FDP – Die Liberalen: Die Kosmetik im Namen bringt ihr Problem auf den Punkt

fdp_banner.gif

Gelegentlich kritisiere ich sie in diesem Blog oder in persönlichen Gesprächen. Trotzdem halte ich die FDP weiterhin für die wichtigste Partei der Schweiz. Ohne sie ist kein Staat zu machen – weder auf nationaler Ebene noch in den Kantonen.

Keine andere Partei gewinnt so viele Volksabstimmungen wie die FDP. Keine andere Partei gewinnt so oft im eidgenössischen Parlament wie die FDP. In beiden Fällen dicht gefolgt von der CVP. Im Gegensatz zur CVP verfügt die FDP aber in allen Kantonen über eine gewisse Stärke.

Allein: die Abstimmungserfolge werden schon lange nicht mehr honoriert. Elektoral muss die FDP untendurch. Sieben Mal nacheinander haben die Freisinnigen Wähleranteile verloren. Im Jahr 1979 erreichten sie noch stolze 24,1 Prozent, 2007 waren es noch 15,6 Prozent. Für Schweizer Verhältnisse sind minus 8,5 Prozentpunkte eine Erosion.

Vereinzelte Denker der freisinnigen Grossfamilie äussern sich ab und an in klugen Aufsätzen zum Niedergang ihrer Partei: Der ehemalige Bundesrat Rudolf Friedrich (Winterthur) und alt Ständerat Andreas Iten (Zug) zum Beispiel. Oder Robert Nef, der Leiter des Liberalen Instituts. Bis heute hat sein Beitrag im Magazin vom letzten Wochenende keinen einzigen Kommentar provoziert. Das ist symptomatisch.

Seit heute Nachmittag wissen wir, wie die FDP nach der Fusion mit der Liberalen Partei, die noch einen Wähleranteil von 1,8 Prozent erreicht, heisst: FDP – Die Liberalen. Die letzten Jahre ist die FDP mit dem Zusatz “Wir Liberalen” aufgetreten.

Der Wechsel von Wir auf Die bringt – zufällig – eines der wichtigsten Probleme des Freisinns auf den Punkt: In dieser Partei gibt es schon lange kein “Wir”-Gefühl mehr. Die FDP ist keine Volkspartei mehr – die Kantonalsektion Solothurn ausgenommen. Jeder ist sich selbst der Nächste. Der Fall von Doris Fiala ist exemplarisch.

FDP-Logo: www.fdp.ch

Angriffsminister Samuel Schmid und die Suppenköche im Nationalrat

samuel_schmid6_klein.jpg

Bundesrat Samuel Schmid hat unlängst für sich in Anspruch genommen, auch nur ein Mensch zu sein. Allzu “menschlich” hat sich der Nationalrat gestern und heute Morgen in der Debatte um das Rüstungsprogramm präsentiert. Es ist menschlich, wenn man Sachgeschäfte und Personalpolitik mischt.

Von Grösse zeugt diese Vermischung nicht, aber eben diese Grösse wünschte man sich von den Mitgliedern der Grossen Kammer. Ein frommer Wunsch. Und so wurde das Rüstungsprogramm schliesslich mit 104 Nein zu 83 Ja abgelehnt. Eine Katastrophe ist das nicht, auch wenn das nun behauptet wird. Schon 2005 schaffte es eine unheilige Allianz von SVP, SP und Grünen, das Rüstungsprogramm zu bodigen.

Dieses Mal wurde die Vorlage zur Schicksalsfrage für Schmid als Bundesrat hochstilisiert. Wer ihm in der Debatte zugehört hat, muss fairerweise eingestehen: Schmid hat nicht nur gekämpft, nein, sein Auftritt war sehr gut. Er war nicht Selbstverteidigungsminister, wie er seit Monaten oft genannt wird, sondern argumentierte klar, offensiv, ja angriffig. Vermutlich haben ihm das viele Beobachter nicht mehr zugetraut.

Im Nationalrat waren viele Köche am Werk, die nur aus parteipolitischen Gründen eine Vermischung von Sachgeschäft und Personalpolitik herbeiführten.

Einmal mehr zeigt sich, dass sich politische Akteure offenbar nur über Kritik profilieren können. Seit Monaten lamentieren die immerselben Personen auf fast allen Kanälen über die Probleme von Armee und VBS. Aber: hat jemand auch nur einmal von einem konkreten Vorschlag gehört, wie Verbesserungen möglich wären oder wie die Armee positioniert werden sollte? Es ist kein Lösungsansatz, einfach nur dumpf den politischen Kopf abzuschlagen.

Das richtige Gremium, um Samuel Schmids lamentables Verhalten in der Affäre Nef einzuschätzen, ist die Geschäftsprüfungskommission (GPK). Der richtige Moment, um Schmid allenfalls einen Rücktritt nahezulegen, ist die Veröffentlichung des GPK-Berichts. Er wird auf Ende November erwartet.

Die Köche im Nationalrat werden bis dann ihr Süppchen weiterhin kochen lassen. Ihre Energie wäre besser genutzt, wenn sich die echten Sicherheitspolitiker unter ihnen auf die Ausrichtung der Schweizer Armee verständigen könnten. Darauf wartet man schon seit Jahren.

Foto Samuel Schmid: keystone

Samuel Schmid und die neue Eruption

schmid_feldstecher.JPG

Affären sind wie Ausbrüche von Vulkanen: Selten wird alles auf ein Mal ausgespuckt, es kommt fast immer zu mehreren Eruptionen. So ist das auch mit der Affäre um den ehemaligen Armeechef Roland Nef und Bundesrat Samuel Schmid.

Wie wir am Nachmittag dank den hartnäckigen Recherchen von Radio-DRS-Reporter Philipp Burkhardt erfuhren, hat Schmid die Unwahrheit gesagt. Er wusste schon viel früher Bescheid über das Strafverfahren gegen Nef als er ursprünglich sagte. Die Widersprüche werden immer verwirrender.

CVP-Ständerat Bruno Frick ist “peinlich berührt”. Sein Ratskollege Hans Altherr (FDP), bislang in dieser Affäre als sehr besonnener Politiker aufgefallen, fragt, ob Schmid noch haltbar sei.

Die neue Eruption kam zu einem Zeitpunkt, als man schon glaubte, der Vulkan sei wieder erloschen – und sie kam heftig. Ein blosses Nachbeben war das nicht. Die nächsten Tagen wird eine neue Welle von Rücktrittsforderungen und Zweifel an Schmids Handlungsfähigkeit folgen.

Man kann aus dieser Affäre etwas lernen: Früher oder später kommt alles ans Tageslicht.

Foto Roland Nef und Samuel Schmid: keystone

“Die Idee des Botellón hat mit einem Massenbesäufnis wenig zu tun”

botellon_sueddeutsche_de.jpg

Gestern Abend ging das erste Botellón in der deutschen Schweiz in Szene, laut nzz.ch sollen etwa 2000 Personen dabei gewesen sein. Offensichtlich waren mehr Medienschaffende als Betrunkene zugegen.

Heute Abend soll auch in Bern ein Botellón stattfinden. Die Behörden haben den Anlass nicht explizit verboten. Sie wollen ihn auf öffentlichem Grund aber auch nicht tolerieren, wie Stadtpräsident Alexander Tschäppät in einem Interview auf der Diskussionsplattform wahlbistro.ch erklärte.

Ich befragte Bruno B., er ist Sprecher bzw. “Facebook”-Administrator der Berner Botellón-Gruppe. Er gab bislang einzig gegenüber Spiegel-Online Auskunft.

————————————————————–

Printversion dieses Interviews (PDF)

Die Berner Stadtbehörden wollen den Botellón von heute Abend nicht zulassen. Halten Sie an der Durchführung fest?

Bruno B: Es besteht rechtlich keine Grundlage, diesen Event zu verbieten, da in unserem Land Versammlungsfreiheit herrscht. Das Botellón wird mit oder ohne Segen der Stadtväter durchgeführt.

Ich stelle mir das Szenario von heute Abend bizarr vor: Ein paar Hundert Menschen treffen sich auf einem öffentlichen Platz, Suchthilfe-Experten schwärmen aus, die Polizei markiert Präsenz – und schreitet irgendwann einmal ein, um den Event aufzulösen. Ich finde das nicht prickelnd, und Sie?

Eine prickelnde Provokation steht hier nicht zur Debatte. Wenn Suchthilfe-Experten vor Ort sind, ist dies eine Präventionsaktion, die ich nur begrüssen kann. Gleichwohl erinnert mich das von Ihnen geschilderte Szenario eher an eine unbewilligte Demonstration des „Schwarzen Blocks“, wo Aggression, Gewalttätigkeit und Sachbeschädigung zum obligaten Programm gehören. Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass es sich beim 1. Berner Botellón um ein geselliges Beisammensein von Jugendlichen handelt. Der Begriff „Massenbesäufnis“ stammt aus der Medienküche und hat mit der Idee des Botellóns wenig zu tun. Am Ende wird sich herausstellen, dass viel Wind um nichts gemacht wurde.

Wäre es rückblickend nicht besser gewesen, wenn sich ein Organisationskomitee gebildet hätte? Dieses hätte frühzeitig mit den Behörden in Kontakt treten und ein Gesuch für die Durchführung dieses Anlasses stellen können.

Ein Botellón funktioniert ohne Organisatoren, es werden nur Datum, Ort und Zeit bekannt gegeben. Die Leute finden sich am angekündigten Ort aus eigener Initiative ein. Es steht auch kein Verantwortlicher zur Verfügung, der für allfällige Folgen angeprangert werden kann, da jeder für sich selbst verantwortlich ist. Wir sind alle mündige Bürger, dürfen wählen gehen und bezahlen Steuern. Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand der Teilnehmer.

Die Stadtbehörden und Stadtpräsident Tschäppät haben wiederholt via Medien mitgeteilt, dass ein Botellón bewilligungspflichtig sei. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, ein solches Gesuch würde bei Einreichung auf jeden Fall abgelehnt werden. Das Einreichen einer Bewilligung würde somit zur Farce, deshalb haben wir auf diesen sinnlosen administrativen Aufwand bewusst verzichtet.

Auf der Internet-Plattform „Facebook“ rufen Sie die Teilnehmenden auf, keinen Abfall zu hinterlassen, auf Aggressionen und Gewalt zu verzichten, und, wenn überhaupt, massvoll Alkohol zu trinken. Reicht dieser Aufruf?

Mehr als einen Aufruf kann ich nicht machen, schlussendlich ist jeder für sich, seine Taten und deren Folgen selbst verantwortlich. Meine Freunde und ich werden uns daran halten, aber ich kann nicht die Hand ins Feuer legen für Personen, die ich nicht kenne. Wie schon Martin Luther King sagte „I have a dream“, habe auch ich einen Traum: den Traum von einem friedlichen Botellón.

Seit Wochen herrscht wegen den Botellones nicht nur Aufregung, sondern schweizweit eine regelrechte Empörung. Können Sie das nachvollziehen oder ist die junge Partygeneration von lauter Bünzlis umzingelt?

Die Presse steckt im Sommerloch und die Politiker müssen sich aufgrund der Neuwahlen profilieren. Wäre der ganze Medien-Hype nicht gewesen, hätten sich niemals so viele Leute bei den Botellones angemeldet. Es wird ein gemütlicher Umtrunk, und hoffentlich werden die Kritiker eines besseren belehrt. Beim nächsten Botellón sind auch die Bünzlis herzlich eingeladen, sie müssen sich nur auf Facebook registrieren und sich der Berner Botellón-Gruppe anschliessen.

Die Organisatoren des Botellón in Zürich von gestern Abend haben den Kontakt mit den Medien schon vor einigen Tagen abgebrochen. Sie fühlen sich nach eigenen Angaben missverstanden, das „Massenbesäufnis“ werde herbeigeschrieben. Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit den Medien gemacht?

Mit den Schweizer Medien pflege ich keinen Kontakt. Ich habe aus den Fehlern meiner Vorgänger gelernt, die den reisserischen Artikeln der Medienschaffenden zum Opfer fielen. Einzig Spiegel-Online und nun Wahlbistro.ch bzw. dem Wahlkampfblog gewähre ich Interviews in schriftlicher Form, da mir diese Publikationen Anonymität zugesichert haben und ich von deren Integrität überzeugt bin.

Was müssten Sie befürchten, wenn Sie hier mit Ihrem bürgerlichen Namen und einem Foto aufscheinen würden?

Bei Neueinstellungen verwenden Personalchefs vermehrt Google und Facebook, um zusätzliche Informationen über die Bewerber zu erhalten. Durch Veröffentlichung meines Namens wäre ich auf Lebzeiten als Organisator eines sogenannten Massenbesäufnisses gebrandmarkt. Falls ich mich nicht gerade bei Carlsberg um eine Stelle bewerbe, wäre dies kaum förderlich für meine weitere berufliche Laufbahn.

Interview: Mark Balsiger

Archivbild: sueddeutsche.de

Der Fall Nefs ist ein Fall ins Bodenlose

Seit heute ist Roland Nef Armeechef a.D. Der Bundesrat hat das Arbeitsverhältnis mit ihm beendet. Dieser Entscheid war eine reine Formsache. Der Fall Nef/Schmid ist damit zwar noch nicht ganz abgehakt, die “Weltwoche” publiziert in ihrer Ausgabe von morgen neue Details.

Ob sie die Brisanz haben, den Stachel noch einmal tief ins Fleisch zu stossen?

Zu reden gibt die Abgangsentschädigung von 275’000 Franken. Man kann diese Summe auch aus einer anderen Perspektive betrachten: Was macht der 49-jährige Nef in Zukunft beruflich? Er war 25 Jahre lang Berufsoffizier, in der Armee oder im VBS gibt es für ihn keine Beschäftigung mehr.

Vermutlich gilt das auch für die Privatwirtschaft: Wer hat den Mut, ihn anstellen? Nef ist heute so bekannt wie ein Bundesrat oder eine Showgrösse, er wird überall sofort erkannt. Auf ihn wartet ein Leben in der Abgeschiedenheit, womöglich sogar im Ausland. Wie viele Freunde und Bekannte haben mit ihm gebrochen? Vielleicht trennt sich seine aktuelle Partnerin von ihm. Nach all dem, was publik wurde, ist dieser Gedanke nicht abwegig.

Der Fall Nefs ist ein Fall ins Bodenlose.

Ich habe keine Veranlassung, Roland Nef zu verteidigen. Aber dieser Aspekt – sein ruiniertes Leben – ist bislang kaum thematisiert worden.

Wahlbistro ermöglicht Debatten rund um die Uhr

Oft und laut wird in unserem Land die tiefe Beteiligung bei Wahlen und Abstimmungen beklagt. Früher seien die Schweizerinnen und Schweizer politisch aktiver und interessierter gewesen. Das mag stimmen. Aber früher gab es eine Parteipresse, Mitglieder von Milieus, die gemeinsam für etwas kämpfen mussten.

Was nützt das rückwärts gewandete Lamento? Wenn viele Menschen den Zugang zur Politik nicht finden oder sich um sie foutieren, müssen andere Ansätze her. Gefordert sind die Politikerinnen und Politiker auf allen Stufen. Gefordert sind insbesondere auch die Medien. Ihre Übersetzungsarbeit ist sehr wichtig: Sie müssen informieren, erklären, gewichten, einordnen. Tag für Tag. Inzwischen sogar Stunde für Stunde.

Das Internet hat das Potential, die Leute wieder vermehrt für Politik zu sensibilisieren. Smartvote, vor fünf Jahren lanciert, ist ein gelungenes Beispiel dafür. Diese Online-Wahlhilfe berechnete im eidgenössischen Wahljahr 2007 mehr als eine Million Wahlempfehlungen, 85 Prozent aller Kandidierenden schalteten ihr Profil bei Smartvote auf. Das sind Rekordwerte!

Die Vermittlung von Politik ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Ich bewege mich dabei an den Schnittstellen von Politik, Medien und Öffentlichkeit. Entsprechend taufte ich vor sechs Jahren meine Firma Border Crossing. Das Credo: Grenzüberschreitend wirken, zusammenführen, Gräben zuschütten, übersetzen, beleuchten – und nicht zuletzt mithelfen, damit das gegenseitige Verständnis wächst.

Basierend auf dieser Tätigkeit ist die Lancierung des virtuellen Diskussionsforums “wahlbistro.ch” logisch. Früher diskutierten politisch Interessierte im “Bären” oder “Rebstock”. Diese Kultur ist praktisch ausgestorben. Das Wahlbistro ist die logische Antwort unserer Zeit.

So präsentiert sich das Wahlbistro optisch, ein erster “Screenshot”:

wahlbistro_screen_main_fuer_blog.jpg

Smartvote ist primär ein Service für Wählerinnen und Wähler. Das Wahlbistro hingegen richtet sich auch an Politiker und Kandidatinnen, die sich profilieren möchten. Sie können ihre Eckdaten sowie eine Foto von sich hochladen und mit guten Kurz-Beiträgen an den Debatten teilnehmen. So werden sie bekannter. Die Teilnahme ist für alle gratis. Entscheidend: Das Wahlbistro ist parteipolitisch unabhängig.

Und sieht etwa so aus – der zweite “Screenshot”:

wahlbistro_screen_kommentare_fuer_blog.jpg

Selbstverständlich kann das Publikum sich einschalten – im Wahlbistro ist für alle Platz. Vorausgesetzt man hält sich an die Hausregeln. Dank der Kooperation mit Smartvote können die Gäste im Wahlbistro auch die Smartspider (Spinnennetzprofile) der Kandidierenden aufrufen. Auf den Smartvote-Profilen wiederum sieht man, welche Kandidierenden sich im Wahlbistro zu welchen Themen äusserten. Das ist ein ausgebauter Service – und eine Innovation.

Meines Wissens gibt es in der Schweiz keine derartige Möglichkeit des permanenten Austausches unter politisch Interessierten. Beim Polit-Blog “NZZvotum” durften im letzten Jahr zehn gestandene nationale Parlamentarier regelmässig publizieren – auf Einladung der Redaktion. Die User beteiligten sich mit ihren Kommentaren. Das Wahlbistro geht weiter und setzt auf Gleichberechtigung.

Vorerst – als Pilot – ist das Wahlbistro im Kanton Bern geöffnet, weil hier im Herbst in vielen Gemeinden Wahlen stattfinden werden. Die Debatten beginnen frühestens am 1. September. Wichtig ist nun, dass sich viele Interessierte anmelden.

Das Wahlbistro schwirrte mir als Idee seit Langem im Kopf herum. In den letzten Wochen wurde das Projekt konkret, heute purzelte es in die Welt – unbemerkt. Beim “Düredänke”, Entwickeln und Umsetzen haben mitgeholfen: Monika Tschumi, Natascha Mathis, Andi Jacomet, Lukas Golder, Stefan Vogt, Marco Zanoni, ein Dutzend Statistinnen und Statisten beim “Fotoshooting”, sowie die Smartvote-Cracks Lea Hänsenberger (IT), Jan Fivaz, Marco Ineichen, Julien Fiechter und Lukas Pestalozzi.

Euch allen gebührt mein aufrichtiger Dank!

Mark Balsiger

Medienmitteilung Start Wahlbistro (PDF)

Die BDP setzt auf Gelb-Schwarz

bdp_logo_gross.jpg

An das neue Parteikürzel beginnen wir uns zu gewöhnen: BDP. “BeeDeePee” – das stösst bei der Artikulation nicht an, sondern kommt rund von den Lippen.

Im Kanton Bern hat die neue Partei nach eigenen Angaben inzwischen 850 Mitglieder. In Graubünden sind praktisch alle ehemaligen SVP-Mitglieder zur BDP übergelaufen. Diese Sektion zählt 3500 Mitglieder.

Die Zeit drängt: In vielen Gemeinden im Kanton Bern werden im Herbst Wahlen stattfinden. In Graubünden sind die kantonalen Wahlen im Frühjahr 2009. Das muss ein Logo her. Der Zeitung “Sonntag” liegt ein Entwurf vor.

Nun, wie soll dieses Logo gedeutet werden? Und was bedeuten die Farben Schwarz und Gelb?

Schwarz ist gemäss der Farbenlehre gar keine Farbe. Gelb hingegen wird als Farbe des Lichts und der Wärme bezeichnet. Sie wirke “auf das Gemüt anregend, aufheiternd und erwärmend”. In seiner Farbenlehre schrieb Johann Wolfgang von Goethe über die Farbe Gelb:

“Sie führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft (…) So ist es der Erfahrung gemäß, dass das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Daher es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zukommt. Diesen wärmende Effekt kann man am lebhaftesten bemerken, wenn man durch ein gelbes Glas, besonders in grauen Wintertagen, eine Landschaft ansieht. Das Auge wird erfreut, das Herz ausgedehnt, das Gemüt erheitert; eine unmittelbare Wärme scheint uns anzuwehen.” (Goethe, Farbenlehre)

P.S. Weiterhin ein Schmunzler: Wer svp.tv eingibt, erblickt nicht etwa Nationalrat Christoph Mörgeli, sondern ein Sünneli mit Sonnenbrille. Ziemlich relaxed neben Palmen. Sekunden später landet man der Website der BDP.

Foto: Sonntag

Bundesrat Samuel Schmid spricht – das Publikum applaudiert

Bundesrat Samuel Schmid sprach gestern Abend an der Bundesfeier in Wittenbach (SG). Die mehr als 500 Gäste gaben ihm einen warmen Empfang.

Das ist nicht selbstverständlich: Im Vorfeld waren seine öffentlichen Auftritte verschiedentlich als Risiko taxiert worden. Schmid ging ein gewisses Risiko ein mit seinen Ansprachen zum Nationalfeiertag. Es hätte zu fototrächtigen Störaktionen kommen können.

Indes, bei einer kurzfristigen Absage seiner insgesamt drei Auftritte wäre er als “Höseler” bezeichnet worden.

Schmid erwähnte in seiner Ansprache die Turbulenzen der letzten Wochen mit keinem Wort. Das ist eine verpasste Chance. Er hätte beim Publikum gepunktet, wäre er kurz auf die eigenen Fehler zu sprechen gekommen. Ein einzigen Satz nur hätte gereicht, ein ehrliches “Pardon”.

Dieser eine Satz wäre heute und die nächsten Tage quer durch das feiernde Land verbreitet worden. Viele hätten ihm verziehen. Das Schweizer Volk, das in diesen Stunden landauf, landab oft thematisiert wird, will keine Supermänner in der Politik. Es will Politiker, die berührbar und ehrlich sind.

Doch wie sangen schon “Chicago”: “It’s hard to say I’m sorry.”

So wird die Affäre Nef/Schmid noch eine Weile weiter motten.

Roland Nef nimmt den Hut

Armeechef Roland Nef hätte bis zur ersten Bundesratssitzung vom 20. August Zeit gehabt, seine Unschuld zu beweisen. “Die Wahrheit muss eine Chance haben”, betonte Bundesrat Samuel Schmid am letzten Montag, als er Nef dieses Ultimatum stellte und damals schon auf Distanz ging.

Nefs Situation war ausweglos. Ich habe dieser Tage schon einmal das Bild eines Boxers verwendet. Es passt: Nef ging in die letzte Runde, schwer angeschlagen. Die Kommentatoren und das Publikum gaben ihm keinen Kredit mehr. Und auch sein Coach wusste, wie der Kampf ausgehen wird.

Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn Nef jetzt seine Demission beantragt. Bundesrat Schmid wird sich heute gleichwohl den harten Fragen der beiden Sicherheitspolitischen Kommissionen stellen müssen. An seinem Stuhl wird weiter gesägt. Die Rücktrittsforderungen sind teilweise doppelbödig. Die SVP hat gewiss kein Interesse, in den nächsten Jahren ohne ihren Lieblingsfeind weiter auf “Opposition” machen zu müssen.

Für die Schweizer Armee ist Nefs Entscheid ein Befreiungsschlag: Sie steckt in einem grossen Reformprozess und die Kader sind zutiefst verunsichert, weil die Ausrichtung unklar ist. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass ihr höchster Offizier eine glaubwürdige und integre Persönlichkeit ist. Nach innen wie nach aussen. Wir können uns nur wünschen, dass Divisionär André Blattmann, der interimistische Armeechef, wieder Ruhe in die Truppe bringt.

Roland Nef wird ausgezählt

Der Vergleich zum Boxen scheint mir angebracht: Roland Nef, der Chef der Armee wird ausgezählt. Medienschaffende und andere Auguren gehen davon aus, dass er abtreten wird. Die Frage ist, ob er freiwillig seine Demission einreicht oder gedrängt werden muss.

Bundesrat Samuel Schmid hat schon am Sonntag auf heute eine Medienorientierung in Aussicht gestellt, der Zeitpunkt ist allerdings weiterhin offen. Das nährt die Spekulationen weiter, hier im Bundeshaus-Perimeter ist die Nervosität spürbar.

Dieser Fall sei ein “kommunikativer Super-GAU”. So drückte sich Beatrice Tschanz, einstige Kommunikationschefin der Swissair, schon letzte Woche aus. Sie erlangte 1998 beim Absturz einer Swissair-Maschine vor Halifax (Kananda) grosses Ansehen, weil sie diese grösste Krise der Fluggesellschaft bravourös meisterte.

Krisenkommunikation kann man auf eine einfache und gleichsam eingängige Formel eindampfen. Sie lautet: S-O-S.

Die Kommunikation in der Krise muss

– schnell
– offen
– sachlich

ablaufen. Dass es sich hier um eine Krise handelt, dürfte spätestens jetzt klar sein. Auch ich glaubte anfänglich an ein Sommertheater.