Die Schweiz scheint ein guter Nährboden zu sein für neue Parteien. So sind in den letzten Jahren entstanden:
– Grünliberale Partei GLP (2004, Abspaltung von den Grünen Zürich)
– Bürgerlich-Demokratische Partei BDP (2008, Abspaltung der SVP)
– Familiä-Partei (2007, inzwischen 3 Sektionen: Aargau, Bern, Solothurn)
– Onlinepartei (2007, früher Internetpartei)
– Piratenpartei (2009)
Gestern formierte sich eine weitere neue Partei, ihr Name: Linke Alternative. Sie will sich mit einem akzentuierten Linkskurs positionieren, weil die etablierte Linke in der Sackgasse stecke.
Neue Parteien werden gegründet und verschwinden meistens wieder. Das belebt jeweils die etablierten Parteien zu Beginn (wenn die Neuen Druck machen und erste Mandate gewinnen) und direkt nach der letzten Phase (aufgrund von Parteiübertritten).
Im linken Lager entstanden aus den Studentenunruhen von Ende der Sechzigerjahre die Progressiven Organisationen Schweiz (POCH, 1969 – 1993), die Revolutionäre Marxistische Liga (RML, 1969 – 1980) sowie die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP, 1980 – 1990, als Nachfolgepartei der RML). Nach den Auflösungen dieser Parteien schlossen sich viele Mitglieder der SP oder den Grünen an.
Ob die Linke Alternative Fuss fassen kann, ist offen. In jedem Fall ist der Weg zu Mandaten und Einfluss lang und steinig. Vermutlich macht ihr der Erfolg der deutschen Schwesterpartei Die Linke, die bei den Bundestagswahlen vor ein paar Monaten 11,9 Prozent erreichte, Mut.
Allerdings erkenne ich keine Parallelen zu der Entwicklung in Deutschland: Die SPD kann man nur beschränkt mit der SP Schweiz vergleichen. Zudem konnte Die Linke in den fünf deutschen Bundesländern im Osten die Strukturen und viele Mitglieder der DDR-Staatspartei SED (Sozialistische Einheitspartei) übernehmen. Sie hat aber auch zwei charismatische Leaderfiguren, die den anderen Parteien, insbesondere der SPD, auf der Nase herumtanzen: Oskar Lafontaine und Gregor Gysi.
Der Umbau des linken politischen Spektrums ist zwar auch in der Schweiz im Gang. Zum einen kommen sich Grüne und SP zunehmend in die Quere. Zum anderen ergatterten sich die Grünliberalen in der Mitte eine Mische. Ihr schnelles Wachstum im urbanen Raum schmerzen SP und Grüne, aber auch die FDP.
Die Linke Alternative wählt einen atyptischen Weg und gerade das macht es spannend, ihre weiteren Schritte zu verfolgen: Sie setzt nicht auf “Bottom-up”, wie das in der föderalistischen Schweiz üblich ist. Nein, sie will zuerst eine gesamtschweizerische Partei gründen. Sie versucht es also andersrum, “Top-down”. Für die Schweiz ist das eine Première.
Link: TV-Interview mit Florian Keller, Schaffhauser Kantonsrat der Alternativen Liste und einem der treibenden Kräfte der neuen Partei



Am Samstagnachmittag hat die 

