Wahlbistro ist eröffnet – unser erster Gast: Stadtpräsident Alexander Tschäppät

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Es ist soweit: Das Wahlbistro ist eröffnet. Eben durch die Türe kam Alexander Tschäppät, der Berner Stadtpräsident. Er äussert sich im Interview zum Botellón, das diesen Samstag erstmals in Bern stattfinden soll.

Wer mit Tschäppät diskutieren möchte oder die Debatten einfach interessiert mitverfolgen will: Mit einem einzigen Klick sind auch Sie im Wahlbistro. Die erste Runde ist spendiert!

Vergessen Sie nicht, sich zu registrieren – erst danach können Sie auch mitreden im neuen Diskussionsforum.

Wahlbistro ermöglicht Debatten rund um die Uhr

Oft und laut wird in unserem Land die tiefe Beteiligung bei Wahlen und Abstimmungen beklagt. Früher seien die Schweizerinnen und Schweizer politisch aktiver und interessierter gewesen. Das mag stimmen. Aber früher gab es eine Parteipresse, Mitglieder von Milieus, die gemeinsam für etwas kämpfen mussten.

Was nützt das rückwärts gewandete Lamento? Wenn viele Menschen den Zugang zur Politik nicht finden oder sich um sie foutieren, müssen andere Ansätze her. Gefordert sind die Politikerinnen und Politiker auf allen Stufen. Gefordert sind insbesondere auch die Medien. Ihre Übersetzungsarbeit ist sehr wichtig: Sie müssen informieren, erklären, gewichten, einordnen. Tag für Tag. Inzwischen sogar Stunde für Stunde.

Das Internet hat das Potential, die Leute wieder vermehrt für Politik zu sensibilisieren. Smartvote, vor fünf Jahren lanciert, ist ein gelungenes Beispiel dafür. Diese Online-Wahlhilfe berechnete im eidgenössischen Wahljahr 2007 mehr als eine Million Wahlempfehlungen, 85 Prozent aller Kandidierenden schalteten ihr Profil bei Smartvote auf. Das sind Rekordwerte!

Die Vermittlung von Politik ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Ich bewege mich dabei an den Schnittstellen von Politik, Medien und Öffentlichkeit. Entsprechend taufte ich vor sechs Jahren meine Firma Border Crossing. Das Credo: Grenzüberschreitend wirken, zusammenführen, Gräben zuschütten, übersetzen, beleuchten – und nicht zuletzt mithelfen, damit das gegenseitige Verständnis wächst.

Basierend auf dieser Tätigkeit ist die Lancierung des virtuellen Diskussionsforums “wahlbistro.ch” logisch. Früher diskutierten politisch Interessierte im “Bären” oder “Rebstock”. Diese Kultur ist praktisch ausgestorben. Das Wahlbistro ist die logische Antwort unserer Zeit.

So präsentiert sich das Wahlbistro optisch, ein erster “Screenshot”:

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Smartvote ist primär ein Service für Wählerinnen und Wähler. Das Wahlbistro hingegen richtet sich auch an Politiker und Kandidatinnen, die sich profilieren möchten. Sie können ihre Eckdaten sowie eine Foto von sich hochladen und mit guten Kurz-Beiträgen an den Debatten teilnehmen. So werden sie bekannter. Die Teilnahme ist für alle gratis. Entscheidend: Das Wahlbistro ist parteipolitisch unabhängig.

Und sieht etwa so aus – der zweite “Screenshot”:

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Selbstverständlich kann das Publikum sich einschalten – im Wahlbistro ist für alle Platz. Vorausgesetzt man hält sich an die Hausregeln. Dank der Kooperation mit Smartvote können die Gäste im Wahlbistro auch die Smartspider (Spinnennetzprofile) der Kandidierenden aufrufen. Auf den Smartvote-Profilen wiederum sieht man, welche Kandidierenden sich im Wahlbistro zu welchen Themen äusserten. Das ist ein ausgebauter Service – und eine Innovation.

Meines Wissens gibt es in der Schweiz keine derartige Möglichkeit des permanenten Austausches unter politisch Interessierten. Beim Polit-Blog “NZZvotum” durften im letzten Jahr zehn gestandene nationale Parlamentarier regelmässig publizieren – auf Einladung der Redaktion. Die User beteiligten sich mit ihren Kommentaren. Das Wahlbistro geht weiter und setzt auf Gleichberechtigung.

Vorerst – als Pilot – ist das Wahlbistro im Kanton Bern geöffnet, weil hier im Herbst in vielen Gemeinden Wahlen stattfinden werden. Die Debatten beginnen frühestens am 1. September. Wichtig ist nun, dass sich viele Interessierte anmelden.

Das Wahlbistro schwirrte mir als Idee seit Langem im Kopf herum. In den letzten Wochen wurde das Projekt konkret, heute purzelte es in die Welt – unbemerkt. Beim “Düredänke”, Entwickeln und Umsetzen haben mitgeholfen: Monika Tschumi, Natascha Mathis, Andi Jacomet, Lukas Golder, Stefan Vogt, Marco Zanoni, ein Dutzend Statistinnen und Statisten beim “Fotoshooting”, sowie die Smartvote-Cracks Lea Hänsenberger (IT), Jan Fivaz, Marco Ineichen, Julien Fiechter und Lukas Pestalozzi.

Euch allen gebührt mein aufrichtiger Dank!

Mark Balsiger

Medienmitteilung Start Wahlbistro (PDF)

Die BDP setzt auf Gelb-Schwarz

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An das neue Parteikürzel beginnen wir uns zu gewöhnen: BDP. “BeeDeePee” – das stösst bei der Artikulation nicht an, sondern kommt rund von den Lippen.

Im Kanton Bern hat die neue Partei nach eigenen Angaben inzwischen 850 Mitglieder. In Graubünden sind praktisch alle ehemaligen SVP-Mitglieder zur BDP übergelaufen. Diese Sektion zählt 3500 Mitglieder.

Die Zeit drängt: In vielen Gemeinden im Kanton Bern werden im Herbst Wahlen stattfinden. In Graubünden sind die kantonalen Wahlen im Frühjahr 2009. Das muss ein Logo her. Der Zeitung “Sonntag” liegt ein Entwurf vor.

Nun, wie soll dieses Logo gedeutet werden? Und was bedeuten die Farben Schwarz und Gelb?

Schwarz ist gemäss der Farbenlehre gar keine Farbe. Gelb hingegen wird als Farbe des Lichts und der Wärme bezeichnet. Sie wirke “auf das Gemüt anregend, aufheiternd und erwärmend”. In seiner Farbenlehre schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die Farbe Gelb:

“Sie führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft (…) So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Daher es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zukommt. Diesen wärmende Effekt kann man am lebhaftesten bemerken, wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.” (Goethe, Farbenlehre)

P.S. Weiterhin ein Schmunzler: Wer svp.tv eingibt, erblickt nicht etwa Nationalrat Christoph Mörgeli, sondern ein Sünneli mit Sonnenbrille. Ziemlich relaxed neben Palmen. Sekunden später landet man der Website der BDP.

Foto: Sonntag

Berner BDP: Mit voller Kraft voraus

GAST-BEITRAG

Von Dieter Widmer*

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dieter_widmer1.jpgZugegeben: Die Chancen der neuen Bürgerlich- Demokratischen Partei (BDP) kann man unterschiedlich beurteilen. Der «Bund» folgt in seinem Leitartikel letzten Samstag offensichtlich der Einschätzung der am meisten zitierten Politologen und rechnet der neuen Partei kaum Chancen ein, sich als ernst zu nehmende Bewegung zu etablieren. Etwas allerdings unterschätzen die Skeptiker im vorliegenden Fall durchs Band weg: die Meinung des Volkes.

«Endlich» – noch selten habe ich ein Wort derart häufig gehört und gelesen wie in den letzten drei Wochen. Endlich, so liessen uns Hunderte Personen wissen, hat jemand den Mut und bietet der destruktiven Verhöhnungspolitik der schweizerischen SVP die Stirn.

Die neue Bürgerlich-Demokratische Partei vereinigt jene politischen Zielsetzungen und Tugenden, um die sich die schweizerische SVP foutiert: fundierte und sachbe-zogene bürgerliche Politik, das heisst lösungs- und leistungsorientiert, gradlinig und tolerant, verantwortungsbewusst und volksverbunden und – eben – glaubwürdig. Und diese Glaubwürdigkeit liess sich für den gemässigten Teil der Berner SVP nicht mehr länger aufrechterhalten, seit die schweizerische Partei derart ungestüm und rücksichtslos politisiert und andere Meinungen nicht mehr duldet. Die Parteispaltung beging die schweizerische Parteileitung als erste, als sie in einer Strafaktion 3500 Bündner kurzerhand aus der Mitgliederkartei streichen liess.

Die neue Partei hat im Kanton Bern intakte Chancen. Die Profilierung wird ihr gelingen, weil sie ein solides Fundament hat:

– die hohe Mobilisierungskraft als Partei, die innert fünf Tagen ohne Infrastruktur und ohne Mitgliederkartei für eine Versammlung rund 350 Personen zusammenrufen kann,

– eine Parteileitung, die voll motiviert und relativ jung, aber mit dem politischen Geschäft vertraut ist und Frauen in führenden Positionen integriert hat,

– eine Grossratsfraktion, die 17 engagierte und sachkundige Mitglieder zählt, die schon bisher massgeblich im Parlament und in ihrer bisherigen Partei tätig sind,

– sieben Grossratsmitglieder, die zu den wesentlichen Stützen der ständigen Kommissionen des Parlaments gehören,

– ein neues Parteiprogramm, das jetzt entwickelt wird und eine pragmatische mittelständische bürgerliche Politik umreisst, die von Anstand und Respekt geprägt ist und sich von jeglicher oppositioneller Grundhaltung distanziert, dafür auch bisherige bürgerliche Tabuthemen wie die Umweltpolitik aufnimmt, und

– eine pragmatische Europapolitik, die den bilateralen Weg fortsetzt,

– Tatendrang und neuen Schwung, ohne den oftmals drückenden Ballast starrer Organisationsstrukturen, was unglaubliche Reserven freilegt und motivierend wirkt,

– Themen- und Personenangebote, die insbesondere auch für die 95%-Mehrheit der parteiungebundenen Personen attraktiv sind,

– hohe Glaubwürdigkeit und breite Anerkennung für den mutigen Schritt in eine politisch wieder legitimierte Umgebung, und schliesslich eine Bevölkerung, die der unversöhnlichen und hemdsärmeligen Politik überdrüssig geworden ist und auf diesen Moment lange gewartet hat.

Die SVP Kanton Bern steckt in einer ungemütlicheren Lage, als sie es wahrhaben will. Sie möchte sich weiterhin als Berner Volkspartei anbieten, steckt aber unter dem Dach einer polarisierenden schweizerischen Oppositionspartei, die ihren Kurs unbeugsam diktiert und durchsetzt. Nach dem Auszug massgeblicher Teile des gemässigten Berner Flügels wird sie sich auf kantonaler Ebene in den schweizerischen Auftritt integrieren. Der mit dem «dritten Weg» gestellte Anspruch, sich weiterhin für eine anständige Politik einzusetzen, dürfte ziemlich wirkungslos bleiben, weil ihm in der Praxis nicht nachgelebt werden wird. Schon die erste Interventionsmöglichkeit, die Verurteilung des Ausspruchs in der Bieler SVP: «Jetzt ist Krieg, jetzt schlachten wir ab», blieb ungenutzt. Und der Ablauf der Delegiertenversammlung am Montag in Belp hat eindrücklich gezeigt, wie die Berner SVP Schwierigkeiten und Andersdenkenden in Zukunft begegnen will: polternd, verletzend, mit nicht besonders faktentreuen Unterstellungen und einer Rauswurf-Mentalität. Wahrlich – die Reihen mit der schweizerischen Partei wurden rasch geschlossen, überraschend schnell geschlossen!

Wir werden in fünf Jahren eine Zwischenbilanz ziehen – und dabei feststellen, dass das Volk der Bürgerlich-Demokratischen Partei recht gegeben hat: Eine offene, verantwortungsbewusst agierende und bürgerlich ausgerichtete politische Kraft findet Resonanz, die nicht nur quälend überlebt, sondern im politischen Leben Berns einen beachtlichen Status erreicht.

* Dieter Widmer ist Grossrat und Fraktionschef der neuen Bürgerlich-Demokratischen Partei Kanton Bern. Zuvor war er Fraktionschef der SVP imGrossen Rat, demer seit 1994 angehört und den er 2002/03 präsidiert hat. Widmer ist Leiter Öffentlichkeitsarbeit BKW.

Dieser Beitrag ist zuerst in der Tageszeitung “Der Bund” vom 27. Juni 2008 erschienen. Ich habe ihn nach Rücksprache mit dem Autor auf diesem Weblog aufgeschaltet. Gast-Beiträge stehen übrigens grundsätzlich allen offen.

Foto Dieter Widmer: www.be.ch/gr

Aus BPS wird BDP: Die abtrünnigen Berner SVPler haben wieder eine politische Heimat

In “Schlossgut” in Münsingen steigen traditionell Partys “für Singles zwischen 25 und 99 Jahren”. Heute morgen war das Altersspektrum ähnlich breit: Es dominierten eben nicht die älteren Generationen, und auch der Landsturm wurde nicht aufgeboten, wie die NZZ im Vorfeld orakelt hatte. Insgesamt mehr als 300 Personen fanden sich ein, um an der Gründungsversammlung der neuen Partei dabei zu sein.

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Die neue Partei firmiert unter dem Namen Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP). Damit haben sich die abtrünnigen SVPler im letzten Moment noch vom der Bezeichnung BPS, Bürgerliche Partei Schweiz, abgewendet. Als Präsidentin der BDP Kanton Bern wurde Beatrice Simon (47) gewählt. Sie präsidiert seit 2003 die Exekutive der 3000-Seelen-Gemeinde Seedorf und ist seit 2006 Grossrätin der SVP. Ihr Aufstieg in der mit Abstand grössten Fraktion verlief schnell: Unlängst wurde sie zur Vize-Fraktionschefin gewählt. Sie hätte in der SVP Karriere machen können. Trotzdem ist zur Schwesterpartei BDP übergetreten, zusammen mit 16 Kollegen aus der SVP-Fraktion.

Nachdem Beatrice Simon sich am 2. Juni zur Bubenberg-Gruppe bekannte, wurde sie von der SVP-Ortssektion Seedorf heftig angefeindet – via Lokalpresse. Andere Abtrünnige machen zurzeit ähnliche Erfahrungen. Auch deshalb darf man davon ausgehen, dass viele SVP-Mandatsträger auf kommunaler Stufe vorläufig nicht zur BDP wechseln werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine der 289 Berner Ortssektionen oder gar ein SVP-Landesverband zur BDP übertreten wird.

Ins Vizepräsidium der Bürgerlich-Demokratischen Partei wurden Grossrätin Annelise Vaucher (56) aus dem Berner Jura, im Jahr 2006 noch SVP-Regierungsratskandidatin, und Samuel Leuenberger (34), Grossrat und Jurist aus dem Emmental gewählt.

Mit der Parteigründung sei der “schmerzhafte Spagat” zwischen dem traditionellen Berner und dem neoliberalen Zürcher Kurs beendet, sagte Regierungsrat Urs Gasche. Viele Leute hätten seit Jahren sehnsüchtig auf eine pragmatische Partei gewartet, die auf die alten Tugenden der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) und der alten SVP bauen würden. Diese Leute hätten bislang geschwiegen. Gasche, der als Tagespräsident amtete: “Die Schweigenden sind das Potenzial unserer Partei. ”

Die Bürgerlich-Demokratische Partei ist also die neue Heimat von ehemaligen Berner SVP-Mitgliedern, die man gerne als “nett” bezeichnete. Das wird nicht reichen, um die neue Partei zu etablieren. Es braucht bald auch erste Wahlerfolge: Laut Gasche will die BDP im nächsten Jahr bei den verschiedenen Gemeindewahlen antreten, ebenso 2010 bei den kantonalen und 2011 bei den eidgenössischen Wahlen. 2013 schliesslich wolle man das 5-Jahr-Jubiläum der Partei feiern, sagte Gasche unter dem grossen Applaus der Menge.

Ganz zuhinterst in der Ecke, eigentlich noch im Foyer, sass ein prominenter Zaungast, lange Zeit fast unbemerkt: alt-Parteipräsident und -Nationalrat Hermann Weyeneth. Er hatte in den letzten Wochen noch versucht, die Parteispaltung zu verhindern. Kaum war die Versammlung zu Ende, verschwand Weyeneth schon wieder.
Nachtrag:

Spannend, wie schnell bzw. “schnell” die verschiedenen Newsportale die sda-Meldung zur Parteigründung aufschalteten. Eine Auswahl:

– 12.12 Uhr Tages-Anzeiger
– 12.48 Uhr Blick
– 12.55 Uhr NZZ
– 13.49 Uhr .ch
– 13.50 Uhr Sonntag online
– 13.59 Uhr espace media

Die Versammlung in Münsingen war übrigens um 11.20 Uhr zu Ende. Weil die Zürcher (und Badener) Medien wieder einmal schneller waren, entschied ich kurzfristig, hier einen Newsbeitrag zu publizieren. Geplant war eine Analyse; sie bleibt in petto. Bei der Performance von espace.ch wirft nicht nur das Tempo Fragen auf: Zur Agenturmeldung über die Parteigründung veröffentlichte dieses Newsportal ein Foto von Bundesrat Samuel Schmid am Rednerpult. Das suggeriert, dass er selber an der Versammlung war. Dem war aber nicht so. Schmid wird zwar voraussichtlich auch Mitglied der BDP, war aber an der Gründungsversammlung liess es sich entschuldigen. (Nachtrag vom Sonntag, 22. Juni: Inzwischen wurde das Foto ausgetauscht.)

Foto Beatrice Simon: www.grossraetin.ch

Bern: Die Bürgerliche Partei Schweiz (BPS) am Vorabend ihrer Gründung

Morgen wird die Berner Sektion der Bürgerlichen Partei Schweiz (BPS) gegründet. Der Name hat dieser Tage für Verwirrung und Ärger gesorgt. Wer die Internetadresse www.bps.ch eingibt, wird zu einer Schweizer Grossbank umgeleitet. Mit der Domain www.bps.com landet man bei einer Firma in Kalifornien. Das Parteikürzel BPS ist bereits seit 12 Jahren belegt: von der Bürgerpartei Schweiz, die im Raum Bern ab und zu mit Leserbriefen auffällt und nach eigenen Angaben etwa 30 Mitglieder hat.

nette_svp.jpgWomöglich wird der Parteiname BPS an der Gründungsversammlung in Münsingen nochmals geändert. Ein Sprecher der Bubenberg-Gruppe sagte, BPS sei erst ein Arbeitstitel. Einen Arbeitstitel lieferte auch eine Werbeagentur – im Auftrag der “SonntagsZeitung” (siehe Illustration). Und damit stellt sich einmal mehr die Frage, ob die neue Partei sich primär im Stil von der SVP unterscheiden will, faktisch also eine “nette SVP” wäre.

Die Bezeichnung bürgerlich hat einen nostalgischen Beigeschmack. Sie erinnert an eine Zeit, als es in der Schweiz noch soziale Milieus gab. Sie lässt aber auch die Interpretation zu, dass die abtrünnigen SVPler an die guten alten Zeiten der Bauern-, Gewerbe- und Bauernpartei anknüpfen möchten.

Die Erinnerung an die guten alten Zeiten kann den Parteigründerinnen und -gründern Mut machen. Sie stehen seit bald drei Wochen in der Kritik. Praktisch täglich liest man von Sektionen, dass sie sich für die alte SVP entschieden haben. So der Tenor. Die Vermutung ist aber naheliegend, dass viele Parteigänger es nicht wagen, sich auf die andere Seite zu schlagen. Andere haben kalte Füsse gekriegt.

Mut schöpfen kann die Berner BPS aus zwei Gründen: Erstens schrumpfte die SVP des Kantons Bern in den letzten 16 Jahren von aprox. 33’000 auf 20’000 Parteimitglieder. Viele sind gestorben, viele aber auch ausgetreten. Das ist ein Aderlass – und gleichzeitig das Potenzial für die neue Partei. Zweitens ist die Abspaltung bzw. Neugründung schon jetzt die erfolgreichste in den letzten 90 Jahren Schweizer Parteiengeschichte.

Im Jahre 1918 lösten sich Bauern und Gewerbler im Kanton Bern vom Freisinn und gründeten eine eigene Partei. Sie wurde bereits 1919 zur stärksten Kraft im Kanton – und ist es bis heute geblieben. Dieser Erfolg kann sich wiederholen – theoretisch.

Vorentscheidend ist es, dass die neue Partei morgen beim Besetzen der Schlüsselpositionen auf die richtigen Köpfe setzt. Insider wollen wissen, dass es nämlich nicht nur unter den Parteimitgliedern, die aus eigennützigen Gedanken bei der SVP blieben, Opportunisten gäbe. Ausgedeutscht: Es geht vereinzelten Figuren nicht um die Sache, sondern vor allem um die eigene Politkarriere, die bei der SVP partout nicht mehr weiter gedeihen wollte.

Berner SVP vor der Gretchenfrage: Austritt aus der SVP Schweiz oder Spaltung?

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Die Geschichte der SVP-Dissidenten wird auch heute weitergeschrieben, in Bern wie im Kanton Graubünden.

http://www.espace.ch/artikel_532058.html

Seit dem Ausschluss der Bündner SVP-Sektion am 1. Juni ist eine ungewöhnliche Dynamik aufgekommen, die Auswirkungen auf die Parteienlandschaft sind noch nicht abschätzbar.

In Graubünden ist die Gründung einer neuen Partei beschlossene Sache, nicht so in Bern. Die primären Fragen sind:

– Ist das Vorgehen richtig, die SVP-Kantonalpartei mit einer Resolution zum Austritt aus der SVP Schweiz bewegen zu wollen?
– Wie gross sind die Chancen für eine neue bürgerlich-liberale Partei im Kanton Bern?
– Gibt es einen “dritten Weg”, wie dies rund zwei Dutzend SVP-Grossräte vor ein paar Tagen forderten?
– Wie gross ist der Einfluss der liberaleren Kräfte auf den Kurs der Berner SVP, wenn sie der Partei treu bleiben?

Die Zeit drängt: Voraussichtlich am 23. Juni soll eine ausserordentliche Delegiertenversammlung entscheiden, ob die Berner SVP der Mutterpartei den Rücken kehren will. Das ist die Gretchenfrage: Vielerorts sind die Meinungen noch nicht gemacht. Theoretisch müssten sich die 289 Ortssektionen der Volkspartei in den nächsten zwei Wochen entscheiden, ebenso 21’000 Parteimitglieder.

Ich finde die Diskussion, die entbrannt ist, hochspannend. Interaktive Foren eignen sich vorzüglich dafür. Schön, wenn Sie hier mitdiskutieren.

Ältere Postings zum Thema:

Rettungsversuch von Hermann Weyeneth und Co
Neue Partei: Es braucht einen langen Atem und die richtige Duftnote


Foto: keystone

SVP Bern: Rettungsversuch von Hermann Weyeneth & Co

Die SVP auf fast allen Kanälen – auch hier.

“10vor10” meldete gestern Abend, die Abtrünnigen der Berner SVP seien sich ihrer Sache bereits nicht mehr sicher. Aber gucken Sie selber.

Natürlich laufen die Drähte im Hintergrund heiss. Aber nicht nur ausgelöst vom ehemaligen Berner Kantonalpräsidenten und Nationalrat Hermann Weyeneth (Bild), der zusammen mit Gleichgesinnten die Spaltung der SVP Bern verhindern will.

weyeneth1.jpgSein Rettungsversuch kommt zu spät, es gibt keinen Weg zurück. Es gibt auch keinen dritten Weg und schon gar keine Möglichkeit, der SVP Schweiz Auflagen für eine Rückkehr in die Mutterpartei zu machen.

Jahrelang wurden die liberaleren Kräfte innerhalb der Berner SVP gedehmütigt und lächerlich gemacht. Am Montag haben sie die Konsequenzen gezogen und die Flucht nach vorne angetreten. Fallen sie jetzt um, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Das können sie sich schlicht nicht leisten, weil jeder Nebensatz, den sie verbal oder in Mails äussern, in der Öffentlichkeit seziert und interpretiert wird.

Und zum Schluss noch dies: Ein Korrigenda zuhanden der “10vor10”-Redaktion: Hans Grunder ist einer der Wortführer der Abtrünnigen, aber nicht Präsident der SVP Bern.

Foto Hermann Weyeneth: keystone

Einsichten und Zitate, die nachhallen (8) – heute: Urs Gasche

– “Die SVP des Kantons Bern war früher die starke Sektion in der SVP Schweiz… und jetzt ist sie eine Lachnummer.”

Angesprochen auf die Chancen einer neuen liberal-bürgerlichen Partei im Kanton Bern:

– “Es geht für mich gar nicht darum, dort zu sein, wo ich die meisten Wähler finde. Politik hat auch etwas mit dem Bekenntnis zu einer Grundhaltung und einem Wertesystem zu tun.”

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Urs Gasche, seit 2001 Regierungsrat des Kantons Bern und Noch-Mitglied der SVP

Quelle: Der Bund

P.S. Das erste Zitat ist, um präzise zu sein, eine “Co-Produktion” von “Bund”-Redaktor Rudolf Burger und Urs Gasche. Burger begann die Frage zu stellen, Gasche beendete den Satz.

Foto Urs Gasche: www.mingerruedi.ch

Neo-Regierungsrat Christoph Neuhaus bleibt bei der Berner SVP – natürlich

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Das ist fürwahr keine Überraschung: Christoph Neuhaus hat sich entschieden, der SVP des Kantons Bern die Stange zu halten. Aus seiner Sicht ist das verständlich. Er wurde erst gerade vor wenigen Wochen als Regierungsrat gewählt.

Sein Noch-Parteikollege in der Berner Regierung, Urs Gasche, wird der SVP den Rücken kehren und zur neuen liberaleren Gruppierung wechseln. Er kann sich dennoch gute Chancen ausrechnen, in zwei Jahren gewählt zu werden. Gasche ist populär, dossiersicher und hat sich mit seiner Arbeit seit 2001 Respekt und Anerkennung geholt.

Neuhaus hatte realistischerweise gar keine andere Option als zu bleiben. Wenn einer die Schoss der SVP verlässt, muss der andere bleiben, sonst läuft er ins Messer. Als zweiter dissidenter Regierungsrat würde es Neuhaus bei den nächsten Wahlen hinter Gasche nur für den zweiten Platz reichen – und auf Platz 2 der SVP-Dissidenten dürfte man kaum in der Berner Kantonsregierung verbleiben.

Christoph Neuhaus zeigte im Herbst letzten Jahres viel Cleverness auf dem Weg zur Nomination. Jetzt fällte er einen pragmatischen Entscheid. Wer will es ihm verargen? Niemand möchte bloss für zwei Jahre Regierungsrat sein.

Foto: keystone