Personenfreizügigkeit: Das grosse Zittern ist teilweise selbst verschuldet

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In knapp 24 Stunden hat das Zittern ein Ende. Der Ausgang der vermutlich wichtigsten Abstimmung dieser Legislaturperiode scheint bis zum Schluss völlig offen zu sein. Ich tippe auf +/- 52 Prozent Ja.

Der Abstimmungskampf war verkorkst, die Metathemen dominierten komplett. Statt über die Vorlage wurde über Raben, dubiose Websites und Strafanzeigen diskutiert. Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass bei Abstimmungsvorlagen je länger, je mehr die Kampagnen an sich im Brennpunkt stehen und nicht mehr die Inhalte.

Dass der Ausgang der morgigen Abstimmung offen ist, hätte nicht sein müssen. Im Frühling letzten Jahres schien vorerst niemand den klaren Entscheid des Parlaments anfechten zu wollen. Als schliesslich zwei Kleinstparteien – die Lega und die SD – in die Bresche sprangen, folgte die Junge SVP.  Die Volkspartei wiederum machte einen Rückwärtssalto und drehte ihr urspüngliches Ja in ein Nein.

Das grosse Zittern der Befürworter ist zu einem Teil selbst verschuldet. Ich benenne zwei Gründe:

– Zu Beginn der heissen Phase kritisierten Schlüsselfiguren plötzlich das Hauptsujet. Dabei hing genau dieser Apfelbaum seit Juli letzten Jahres an jeder zweiten Plakatwand. Dabei wurde genau dieser Apfelbaum bereits im Jahr 2005 eingesetzt.

Die Anzahl Komitees ist kaum mehr zu überblicken und hat für Verwirrung gesorgt. Wir dürften davon ausgehen, dass es die Intention war, den Wählermarkt zu segmentieren. Vermutlich ist aber etwas anderes geschehen: Die Akteure des Ja-Lagers haben sich selbst segmentiert.

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Aargauer Wahlkampf: Die Schlussphase ist dumpf und erschütternd

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Ich beklagte schon wiederholt, dass die Kandidierenden ihren Wahlkampf zu wenig engagiert führen. Wenn Engagement allerdings durch dumpfe Provokation ersetzt wird, erleidet die Politik in ihrer Gesamtheit einen irreparablen Schaden.

In den letzten Tagen hat im Aargau das Inserat eines vorgeschobenen Elternkomitees “Keiner wählt Rainer” für Wirbel gesorgt (siehe Inserat oben). Diese Geschmacklosigkeit gegen Regierungsrat Rainer Huber (cvp) haben die Grossräte Urs Haeny (fdp) und Andreas Glarner (svp) zu verantworten.

Glarner sorgte schon wiederholt für Wirbel mit umstrittenen Plakatsujets. Wir erinnern uns: 2007 ging er mit ähnlichen Provokationen auf Stimmenfang:

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Glarner – laut Eigenwerbung “Hardliner statt Weichspüler” – ist nicht bloss ein Grossrat unter vielen, er ist Fraktionschef der grössten Partei im Aargau. Für den Sprung in den Nationalrat reichte es ihm nicht.

Mit der neuerlichen Entgleisung erweisen Glarner & Co. den offiziellen SVP- und FDP-Kandidierenden einen Bärendienst.

Quellen:
– Inserat: aargauerzeitung.ch
– Plakatsujet: andreas-glarner.ch

Bond hilft “Bund” – und Sie?

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Im letzten Herbst musste der Bundesrat zusammen mit der Schweizerischen Nationalbank ein Rettungspaket für die grösste Schweizer Bank schnüren: 68’000’000’000 Franken schwer.

Der Tageszeitung “Bund” würde eine substanzieller Zustupf auch helfen. Bloss, da hilft der Bund nicht. Skandinavische Zustände will hierzulande niemand. Im hohen Norden wird die Presse im grossen Stil vom Staat subventioniert, um die Pressevielfalt zu gewährleisten.

Mit der gigantischen Summe von 68 Milliarden Franken hätte der “Bund” die nächsten 5666 Jahre ausgesorgt.

Weil solche Zahlen nicht fassbar sind, befassen wir uns besser mit der knüppelharten Realität. Es geht um das Überleben des “Bund”. Hier und jetzt. Wer noch immer nicht im Petitionskomitee “Rettet den Bund” ist, sollte sich sputen. Sonst ist bald einmal fertig mit Pressevielfalt im Grossraum Bern.

Auf meinem abendlichen Spaziergang durch die Innenstadt entdeckte ich eben das Bond’n’Bund-Sujet an den Bushaltestellen. Der britische Agent könnte ja noch eine Köfferchen mit Geld mitbringen.

Sujet: unknown

Werberisch schreiben: einst und heute

Schreiben ist Arbeit am Gedanken.

Mir gefällt dieser Satz. Womöglich gibt es deswegen dieses Weblog. Auch wenn – leider – meistens zu wenig Zeit vorhanden ist dafür.

Dieser Tage ist mir im Archiv ein halbwegs vergilbtes Flugblatt in die Hände gefallen. Aus dem Jahre 1986. Das war mein erster Versuch, werberisch zu texten. Doch davon später.

Gelegentlich arbeite ich als Texter für Kunden, andere Agenturen oder meine eigene Firma. Vor ein paar Wochen textete ich für die Tageszeitung “Der Bund”. Nicht ganz uneigennützig: Der “Bund” ist Medienpartner unseres jüngsten Babys, besser bekannt unter dem Namen Wahlbistro.

Diese Woche sind die beiden Inserate, die ich unlängst für das virtuelle Wahlbistro textete, erstmals geschaltet worden. Wurde auch Zeit. Der Wahlkampf für den 30. November sollte jetzt in der entscheidenden Phase sein, ist aber noch immer nicht Stadtgespräch.

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Eine klassische Fehlaussage also. Der Kern des zweiten Inserats passt hingegen ganz gut, finde ich. In den letzten Tagen haben sich ein paar Gemüter ziemlich erhitzt und sich einen Schlagabtausch à la Bern geliefert.

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Im Zentrum stand die Frage, wer in Bern ins Stadtpräsidium gewählt werden soll.

Zurück zum vergilbten Flugblatt aus dem Jahre 1986. Ich war damals noch minderjährig und versuchte mit anderen, ein “Kaff” zu beleben. Der Auftakt machte das “Disco Fäscht”.

Ich erinnere mich, wie ich das Flugblatt im Februar 1986 zurechtschusterte. Tief in der Nacht. An einer mechanischen Schreibmaschine vom Typ Hermes 2000. Bloss keine Tippfehler machen, bloss gut acht geben, dass die Tasten alle gleich stark angeschlagen werden.

Ergänzend kamen Abreibbuchstaben zum Einsatz. Das sieht grauenhaft aus! Auf Grund von Flecken unten rechts habe ich diesen Teil abgeschnitten.

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Das Logo lieferte die Band – nicht als JPG- oder EPS-Datei, sondern auf Papier. Schwarz-weiss. Für den Schriftzug “Disco Fäscht” – insgesamt interessant ist der Mix von Englisch und Mundart – war eine begabte Kollegin besorgt. Auch sie lieferte auf Papier. Das Schneiden und Kleben und Texten war mir überlassen. Wenn ich mich richtig erinnere, war ich damals stolz auf das Produkt.

Das “Disco Fäscht” lockte 700 Gäste in die Dorfturnhalle Windisch. Längst ist es für mich eine Legende, romantisch verklärte Nostalgie. Ein paar Reminiszenzen davon erzähle ich Ihnen vielleicht einmal im Wahlbistro.

Eine Parallele hat mich eben selber verblüffend: auch heute geht es mir darum, dass etwas läuft. Der Idealist in mir ist nicht tot zu kriegen.


Post vom Stapi

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Stadtpräsident Alexander Tschäppät hat geschrieben, das Couvert ganz in Rot. Er hielt also Wort. Die Lieferung erfolgte nur wenige Tage nachdem ich auf seiner minimalistischen Website eine Bestellung aufgegeben hatte. Sein “Plan für Bern” liegt vor – und in unseren Händen.

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Wer mit dem “Plan” einen Wurf in Sachen Stadtplanung erwartete, ist auf dem Holzweg. Tschäppät hatte schon letzte Woche angekündigt, dass sein “Plan” nicht in die Tiefe gehen werde. In der Tat: es handelt sich bloss um einen Stadtplan. Umrahmt wird der Stadtplan von ein paar Kernaussagen und Prominenten, die empfehlen. Simonetta Sommaruga und Kuno Lauener zum Beispiel.

Fazit: ein gelunges Give-away. Zu praktisch, um es gleich wieder zu entsorgen. Nächste Woche liegt Tschäppäts Plan in 85’000 Haushaltungen. Unserem Couvert lag noch eine Karte von ihm bei. Handgeschrieben.

Fotos: Mark Balsiger

Gesucht: Die kreativsten Aktionen und Werbemittel im Berner Wahlkampf 2008

In letzter Zeit monierte ich in diesen Spalten mehrmals, dass es bei den Berner Gemeindewahlen gar keinen Wahlkampf gäbe. Die Rückmeldungen – hinter den Kulissen und nicht via Blog – widersprechen meiner These. Es werde sehr wohl gewahlkämpfert. Und dann folgten in der Regel Verweise auf Aktionen usw.

Gut so, liebe Kandidatinnen und Kandidaten. Im Berner Wahlherbst 2008 buhlen schätzungsweise noch 1000 Personen um Sitze in Parlamenten und Exekutiven, die Hälfte davon allein in der Stadt Bern. An sie alle richtet sich mein Aufruf: Mailen Sie mir

– Fotos von Ihren Aktionen
– Prospekte, Plakate, Postkarten usw.
– Youtube-Spots
– Songs
– Hintergruninformationen zu gelungenen Spins

in den gängigen Formaten und bitte, bitte, bitte nur in tiefen Auflösungen (teilweise dürften die Links reichen.) Die Mail-Adresse lautet: mark.balsiger@border-crossing.ch

Ich werde einen Teil davon hier im Wahlkampfblog oder im Wahlbistro aufschalten, allenfalls zusätzlich über unsere Facebook-Gruppe “wahlbistro – wo politisch Interessierte diskutieren” weiterverbreiten.

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P.S. Als Inspiration darf der Kurzfilm des Berner Stadtrats Henri-Charles Beuchat, der als Samichlaus ohne Rute auftritt, dienen – sowie die symbolische Putzaktion der Jungfreisinnigen vor der Reitschule, die auf meinen Auftruf am schnellsten reagierten:

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Foto: jungfreisinnige der Stadt Bern

Baldrian fürs Volk

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…verabreicht von der Berner Tageszeitung “Der Bund” und zwei Banken am Bundesplatz, wobei die Botschaft des einen Geldinstituts nicht ganz kongruent ist.

P.S. Ein neues Wort macht die Runde: Marxwirtschaft.

Fotos: Mark Balsiger

David Stampfli lässt Bernmobil für sich werben – ganz entspannt auf der Lueg

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In sieben Wochen sind die Wahlen in der Stadt Bern und anderswo vorbei. Spür- und sichtbar ist der Wahlkampf noch kaum. Lästermäuler behaupten, dass das so bleibe, da die Spannung fehle und überhaupt.

Jüngere Kandidierende versuchen über Facebook zu mobilisieren, ein Etablierter, der unbedingt gewählt werden will, liess am Freitagabend seinen schnell entworfenen Flyer unter die Gepäckträger aller Fahrräder in der Innenstadt klemmen. Mit der üblichen Konsequenz: Hunderte lagen am Boden, der Streuverlust ist riesig.

Geschickter ging David Stampfli vor. Er meldete sich schon vor Monaten auf den Aufruf, bei einer Werbekampagne für Bernmobil mitzumachen. Er wurde mit anderen Hobbymodels ausgewählt und hängt nun schon seit geraumer Zeit an vielen Plakatwänden. Entspannt präsentiert er sich auf der Lueg, einem Ausflugsberg zwischen Bern und Heimiswil im Emmental. Stampfli, nach eigenen Angaben überzeugte ÖV-Benützer, wirbt für Bernmobil, Bernmobil wirbt für ihn.

Klassische Wahlpropaganda ist das nicht, zumal auf dem Sujet nur Stampflis Vorname prangt. Trotzdem bleibt die Wirkung nicht aus, weil die lokalen Medien über den “Held des öffentlichen Verkehrs” (Stampfli über Stampfli) berichtet haben. Sehr zum Ärger der vielen Mitkonkurrierenden.

Wer nicht nur zum Nulltarif, sondern auch mit Substanz für sich werben will, sollte das virtuelle Wahlbistro besuchen. Dort laufen zurzeit Debatten zur Abschaffung des Verbandsbeschwerderechts, das neue Freizeit- und Einkaufszentrum “Westside” sowie das Bettelverbot in Bern.

Sujet David Stampfli: www.davidstampfli.ch

Die BDP setzt auf Gelb-Schwarz

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An das neue Parteikürzel beginnen wir uns zu gewöhnen: BDP. “BeeDeePee” – das stösst bei der Artikulation nicht an, sondern kommt rund von den Lippen.

Im Kanton Bern hat die neue Partei nach eigenen Angaben inzwischen 850 Mitglieder. In Graubünden sind praktisch alle ehemaligen SVP-Mitglieder zur BDP übergelaufen. Diese Sektion zählt 3500 Mitglieder.

Die Zeit drängt: In vielen Gemeinden im Kanton Bern werden im Herbst Wahlen stattfinden. In Graubünden sind die kantonalen Wahlen im Frühjahr 2009. Das muss ein Logo her. Der Zeitung “Sonntag” liegt ein Entwurf vor.

Nun, wie soll dieses Logo gedeutet werden? Und was bedeuten die Farben Schwarz und Gelb?

Schwarz ist gemäss der Farbenlehre gar keine Farbe. Gelb hingegen wird als Farbe des Lichts und der Wärme bezeichnet. Sie wirke “auf das Gemüt anregend, aufheiternd und erwärmend”. In seiner Farbenlehre schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die Farbe Gelb:

“Sie führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft (…) So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Daher es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zukommt. Diesen wärmende Effekt kann man am lebhaftesten bemerken, wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.” (Goethe, Farbenlehre)

P.S. Weiterhin ein Schmunzler: Wer svp.tv eingibt, erblickt nicht etwa Nationalrat Christoph Mörgeli, sondern ein Sünneli mit Sonnenbrille. Ziemlich relaxed neben Palmen. Sekunden später landet man der Website der BDP.

Foto: Sonntag

Wie Stadtratskandidat Michael Burkhard in aller Zürcher Munde geriet

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Die Diskussion ist nicht neu, es aber aus aktuellem Anlass wert: Was darf politische Werbung? Wo liegen ihre Grenzen, so es ueberhaupt (noch) welche gibt?

Diese Fragen koennen wir anhand der aktuellen Kampagne von Michael Burkhard diskutieren. Michael Burkhard ist 29, Jurist, Praesident der jungfreisinnigen der Stadt Zuerich – und seit kurzem Stadtratskandidat. Er tritt an gegen Nationalraetin Ruth Genner (gruene) und Mauro Tuena, Fraktionschef der SVP im Stadtparlament. Die Ersatzwahl fuer die abtretende Monika Stocker (gruene) findet am 1. Juni statt.

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Im Moment haengen in der Stadt Zuerich an 80 verschiedenen Stellen insgesamt drei verschiedene Plakatsujets. Dabei handle es sich um die erste Welle, sagt Michael Burkhard, der dank seiner Kampagne im Moment in (fast) aller (Zuercher) Munde ist – so auch beim Plappermaul, das eben nicht plappert, sondern Blogs und Politiker scharf beobachtet.

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Mein Aufruf kommt etwas spaet. Pardon, aber ich bin fernab der Schweiz und meistens auch der Internetcafis – deshalb auch die fehlenden Umlaute.

Quelle: www.michaelburkhard.ch