SVP-Chef Toni Brunner und die Opposition

toni_brunner2_tagesanzeigerDie Sonntagspresse hat Toni Brunner (Bild) viel Raum gegeben. Seine Aussagen schlugen sich auch heute noch fast überall nieder. Damit hat Brunner das erste Ziel erreicht: das mediale Feld beackern.

Ansonsten tat SVP-Präsident Brunner, was SVP-Präsidenten in solchen Situationen tun müssen: weiter Druck aufbauen und den Preis für einen FDP-Bundesratskandidaten hinauf schrauben. Salopper ausgedrückt: Man will die Freisinnigen weich klopfen oder zumindest versuchen, sie gefügiger zu machen. Ob das Brunner gelungen ist, bleibt offen.

Nur das Stimmvolk ist fallweise in der Oppositionsrolle

Wenn Brunner sagt, dass wohl ein CVP-Kandidat das Rennen mache und von “einem abgekarteten Spiel” ausgeht, tönt das wie ein zu früh losgegangene 1.-August-Rakete vom Billigdiscounter. Wenn er ferner behauptet, man wolle eine Koalitionsregierung links der Mitte installieren, melden sich beim Beobachter Zweifel. Wenn Brunner schliesslich droht, die SVP würde sich womöglich den Gang in die Opposition überlegen, beginnt man sich am Kopf zu kratzen.

Erstens ermöglicht das politische System der Schweiz gar keine echte Opposition. Wenn schon, ist das Stimmvolk bei Abstimmungen fallweise in der Oppositionsrolle, aber gewiss nicht eine Partei.

Zweitens schien Toni Brunner vergessen zu haben, dass seine Partei mit der selbst verordneten “Opposition” gar nicht zu Rande kam. Nach der Abwahl von Christoph Blocher im Dezember 2007 wars, als eben diese “Opposition” lauthals verkündigt wurde. Aber: aus dem SVP-Kampfblatt, der Initiative für die Volkswahl des Bundesrats, einer Salve an Volksinitiativen – aus all diesen Drohungen wurde nichts.

Schon vor Jahresfrist zeigte sich, dass eine Mehrheit der SVP-Schlüsselfiguren es vorzieht, wieder mit eigenen Vertreter in der Landesregierung zu sein. Der Wille zur “Oppo… Oppodingsa… Opposition!!!” – schon die Aussprache dieses Wortes war nicht einfach – dauerte gerade einmal 12 Monate, bis zur Wahl von Ueli Maurer. Das Brot der echten und so genannten “Opposition” in der Schweiz ist hart, der Gestaltungsraum sehr beschränkt. Das hat Brunner ausgeblendet.

Foto Toni Brunner: tagesanzeiger.ch

Dank den Botellónes schaffte Facebook in der Schweiz den Durchbruch

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Heute Abend soll also der zweite Botellón in Bern stattfinden. Vor wenigen Stunden haben die Organisatoren via Facebook den Standort bekannt gegeben. Die Öffentlichkeit, die die zweite Auflage bislang generierte, war bislang bescheiden.

Im letzten Sommer war das komplett anders. Das angebliche “Massenbesäufnis”, das es in Spanien seit Jahren gibt, schaffte es – nach einem Zwischenstopp in Genf – auch in die deutsche Schweiz. Fast alle diskutierten mit, die Leute aus dem Altersheim in Amriswil genauso wie die Schulpflege in Zäziwil. Viele moralisierten oder wetterten, andere sahen die Jugend schon kollektiv im Morast versinken. Über das Land fegte ein Medienhype.

Damals, Ende August 2008, konnte ich den Organisator des ersten Berner Bottelóns interviewen.

Heute können wir trocken feststellen: die Welt ist trotz den Botellónes nicht untergegangen. Dafür ging für Facebook der Stern auf. Durch die Dauerberichterstattung während einiger Wochen schaffte, so meine These, diese soziale Netzwerk den grossen Durchbruch in der Schweiz. Unzählige Berichte nannten Facebook als Quelle, weil es jeweils Details zu den Veranstaltungen ankündigte. Das blieb nicht ohne Wirkung.

Längst haben nicht nur alle Medienschaffenden einen Account, sondern schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen in diesem Land, also etwa jede fünfte Person. Das ist im internationalen Vergleich beachtlich. In Deutschland beispielsweise liegt die Facebook-“Penetration” bei 6 Prozent.

Und noch eine Zahl dürfte erstaunen: Das Durchschnittsalter der Facebook-Nutzer in unserem Land liegt bei 35 Jahren.

Foto: tagblatt.ch

www.parlamentsgeschichte.ch: eine Zeitreise im Web bis zurück ins Jahr 1848

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Die politische Bildung fristet ein Schattendasein in unserem Land. Das liegt unter anderem an den Lehrplänen, teilweise auch an Lehrpersonen, die Politik für sich nicht entdeckt haben. Entsprechend vermitteln sie Politik als Pflichtstoff, die die Schülerinnen und Schüler als ebensolchen wahrnehmen. Die Auswirkungen sind bekannt und für unser System, das auf Partizipation und Milizstrukturen aufbaut, gravierend.

Die Parlamentsdienste geben dieser Entwicklung nun Gegensteuer: Sie haben mit parlamentsgeschichte.ch eine Internet-Plattform entwickelt, die spielerisch auf viele Fragen rund um die Bundespolitik eingeht. Wann wurde das Proporzwahlsystem eingeführt? Was versteht man unter Zauberformel? Worum ging es bei der Fichenskandal?

Das sind bloss drei von vielen markanten Schwerpunkten, die man mit ein paar wenigen Klicks abrufen kann. Die Informationen werden knapp auf den Punkt gebracht. Dank weiter führenden Links besteht die Möglichkeit, sich vertiefter mit jedem Thema auseinanderzusetzen. Etliche Beiträge werden durch Bilder oder Videoclips ergänzt.

Fazit: Die Web-Zeitwalze, die bis 1848, ins Gründungsjahr des modernen Bundesstaats, zurückdreht, ist ein gelungenes Tool.

Solidarität mit der Tagi-Belegschaft

Eben erhielt ich eine Mail der Redaktion des “Tages-Anzeiger”:

Morgen Mittwoch, 1. Juli auf 12.30 Uhr kann man sich mit Mitgliedern des Tagi treffen. Die Wahl ist nicht zufällig: Tags darauf soll die letzte Verhandlungsrunde mit dem Verlag stattfinden.

Die Zukunft des “Tages-Anzeiger” war hier wiederholt Thema, darum verbreite ich den Aufruf der Redaktion gerne weiter:

Liebe Leserinnen und Leser

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung für unsere Zeitung und laden Sie ein, diese Unterstützung morgen Mittwoch um 12:30 auf dem Helvetiaplatz öffentlich zu machen. Dort werden Sie auf die Tagi-Redaktion treffen und die Möglichkeit haben, mit ihnen über einen möglichst guten Tagi zu diskutieren. Und wie das unter den Bedingungen möglich sein soll, welche die Verlagsleitung für diese Zeitung vorgesehen hat.

Als Leserin und Leser werden sie so die Gelegenheit bekommen, ihre eigenen Wünsche an die Zeitung und damit an ihre Redaktion zu richten. Zugleich geht es uns darum, alle Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, die vom Verlag entlassen wurden. Am Donnerstag findet nämlich die letzte Verhandlungsrunde der Personalkommission mit dem Verlag statt, die den Entlassenen einen angemessenen und würdevollen Abgang ermöglichen sollen.

Kommen Sie zahlreich und zeigen auf diese Weise der Verlagsleitung der Tamedia, dass Sie an einer guten, engagierten, kritischen und damit glaubwürdigen Zeitung interessiert sind.

Mit den besten Grüssen
Die Redaktion des Tages-Anzeigers

Vom Anspruch auf Bundesratssitze

Für die “NZZ am Sonntag” ist klar, dass die BDP bei der Couchepin-Ersatzwahl “die Mehrheitsmacherin” ist. Der “Sonntag” kommt zu einem anderen Schluss: Königsmacherin sei die SP. “News” von heute vermeldet, dass “die 10 Tessiner Parlamentarier das Zünglein an der Waage” seien.

Drei Medien, drei Thesen. Sie sind nicht falsch, führen aber zu einer Kakophonie, und das sorgt womöglich für Verwirrung.

Bis zum Wahltermin vom 16. September werden noch zahllose Spekulationen, Berichte und Zwischenstandsmeldungen, Analysen und “Analysen” erscheinen. Die Medien sind mächtige Akteure in diesem langem Wahlkrimi, obwohl das Wahlorgan schliesslîch bloss 246 Personen umfasst.

Ich werden in den nächsten drei Monaten einerseits Aspekte, die wenig berücksichtigt werden, thematisieren. Andererseits versuche ich, einzuordnen oder auf Beiträge hinzuweisen, die losgelöst von der fiebrigen Suche nach dem neusten Luftheuler einen Mertwert bedeuten.

Ein solcher Beitrag findet sich in der gestrigen Ausgabe der NZZ.

Konkordanz mit dem Rechenscheiber (NZZ; PDF)

Martin Senti beleuchtet anhand von Berechnungen des Politologen Daniel Bochsler die beiden relevanten Modelle. Das Fazit birgt eine veritable Überraschung – doch schauen bzw. lesen Sie selbst.

Tabelle

(Dieser Beitrag wurde gestern schon einmal gepostet, generierte aber technische Fallstricke und musste deshalb vorübergehend wieder vom Netz genommen werden, pardon. Insbesondere an J.C. – Ihr Kommentar ist entschwunden.)

Rettet den Tagi

Beim “Tages-Anzeiger” werden 50 bis 60 Vollzeitstellen abgebaut. Damit ist Tamedia auf dem Holzweg, geht ihn aber unbeirrt weiter.

Was können wir tun?

– Leserbriefe schreiben? Im Tagi selber wurde am 4. Juni eine Serie abgedruckt, heute waren es zwei. Viel mehr dürfte kaum mehr erlaubt werden.

– Das Abo abbestellen? Das würde die “Kahlschläger” erst recht in ihrem Tun bestärken.

– Die Faust im Sack machen oder resignieren?

Ich habe eben die Liste der Entlassenen beim Tagi gesichtet. Das war wie ein Schlag in die Magengrube. Da finden sich Namen, die mich seit 20 Jahren mir ihrer Schreibe begleiten. Kompetent, unaufgeregt, fair.

Für den Moment gibt es nur etwas, das wir tun können: unterschreiben. Hier:

http://www.rettet-den-tagi.ch/

Tages-Anzeiger: Konzernspitze ist mit ihrem Kallschlag auf dem Holzweg

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Rund 200 Angestellte des “Tages-Anzeiger” haben zur Mittagszeit gegen die bevorstehende Massenentlassung demonstriert. Insgesamt sollen 50 Vollzeitstellen abgebaut werden, ab Morgen beginnen die Entlassungsgespräche. Im Moment weiss angeblich noch keiner der Redaktoren, wen es trifft.

Die Frage, die sich stellt: Weshalb hat die Belegschaft so lange gewartet mit ihrer Manifestation? Es hätte Möglichkeiten gegeben, früher druckvoll auf die drohenden Entlassungen aufmerksam zu machen. Beispielsweise an der Generalversammlung der Tamedia vom 12. Mai.

Mehr als 200 Redaktorinnen und Redaktoren hätten ihre Arbeit für zwei Stunden niederlegen können, um zum Kongresshaus zu pilgern. Spalier stehend hätten sie auf ihre Situation hingewiesen. Jeder einzelne Aktionär wäre nur in den Saal gekommen, wenn er diesen eindrucksvollen Aufmarsch hautnah gespürt hätte.

Genug der Kritik an der Belegschaft, weil: was abgeht, ist dramatisch. Und der Weg, den die Konzernspitze um Verwaltungsrätspräsident Pietro Supino und CEO Martin Kall der Tamedia einschlägt, ist ein Holzweg.

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Es gäbe anstelle des Kahlschlags bessere Optionen:

1. Die satten Gewinne von “20Minuten” – pro Jahr sind es 25 Millionen Franken – könnten zu einem Teil für eine Quersubvention verwendet werden.
2. Das zweite Pendlerblatt “News”, auf das niemand, aber auch wirklich niemand gewartet hat, zudem die eigenen Zeitungen konkurrenziert, ja kannibalisiert, könnte eingestellt werden. Niemand, aber auch wirklich niemand würde “News” eine Träne nachweinen.
3. Die Online-Redaktion ist mit 40 Stellen überdotiert. Dort gäbe es Verlagerungsmöglichkeiten.

Gerade in der Krise sollte Tamedia auch in Qualitätsmedien investieren. Gerade Tamedia hat viel, viel Geld. Gerade Tamedia ist dank der Übernahme von Espace Media Groupe in Bern und Edipresse in der Romandie bestens aufgestellt für die Zukunft.

Tamedia hätte eine Chance, ein echtes Bekenntnis für gut gemachten Kaufzeitungen abzugeben. Gerade jetzt! Es würde sich langfristig auszahlen.

Mark Balsiger

Fotos Tagi-Demonstration: blickonline

Lena Schneller, Cédric Wermuth & Co: Kommunikativ besser als die alten Elefanten

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Die Statusmeldung von Lena Schneller, der Präsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz, löste bei mir ein Schmunzeln aus: Auf ihrem Facebook-Profil schrieb sie im Vorfeld von einer „Elefäntchenrunde“ und meinte die „Arena“ mit dem Schwerpunkt “Jugend im Fokus”. Dort traf sie auf ihre Antipoden der drei anderen grossen Parteien, Cédric Wermuth (sp), Simon Oberbeck (cvp) und Erich J. Hess (svp).

Genauso gekonnt, unbeschwert und locker wie sie die neuen Medienkanäle, die man unter Web2.0 zusammenfassen kann, für ihre Zwecke nutzen, war auch ihr Auftritt in der Sendung vom letzten Freitag. Keine Spur von Elefäntchen: Eloquent, schnell und zuweilen auch mit Humor debattierte das Quartett. (Einer fiel ab, was die positive Gesamtbeurteilung aber nur leicht beeinträchtigt.) Dass sie zugleich alle fair und versöhnlich miteinander umgingen, spricht für sie.

Ein gutes Gspüri hatte Moderatorin Sonja Hasler, die Reto Brennwald vertrat. Sie liess der Runde den nötigen Raum, ohne die Zügel aus der Hand zu geben. Starke Inputs kamen auch vom Senior in der zweiten Reihe, dem Politologen Lukas Golder (35).

Fazit: Schon seit langem habe ich keine „Arena“ mehr auf einem solch hohen Niveau gesehen. Diese rein subjektive Einschätzung wurde im Verlauf der letzten zwei Tage von einigen Leuten aus meinem Umfeld geteilt. Einmal mehr wurden wir Zeugen davon, dass die neue Generation Politikerinnen und Politiker kommunikativ deutlich besser ist als die Etablierten. Das lässt hoffen. Und die Elefanten der Schweizer Politik sollten sich diese Sendung einmal in Ruhe ansehen. Sie können fürwahr noch etwas lernen.

Logo Arena: sf.tv

Zu sechst in der Elefantenrunde

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Jahrzehntelang wurden die Ergebnisse der Abstimmungssonntage von Vertretern der vier historischen Bundesratsparteien CVP, FDP, SVP und SP kommentiert. Seit wenigen Jahren sind auch die Grünen jeweils in der sogenannten Elefantenrunde des Schweizer Fernsehens dabei. Heute schliesslich wurde der Kreis auf sechs Protagonisten erweitert: die BDP darf, da Bundesratspartei, auch mit dabei sein.

Diese Erweiterung gefiel nicht allen: Anfänglich drohten FDP und SVP noch mit dem Boykott der Sendung, und der SVP-Sprecher Alain Hauert befürchtetete, dass die “Elefantenrunde zu einer Elefantenherde” werde. Schliesslich übermannte aber der Pragmatismus die streitbaren Mannen. Das war absehbar: Den wichtigen Auftritt vor der Deutschschweizer TV-Gemeinde wollte niemand sausen lassen.

Die erste Sendung in der grösseren Runde ging schliesslich so unspektakulär über die Bühne wie der Abstimmungskampf zu den beiden Abstimmungsvorlagen. Mal höre man sich zu, mal gabs ein wenig Widerspruch, mal wurde ein Schlüsselsatz für die eigene Klientel platziert, Toni Brunner (svp) und Hans Grunder (bdp) rüsselten sich zweimal kurz etwas an, und nach Christian Levrats Votum wurde reflexartig auf Hochdeutsch repliziert. Fazit: Business as usual also, es geht auch zu sechst.

P.S. Vor der “Classe Politique” wollte die Leitung vom Leutschenbach ins Bundeshaus nicht klappen. Wir sahen und hörten Bundesrat Pascal Couchepin zwar, er hörte aber offensichtlich Urs Leuthard nicht. Und Couchepin merkte auch nicht, dass er bereits auf Sendung war. Eine erheiternde Sequenz, und wenn die Herren Giacobbo & Müller nicht komplett dösten, werden sie diese in ihrer Sendung heute Abend gleich mehrfach einspielen.

Foto: focus.de

Der Bundesrat kriegt Noten

SCHWEIZ BUNDESRATSFOTO 2009

Unlängst beklagte ich den grassierenden Benotungsfimmel in unserem Land. Heute kriegte die Landesregierung für einmal nicht nur verbale Prügel: Im Newsnetz erhalten die sieben Mitglieder auch Noten wie vor vielen Jahren als sie noch Primarschüler waren. Moritz Leuenberger glänzt als Bester mit einer 5, Hans-Rudolf Merz erhält bloss eine 3,5.

Der Autor (Hubert Mooser) stiefelt bei jedem Bundesrat ein paar Plus- und Minuspunkte zusammen, zieht ein knappes Fazit – und schwupps auch eine Note aus dem Hut. Willkommen im Politjournalismus 2009.

Über die Bewertungskriterien tappen wir auch nach der Lektüre des Artikels im Dunkeln. Wurden Charisma, Sozialkompetenz, Durchsetzungsvermögen, Führungsstärke, Verhandlungsgeschick und Eloquenz gemessen? Und falls Ja: Wie misst man solche Qualitäten nach einigermassen objektiven Kriterien?

Ich weiss es nicht. Zudem: Wer war die Jury? Der Autor alleine? Ein paar seiner Kolleginnen und Kollegen, die er am Kaffeeautomaten befragte? Politiker? Experten?

Es wäre durchaus möglich, einzelne Aspekte zu messen, etwa die Anzahl gewonnener Volksabstimmungen oder die Anzahl gewonnener Abstimmungen im Parlament. Eine solche Gesamtbewertung hätte eine gewisse Relevanz erreicht, aber eine aufwändigere Recherche bedingt.

Fazit: So schwach der Bundesrat seit Monaten regieren mag, die als “Analyse” angepriesene Geschichte mit dem Titel “Wie schlecht ist dieser Bundesrat wirklich?” verdient keine genügende Note.

Nachtrag vom Freitag, 8. Mai:

Was eine Analyse sein kann, zeigt in der Printausgabe des heutigen “Tages-Anzeigers”. Verena Vonarburg nimmt sich Bundesrat Pascal Couchepin zur Brust – ohne Note.

Dieser Vergleich hat einige tragische Note: Bei der Redaktion des Print-Tagi wird demnächst eine Massenkündigung ausgesprochen, die Online-Redaktion geniesst Heimatschutz.


Offizielles Bundesratsfoto 2009: keystone