlkampfthemen. Geht es den Menschen schlicht zu gut, um mobilisiert zu werden oder sind die Parteien zu schwach, um echte Debatten zu lancieren?

Die Debatte müsste natürlich von den bürgerlichen Herausforderern lanciert werden, und diese haben es seit einiger Zeit in den zumeist von Rot-grün regierten Städten schwer, sich mehrheitsfähig einzubringen. In Biel dürfte zudem bis vor Kurzem eine wichtige politische Trennlinie zwischen rot-grün-bürgerlich und den Rechtsaussen um Jürg Scherrer gegangen sein. Mit dem Rücktritt von Jürg Scherrer ist diese obsolet geworden, was sich auch in der sehr niedrigen Wahlbeteiligung von nicht einmal 30 Prozent zeigt.

Können Sie aus den Ergebnissen in Biel und vor zwei Wochen in Basel-Stadt einen Trend für die Wahlen in Bern von Ende November herauslesen?

Kommunale Wahlen können auch ihre eigenen Themen haben. Aufgrund der jüngsten Wahlen und der Nationalratswahlen vom vergangenen Herbst erwarte ich aber in Bern die SP auf der Verliererseite. Zulegen dürften die Grünen insgesamt. Dabei wird es namentlich interessieren, wie die neu gegründeten Grünliberalen abschneiden und auf Kosten von wem. Gerade in Bern dürfte dies kein Spaziergang werden, wird das von der GLP angepeilte Segment doch seit Jahren von der GFL besetzt.

Interview: Mark Balsiger

Foto Werner Seitz: www.werner-seitz.ch

Wenn Journalisten in die Politik wechseln wollen

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Rudolf Burger ist eine der prägenden Figuren bei der Berner Tageszeitung “Der Bund”. Mit beträchtlichem Aufwand pflegt der stellvertretende Chefredaktor seit vielen Jahren das “Samstagsinterview”. Dank Beharrlichkeit und guten Kontakten präsentiert er uns Leserinnen und Lesern immer wieder zum richtigen Zeitpunkt Persönlichkeiten, die auch etwas zu sagen haben.

Ein zweites Steckenpferd Burgers sind Wahlanalysen. Mit Akribe arbeitet sich der promovierte Politologe insbesondere in die Panaschierstimmenstatistiken ein. Dass diese Artikel kaum jemand liest bzw. viele überfordert, steht auf einem anderen Blatt.

Jetzt will Rudolf Burger (58) Gemeindepräsident in der Berner Vorortsgemeinde Bolligen werden. Das ist ein Halbamt und mit 80’000 Franken dotiert. Burger fordert die amtierende Margret Kiener Nellen (sp) heraus, gewählt wird am 9. November. Burger gehört zur Vereinigung “Bolligen Parteilos”, die vor vier Jahren mit einem Wähleranteil von knapp 20 Prozent drittstärkste Kraft im Dorf wurde.

Ein Journalist, der in die Politik wechseln möchte – das ist diffizil. “Der Bund” hat darum nach der Nomination Burgers in den regionalen Spalten klar gemacht, wie er diesen Fall handhaben will. Rudolf Burger trete “publizistisch nicht mehr (oder höchstens in Ausnahmefällen) in Erscheinung”.

Das Time-out ist ein Must, und es ist richtig, dass die Zeitung das klar kommuniziert. Die Klammerbemerkung – “höchstens in Ausnahmefällen” – irritiert hingegen. Gestern sagte Chefredaktor Artur K. Vogel auf Anfrage, dass er über diesen Einschub auch nicht glücklich sei. Die Redaktion sei personell aber so knapp dotiert, dass Burger bis zum Wahltermin unter Umständen trotzdem ein paar Mal einspringen müsse. Das ist verständlich – und bleibt diffizil. Burger beackert Bolligen nicht publizistisch.

Quereinsteiger, die aus dem Journalismus in die Politik wechselten, gibt es einige: Das jüngste Beispiel ist Filippo Leutenegger (fdp/ZH). Der ehemalige “Arena”-Dompteur und Chefredaktor des Schweizer Fernsehens gelang 2003 auf Anhieb der Sprung in den Nationalrat. 1991 schaffte dasselbe der ehemalige Sportjournalist Werner Vetterli (svp/ZH).

Verquickungen zwischen Journalismus und Politik waren in früheren Jahrzehnten die Regel statt die Ausnahme. Das lag vor allem an der Parteipresse. Der legendäre Willy Bretscher beispielsweise, mehr als 30 Jahre lang Chefredaktor der “Neuen Zürcher Zeitung”, sass von 1951 bis 1967 für die FDP im Nationalrat. Ein zweites prominentes Beispiel ist Martin Rosenberg, der Architekt der 1959 installierten Zauberformel im Bundesrat und ein guter Stratege. Er war Redaktor beim katholischen “Vaterland” aus der Zentralschweiz und gleichzeitig Generalsekretär der Konservativ-Christlichsozialen Volkspartei, der heutigen CVP.

Bei der NZZ hielt sich die Vermischung zwischen der erste Gewalt (Legislative) und der oft als vierte Gewalt apostrophierten Medien am längsten. Arthur Honegger war zugleich Redaktor im “Zürich”-Bund und gleichzeitig FDP-Mitglied im Zürcher Kantonsparlament. Jörg Kiefer wiederum, noch heute als NZZ-Korrespondent in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau tätig, war bis vor wenigen Jahren auch FDP-Kantonsrat in Solothurn.

Foto Rudolf Burger: bolligenparteilos.ch