1. Die FDP-Fraktion steht praktisch geschlossen hinter Ueli Maurer Kandidatur. Das tut sie nicht aus tiefster Überzeugung, sondern aus taktischen Gründen. In ein paar Monaten dürfte die Nachfolge von Pascal Couchepin (fdp) zu wählen sein. Dann ist die FDP auf die Stimmen der SVP angewiesen, auch wenn diese zuerst wieder mit einer eigenen Kandidatur zeuseln wird.
2. Die meisten SVP-Mitglieder der Bundeshausfraktion haben genug von der selbst verursachten „Opposition“. Nach einem Jahr möchten sie zurück in den Bundesrat und die Ära Blocher abschliessen. Christoph Blocher dürfte es mit respektablen Resultaten bis in den dritten Wahlgang schaffen – wenn er will. Vielleicht zieht er sich nach dem ersten Wahlgang bereits zurück. (Zum letzten Mal in seiner langen politischen Karriere ans Rednerpult zu treten, wird er sich dabei nicht entgehen lassen.) Das ist eine letzte Ehrerweisung seiner Parteikollegen. Nachher werden sie zu Ueli Maurer umschwenken.
3. CVP-Mitglieder aus den ehemaligen schwarzen Hochburgen (St. Gallen, Zentralschweiz) fürchten, dass ein weiterer Affront gegenüber der SVP sich negativ auf die CVP in diesen Regionen auswirken kann. Sie werden sich hüten, Ueli Maurer nicht zu wählen.
4. Eine klare Mehrheit der Vereinigten Bundesversammlung will, dass die SVP in den Bundesrat zurückkehrt. Sie erhofft sich dabei mehr Stabilität und etwas weniger Lärm der grössten Partei. Die wirtschaftlich schwere Zeiten, die die Schweiz vor sich haben, wirken weiter disziplinierend auf die Bundesratswahlen.
5. Ueli Maurer ist nicht Christoph Blocher. Entsprechend kann man die heutigen Wahlen nicht mehr mit der Situation vor einem Jahr vergleichen.
6. Luc Recordon machte einen taktischen Fehler, indem er bereits gestern verkündete, er würde seine Kandidatur zugunsten einer anderen zurückziehen.
7. Viele Mitglieder des Parlaments wollen spielen. Aber nur ein wenig. Auf die knallharten Games haben sie keine Lust. Das gilt gerade für Ursula Wyss (sp) und Christophe Darbellay (cvp), die beiden Fraktionsvorstehenden, die sich im Dok-Film „Die Abwahl“ selber feierten. Und prompt auch parteiintern heftig unter Beschuss kamen.








