Provokationen gehören zum politischen Geschäft. Provokative Plakatsujets sind nichts Neues unter der Sonne. In den 1920er und vor allem den 1930er-Jahren wurden so die Gegner heftig diffamiert. Anfang der 1990er-Jahre wurde dieser alte Stil wieder entdeckt und “salonfähig” gemacht. Von SVP-Werber Hans-Rudolf Abächerli.
Seit Abächerlis Messerstecher-Sujet anno 1993 sind wir uns einiges gewohnt. Nebst den Kreationen von ihm und seinem Nachfolger entstanden praktisch immer Plagiate. Unlängst wieder bei der Minarett-Verbots-Initiative. Es gab aber auch immer wieder Versuche von anderen politischen Lagern, ebenfalls auf Provokationen zu setzen. Besonders aktiv in diesem Bereich der Politwerbung sind die Juso (Jungsozialisten). Ihr neuster Anlauf:
Der Versuch der Juso, für die Abstimmung über die Kriegsmaterial-Initiative von Ende November im grossen Stil mediale Aufmerksamkeit zu generieren, wird kläglich scheitern. Eine lange Debatte im redaktionellen Teil gibt das nicht, und schon gar keine separate “Arena”. Dafür fehlt dem Plakat schlicht der Nährboden, es verpufft in der Oeffentlichkeit nach spätestens 72 Stunden. Ganz im Gegensatz zum Sujet der Minarettverbots-Initiative; dafür legte Nationalrat James Schwarzenbach mit seiner ersten Ueberfremdungsinitiative vor 40 Jahren die Basis. Sein Assistent hiess übrigens Ulrich Schlüer, heute der geistige Vater der Minarett-Initiative.
Was das Plakatsujet auslösen wird:
– Gehässige Leserbriefe von SP-Mitgliedern
– Es wird Ausstritte aus der SP geben
– Juso-Chef Cedric Wermuth und anderen Mitgliedern der SP-Parteispitze wird das Sujet um die Ohren geschlagen – von den eigenen Leuten. Die SP befasst sich also wieder einmal mit sich selbst.
Statt mit programmatischer Arbeit und glaubwürdig zu kämpfen, musste offenbar ein solches Sujet her. Es ist nicht bloss primitiv, es ist dumpf und dumm. Zudem ist es handwerklich schlecht gemacht. Die “Masterminds”, die dahinterstecken, entpuppen sich als “bloody beginners”, als blutige Anfänger in Sachen Kampagnenarbeit. Sie erweisen der SP einen Bärendienst.
So gewinnt man keine Abstimmung, man gewinnt auch keine Wähleranteile hinzu, das Image der Mutterpartei leidet, die Politverdrossenheit steigt.
Cedric Wermuth ist rhetorisch talentiert, ein begabter Debattierer und Provokateur und deshalb bei den Medien gefragt. Womöglich kriegt seine Karriere mit dem jüngsten Juso-Plakat einen Dämpfer, möchte er an diesem Wochenende doch in das Stadtparlament Badens gewählt werden. Das dürfte zu Streichaktionen auf der SP-Liste führen.
Mark Balsiger


Am Samstagnachmittag hat die 

Hans-Jürg Fehr (Foto) war ein guter Präsident für die SP Schweiz. Er ist klug, ein aufmerksamer Zuhörer und gewiefter Debattierer, authentisch, bescheiden und fair. Er wirkte integrierend, was in einer heterogenen Partei wie der SP sehr wichtig ist. Er war aber im Gegensatz zu Ueli Maurer kein starker Präsident. Fehr stand seinen eigenen Leuten, unter denen es viele Gockel – auch weibliche – hat, nie auf die Zehen. Vermutlich würde die SP auch keinen starken Präsidenten, wie
Die SP in der Romandie fährt einen pointierten Linkskurs und ist stark gewerkschaftlich geprägt. Eines ihrer Aushängeschilder ist Christian Levrat (NR, FR, Foto), Präsident der Gewerkschaft Kommunikation. Levrat ist jung, dynamisch, clever, eloquent, und er spricht ausgesprochen gut Deutsch. Er dürfte in den Startblöcken sein.
Einige valable NachfolgerInnen haben sich sofort aus dem Rennen genommen, was das Dilemma der Partei andeutet: fast niemand will diesen Job. Urs Hofmann (AG), Simonetta Sommaruga (BE) oder Claude Janiak (BL) brächten die Fähigkeit mit, die Sozialdemokraten wieder auf Kurs zu bringen.