Die Apokalypse aus dem grünen Thurgau

Vor zwei Wochen stellte ich hier mehrere Videoclips ins Netz. In einem “10vor10”-Beitrag und anderswo machte ich ein paar generelle Einschätzungen zu dieser Form von Wahlwerbung. Kommentiert – und reklamiert – wurde dann vor allem via Twitter, telefonisch und per E-Mail. Womöglich ein Indiz dafür, wie nervös die Parteien und Kandidierenden sind.

Der neuste Clip stammt von den Grünen aus dem Kanton Thurgau. Sie beauftragten zwei junge Regisseure, und was diese ablieferten, legt die Latte für künftige Produktionen hoch: Ein überzeugendes Drehbuch, technisch hochstehend, Dramaturgie, starke Bilder und viel Emotionen. Zuweilen erinnert er an Spielfilme, das Apokalyptische kann den Grünen indessen auch zum Vorwurf gemacht werden. Sie politisierten in ihren Anfängen mit Weltuntergangsrhetorik.

Aber schauen Sie selber:

Schon nach wenigen Tagen hat dieser Spot allein auf dem Videoportal Youtube mehr als 4’000 Klicks erreicht. Das ist etwa 20 Mal mehr als die Wahlkampfvideos in der Schweiz sonst im Durchschnitt angeschaut werden. Und wir können davon ausgehen, dass die Verbreitung nun rasant weitergeht.

Der kleine Film der FDP.Die Liberalen, der schon im Frühjahr produziert wurde, gefällt mir ebenfalls gut. Parteipräsident Fulvio Pelli zeigt sich von seiner sportlichen Seite, und das überzeugend. Und er führt mit seiner Stimme durch den Film. Das gibt ihm Glaubwürdigkeit.

Ob Videobotschaften und Videoclips zusätzliche Stimmen brächten, werde ich immer wieder gefragt. Ich antworte jeweils: Gute Clips werden viral verbreitet und oft auch massenmedial aufgegriffen. Das erzeugt Aufmerksamkeit. Und wer regelmässig die Aufmerksamkeit hat, kann an seinem Image arbeiten, das Profil schärfen und schliesslich auch zusätzliche Stimmen holen.

Videoclip ab, der Spass beginnt

Nationalrat Ruedi Noser hat es letzte Woche auf den Punkt gebracht: “Ich habe genug dilettantische Youtube-Videos gesehen.” Deshalb lässt der Freisinnige nun einen eigenen Videoclip produzieren, “10vor10” war beim Dreh dabei. Obwohl dieser Beitrag bislang noch nicht ausgestrahlt wurde, kursieren bereits Fotos davon – dem fixen Konrad Weber sei dank, der bei SF ein Praktikum absolviert und schon geraume Zeit virtuos mit Web2.0-Kanälen umgeht.

Videos mit Pfiff brauchen keine grossen Budgets. Sie brauchen eine starke Idee, eine taugliche Kamera und ein Mikrofon, das dem Protagonisten unter das Kinn gehalten wird, wenn er spricht. Gerade Letzteres will und will in der Schweiz nicht klappen. Im Netz trudeln seit Jahren Videos von Hunderten von Politikerinnen und Politiker herum, die man akustisch kaum versteht. Dazu kommen verwackelte Bilder, schlechte oder keine Bildschnitte, fehlende Spannungsbogen und, und, und. Jemand sprach schon einmal von Realsatire.

Ein weitgehend gelungenes Video stellte Ralf Bucher, CVP-Nationalratskandidat aus dem Kanton Aargau, ins Netz:

Zwei Ticks weiter ist die Berner Grossrätin und Nationalratskandidatin Nadine Masshardt (sp) und ihr Kreativteam.  Sie liess dieses Jahr bereits vier Videoclips produzieren. Sie sind allesamt kurz, frech, witzig und sie schrammen haarscharf an potenziellen Klagen vorbei, weil sie bestens eingeführte Kino- und TV-Werbung von bekannten Marken aufgreifen: Nespresso mit George Clooney, Graubünden Tourismus, Brillen Fielmann und die Migros – ein M besser. Doch schauen Sie selbst:

http://www.youtube.com/watch?v=R6NiqsbImyQ

Masshardts Videos werden viral weiterverbreitet, weil sie Spass machen und uns zum Schmunzeln bringen. Sie schafft es damit auch ins  “10vor10”, womit sich der Aufwand definitiv gelohnt haben dürfte.

Foto Videodreh: Konrad Weber

Das Wahlkampfblog und seine Babys

Blogs tauchen auf und verschwinden wieder. Das Wahlkampfblog zählt mit seinen viereinhalb Jahren auf dem Buckel vermutlich zu den etablierten Bonsaimedien, die sich schwergewichtig mit Politik und Medien befassen. In dieser Zeitspanne sind rund 450 Postings und ein paar Tausend Kommentare publiziert worden.

Für vereinzelte Beiträge brauchte ich zum Teil nur gerade zehn Minuten, beispielsweise die Videosequenz um Bundesrat Hans-Rudolf Merz und das Bündnerfleisch im September 2010.  Für andere Postings wendete ich mehrere Stunden auf, in einem Fall sogar mehr als einen Tag (25. April 2011: “Wie Medien die Politik formatieren”, ein Essay). Dass der Bündnerfleisch-Beitrag mehr Klicks errreichte als das Essay muss ich hinnehmen.


Von vielen Surferinnen und Sufern bislang nicht bemerkt, hat das Wahlkampfblog Familienzuwachs erhalten. Zum einen gibt es eine Facebook-Seite, die den Wahlkampf im Internet in den Vordergrund stellt. Schon länger im Netz ist die Facebook-Seite “Wahlkampf – Hintergrund, Tipps und Tricks“. Beide Plattformen bauen wir kontinuierlich auf und aus. Sie sollen einen Mehrwert liefern. Die Postings erfolgen regelmässig, ohne die Fans zuzumüllen. Gesucht sind noch viele Leute, die diese beiden Seiten “liken”.


Das Quartett ist dank meinem persönlichen Twitter-Kanal komplett. Dieser Microblogging-Dienst macht mir seit ein paar Monate zunehmend Freude, fast täglich entdeckte ich Neues. Zugleich ist es eine Herausforderung, maximal 140 Anschlägen zur Verfügung zu haben. Täglich scheitern gehört dazu. Solange das lustvoll geschieht, ist alles in Ordnung.

Die beiden Facebook-Seiten und Twitter ergänzen dieses Blogs, das Angebot soll abgerundet sein und Wissen vermitteln. Das Augenzwinkern gehört auch bei den Wahlkampfblog-“Babys” dazu. Schön wäre es, wenn auch regelmässiger Diskussionen entstünden.

Ende der Nabelschau, einen Tag vor dem 9-Jahre-Jubiläum meiner Agentur erlaube ich mir das.

SP lanciert eine neue Online-Plattform zur Mobilisierung und Vernetzung der Basis

Die nationalen Parteien investieren zunehmend in Internet und  Social Media. So überzeugen beispielsweise die Webauftritte von CVP und Grünen. Die SVP geht mit SVP-Wahlen einen Schritt weiter. Eine Innovation stellt die Plattform  “sp-mitmachen” dar, die seit gestern online ist. Ziel ist es, damit über Jahre hinaus Mitglieder in Orts- und Themengruppen sowie in Wahlteams zusammenzuführen und dauerhaft zu aktivieren. Das Wahlkampfblog befragte mit Emanuel Wyler von der SP Schweiz einen der Verantwortlichen.

Herr Wyler*, im Netz tummeln sich immer mehr Angebote, die Politisierende nutzen sollten: Facebook, Twitter, Politnetz, Smartvote, usw. – und jetzt kommt Ihre Partei und präsentiert eine weitere Online-Plattform für Mitglieder und Sympathisanten. Droht ein Overkill?

Emanuel Wyler: Richtig, es gibt einige Konkurrenz für „sp-mitmachen“.  (Man kann sich dort nur umsehen, wenn man ein Passwort bestellt, die Red.) Wir wollen das Experiment aber trotzdem wagen. Es ist bekannt, dass immer mehr Leute abends und auch tagsüber kurz ins Internet gehen, vor allem durch den zunehmenden Gebrauch von Smartphones. Damit ergibt sich auch Raum fürs Politisieren im Internet.

Viele Websites und Facebook-Pages sind angeschimmelt, aber noch immer online, Blogs werden monatelang nicht gefüttert, auf Hunderten von Twitter-Kanälen wird nicht gezwitschert. Wie binden Sie die Parteimitglieder an die neue Plattform, wenn das Online-Bewusstsein noch derart schwach entwickelt ist?

Die Plattform ist vor allem ein Arbeitsinstrument zur Mobilisierung und weniger für die Kommunikation da. Die meisten politisch Aktiven in unserem Milizsystem verbringen sehr viel Zeit mit Administration und Organisation. Weil „sp-mitmachen“ die politische Organisationsarbeit und das Handwerk erleichtert, kann man damit viel Zeit sparen. In den kommenden Monaten müssen wir nun die Leute schulen und sie davon überzeugen, dass sie sich mit der Plattform das Leben einfacher machen. Die Schulungen laufen schon und die ersten Reaktionen sind positiv.

Vor vier Jahren versuchte die SP Schweiz mit Blogs für Furore zu sorgen, was nicht funktionierte. Jetzt kommt sie mit „sp-mitmachen“ – besteht ausserhalb von eidgenössischen Wahljahren überhaupt ein Bedürfnis für das neue Angebot?

Ja, das Bedürfnis besteht innerhalb der SP. Blogs richten sich nach aussen, ans breite Publikum, die neue Plattform an SP-Mitglieder und -Sympathisantinnen und -Sympathisanten. Diese Leute wollen auch im Internet einen Raum, in dem sie sich engagieren können und wo ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Andere Plattformen bieten das weniger, gegenüber Facebook beispielsweise gibt es Bedenken wegen Datenschutz und Sicherheit.

Wir starten jetzt, weil in Wahljahren die Aktivität und das Engagement besonders gross sind. Und wir brauchen zum Starten eine kritische Grösse, damit die Plattform selbständig zum Laufen kommt. Der Planungshorizont geht natürlich weit über die Wahlen hinaus. Wir verfolgen bei diesem Projekt einen langfristigen Ansatz, auch wenn er in der Wahlkampfzeit startet.

Ich bin nicht SP-Mitglied, konnte mir aber bei „sp-mitmachen“ problemlos ein Profil einrichten. Haben Medienschaffende und Parteifremde tatsächlich Zugang oder gibt es bald höhere Hürden?

Grundsätzlich soll sozialdemokratische Politik für alle offen sein, daher sind Hürden nicht eingeplant. Fast alles was auf „sp-mitmachen“ läuft, ist weder geheim noch vertraulich. Und es ist ja gut, wenn viele Leute sehen, was bei der SP läuft. Für alle Fälle sind die Informationen in den Wahlteams, den Orts-, Themen- und Knowhow-Gruppen ja nur den Gruppenmitgliedern zugänglich, d.h. die Gruppen-Administratoren können den Zugang zu diesen Informationen einschränken.

Ist „sp-mitmachen“ der Versuch, echte und dauerhafte Grassroot-Aktivitäten auszulösen?

Das ist natürlich das langfristige Ziel. Wir müssen in den nächsten Jahren aber vor allem daran arbeiten, die Basis der SP zu verbreitern und noch mehr Leute dazu zu bringen, sich mit und in der SP für eine Politik für alle statt für wenige zu engagieren. Die Plattform „sp-mitmachen“ ist nur ein Teil dieser Bemühungen.

Kampagnen haben eher Erfolg, wenn sie top-down geplant und durchgeführt werden…

Bei „sp-mitmachen“ geht es um Bewegungsaufbau. Darum, die Grundvoraussetzungen für unsere Kampagnenfähigkeit zu verbessern. Dafür brauchen wir eine breite, engagierte Barteibasis. Nationale Kampagnen werden weiterhin von der SP Schweiz geplant und durchgeführt, auch wenn es schön wäre, wenn über die Plattform Ideen eintreffen würden. Aber ein grosser Teil der Politik geschieht auf lokaler und regionaler Ebene, und da hilft „sp-mitmachen“.

Was kostet diese Plattform?

Die Plattform wurde extern als Pilotprojekt realisiert und war mit 30’000 Franken sehr günstig.

Wurde in einer langen Beta-Phase schon alles getestet?

Weil es ein Pilotprojekt ist, hatten wir jetzt eine fast zweimonatige Testphase mit einigen Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese war aber sehr viel chaotischer und rudimentärer, als Sie sich das jetzt vielleicht vorstellen. Wie gesagt, wir hatten ein Budget von nur 30’000 Franken – dafür aber Freiwillige mit viel Herzblut.

Wie viele Jahre geben Sie „sp-mitmachen“, bis sich diese Plattform durchgesetzt hat?

Ich glaube und hoffe, dass in zwei bis drei Jahren 1000 Leute aktiv auf dieser Plattform sind.

Interview: Mark Balsiger

* Emanuel Wyler ist Mitarbeiter in der Abteilung Kampagnen und Kommunikation der SP Schweiz

Der Wahlk(r)ampf mit Social Media

Internet und Social Media sind noch nicht richtig in den Köpfen der Schweizer Politiker angekommen. So lautet eine alte These von mir. Inzwischen ist sie zur Gewissheit geworden, und ich habe Verständnis dafür. Beobachtungen eines Pendlers zwischen zwei Welten.

Gestern Abend, Kongresshotel Einstein, St. Gallen. Im Plenum sitzen rund 60 Mitglieder des kantonalen Parlaments, einige unter ihnen kandidieren für den Nationalrat. Dabei sind auch ein paar Parteisekretäre, die Stimmung ist aufgeräumt, man hört aufmerksam zu. Ich stoppte dort auf meiner kleiner Tournee in Sachen Wahlkampf und Social Media.

Der Name Facebook ist allen geläufig, zwei Drittel aller Kantonsräte haben ein persönliches Profil, etwa zehn von ihnen sind bei Twitter dabei, jeder Dritte hat eine eigene Website. Der Respekt vor den neuen Medienkanälen ist aber gross, das ist förmlich spürbar. Dasselbe gilt für die Zweifel.

Eine kleine Auswahl der Fragen, die gestellt wurden:

– Wieso sollte ich nebst meinem persönlichen Profil noch eine Facebook-Page bewirtschaften?
– Was bringt mir Twitter?
– Muss man bei Twitter dabei sein, um die Tweets lesen zu können?
– Wieviel kostet ein ganzes Paket: Website, Blog, Facebook und Twitter?
– Hole ich dort zusätzliche Stimmen?

Das grösste Hindernis für die Etablierung von Social Media ist offenbar die fehlende Zeit. In den ersten Monaten täglich eine halbe Stunde oder mehr aufzuwenden liegt für die allermeisten Politisierenden nicht drin. Ihre Tage – und Abende – sind sonst schon lang genug, die Agenden voll, die Verpflichtungen vielfältig. Ein radikaler Umbau der Ressourcen will kaum jemand vornehmen. Eine Beobachtung, die ich auch bei der Zusammenarbeit mit einzelnen Kandidierenden, für die meine Agentur arbeitet, mache.

Auch Spitzenkandidaten sind erst teilweise im Netz. Die fünf national bekannten Ständeratskandidaten des Kantons St. Gallen zeigen das exemplarisch:

(FB steht für Facebook; “Profil” ist der persönliche Auftritt bei Facebook, “Seite” eine offene Fan-Seite)

Wir dürften davon ausgehen, dass diese Tabelle Ende August mehr Häckchen und Zahlen aufweisen wird. Das war beispielsweise bei den Regierungsratswahlen in den Kantonen Basellandschaft, Zürich und Luzern in diesem Jahr auch so. Wer allerdings erst kurz vor dem Wahltermin in Social-Media-Kanälen aktiv wird, macht sich verdächtig. Ihm geht es gar nicht um den vielgespriesenen Dialog, sondern nur um das schnelle Abholen von neuen Wählern – so die Kritik, die nicht unberechtigt ist.

Fazit: Aus zeitlichen Gründen werden die Social-Media-Aktivitäten erst für die letzten zwei Monate hochgefahren. Kaum ist der Wahltermin vorüber, wird dieses “Online-Zeugs” auch gleich wieder vergessen. Auch dazu findet man im Kanton St. Gallen ein exemplarisches Beispiel: Beni Würth, der sich im letzten Herbst bei einer Ersatzwahl für den Regierungsrat durchsetzte, hat seinen guten Webauftritt seit Mitte Dezember 2010 nicht mehr verändert:

Diesen Eintrag findet man unter der Rubrik “Aktuelles”. Autsch.

Letzte Woche, Zürich, NZZ-Bistro: Am Social Media Gipfel referieren zwei Jungstars: Stefan Krattiger, der mit 26 bereits Gemeindepräsident der 1700-Seelen-Dorfes Aegerten bei Biel wurde, und Philipp Kutter (35), Gemeindepräsident von Wädenswil und Kantonsrat. Krattiger ist studierter Politikwissenschaftler und inzwischen Projektleiter für Kommunikation und neue Medien bei der SP Schweiz. Kutter wiederum ist Historiker und PR-Fachmann.

Diese Zusatzinformationen scheinen mir wichtig zu sein.  Krattiger sagte: “Ich habe die Faszination von Twitter noch nicht entdeckt.” Und Kutter fragte: “Twitter ist doch Einweg-Kommunikation, nicht?” Und das war nicht als Provokation gedacht.

Eine Würdigung dieses Anlasses nahm Bloggerkollege Christian Schenkel vor.

Natürlich sind Social Media mehr als Twitter, Facebook und Youtube, viel mehr. Eine der wenigen Online-Kampagnen, die Durchschlagskraft entwickelten, ist dieser Comix.

In der Schweiz unerreicht, aber in einer anderen Kategorie (nationale Abstimmungen), ist die Kampagne mit “Tagesschau”-Sprecher Charles Clerc zur Personenfreizügigkeit (Volksabstimmung im Februar 2009).

Mark Balsiger

Drei Frühstarter und eine Innovation

Vor vier Jahren war Barbara Schmid-Federer die erste Nationalratskandidatin im Kanton Zürich, die im gekauften Raum für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Dieser Tage präsentierte sie ihr Plakat für die Kampagne 2011. Unten links ist ein “Kringel” zu erkennen, vergleichbar mit den Strichcodes, die beispielsweise von den Grossverteilern zum Einlesen ihrer Produkte verwendet werden.

Wer dieses Plakat mit seinem Smartphone fotografiert, erhält weitere Informationen, oder anders ausgedrückt: aus der wilden Anordnung von Pixeln werden Worte oder neue Bilder. Im Fall von Schmid-Federers Plakat wird man auf einen Youtube-Clip weitergeleitet. Voraussetzung: Das Smartphone ist mit dem notwendigen App (Kurzform für Applikation bzw. Application), einem Reader, ausgerüstet. Sonst geht gar nichts.

Das Plakat ist ein klassisches Medium, das nur die Einwegkommunikation zulässt. Vor diesem Hintergrund ist es innovativ oder zumindest einen Versuch wert, einen sogenannten QR-Code zu integrieren. In der politischen Werbung habe ich solche Strichcodes noch nie gesehen, obwohl sie in der Industrie schon seit einigen Jahren verwendet werden. Der grosse Durchbruch blieb allerdings bislang aus.

Im Kanton Bern ist Thomas Mattig (fdp) der erste Nationalratskandidat, der im gekauften Raum sichtbar wurde. Sein Farbinserat erschien zum ersten Mal am 7. Mai in der “Berner Zeitung” und im “Bund”, am letzten Samstag  folgte das zweite. Der Gesundheitsspezialist mit Walliser Wurzeln brachte es auf Anfrage so einfach, wie überzeugend auf den Punkt: “Wenn ich jetzt für mich werbe, bin ich noch allein auf weiter Flur. Nach den Sommerferien buhlen Hunderte von Kandidierenden um Aufmerksamkeit.”

Die Frage ist, ob sich die Wählerinnen und Wähler am 23. Oktober noch an Mattig, der einst im Mai für sich warb, erinnern können.

Auf dieses Teaser-Plakat setzte letzte Woche ein anderer Kandidat. Er liess es u.a. beim Bahnhof Bern aushängen.

Bei der Umfrage in meinem persönlichen Umfeld – politisch durchaus interessiert – wurden die Parteien CVP, Grüne, GLP und SP als mögliche Absender genannt. Die Schrift in weissen Grossbuchstaben dechiffrierte niemand zielsicher als SP-Design. Das ist für die Macherinnen ernüchternd, wurde doch das neue Corporate Design der Sozialdemokraten vor knapp zwei Jahren eingeführt.

Hinter der Teaser-Kampagne steckt allerdings nicht die Berner SP, sondern einzig und allein ihr Kandidat Matthias Aebischer. Das Plakat ziert den Hinterkopf des ehemaligen Fernsehmannes. Dank Glück, Prominenz oder guten Verbindungen in die Redaktion von “20Minuten” wird der Teaser heute aufgelöst – ein Foto ist auch dabei.
Auch ein wandernder Blogger und ein paar Twitterer verbreiteten die News. Solche kleine Teil-Öffentlichkeiten bedeuten natürlich noch keine signifikant besseren Wahlchancen, sie können aber das Image eines Kandididaten verändern. Im Falle Aebischers heisst das: Er kann als keck und kreativ wahrgenommen werden.

Wenn Massenmedien über frühe Kampagnenstarts, Innovationen oder Teaser berichten, hat sich der Aufwand der Wahlkämpfer definitiv gelohnt.

Mark Balsiger

Sujet und Fotos:

– Plakat: schmid-federer.ch
– Teaser-Plakat: Mark Balsiger
– Matthias Aebischer: 20 Minuten/mar

 

P.S.   Transparenz: Niemand unter den genannten Kandidierenden ist im Portfolio meiner Kommunikationsagentur. Man darf aber davon ausgehen, dass sie meine beiden Handbücher gelesen haben. Soviel Eigenwerbung dürfe sein, findet sogar Bürokollege Suppino.

Wie die Medien die Politik formatieren

Die Wahlkampfkommunikation ist im Umbruch: Traditionelle Rezepte erzeugen weniger Resonanz, die neuen Formen und Techniken sind aber noch nicht richtig angekommen. Seit der EWR-Abstimmung 1992 haben sieben Trends die Schweiz erfasst.

Artikel zum Ausdrucken:
Essay: “Wie die Medien die Politik formatieren” (Mark Balsiger; PDF)

Nicht nur Kulturpessimisten sehen das politische System der Schweiz in der Krise. Diese hat auch die politischen Parteien erfasst: Sie kämpfen mit einem Problem, das einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist – dem Mitgliederschwund. Seit Mitte der Neunzigerjahre haben die Kantons- und Ortssektionen einen Viertel bis einen Drittel ihrer Mitglieder verloren. Diese Entwicklung destabilisiert das politische System, führt zu einem chronischen Personalmangel in Milizämtern und ist damit eine Gefahr für die Demokratie.

Die Wahlkampfkommunikation ist nicht in der Krise, sondern im Umbruch: Auf den ersten Blick verläuft der Wahlkampf in der Schweiz zwar weitgehend traditionell – so, wie er bereits in den Sechziger-, Siebziger- und Achtzigerjahren geführt wurde. Beim genaueren Hinschauen stellt man aber fest, dass die gängigen Aktivitäten eine bedeutend schwächere Resonanz haben als früher. Parteiveranstaltungen sind Rituale mit beträchtlichem Gähn-Faktor, Podiumsdiskussionen ziehen nur noch spärlich Publikum an, für Standaktionen und Unterschriftensammlungen finden sich mitunter kaum genügend Helferinnen und Helfer. Fazit: Die traditionellen Rezepte verpuffen, eine neue Form des Wahlkampfs hat aber noch nicht Einzug gehalten.

Die Jahrhundertabstimmung über den EWR von 1992 war eine Wasserscheide. Seither haben sieben Trends den Wahlkampf erfasst:

1.    Führung schweizweiter oder sprachregionaler Wahlkämpfe
2.    Permanenter Wahlkampf
3.    Personalisierung
4.    Emotionalisierung
5.    Medien als Regisseure
6.    Entpolitisierung des Wahlkampfs
7.    Nutzung des Internets

Bei eidgenössischen Wahlen existieren zwar weiterhin 26 verschiedene Wahlkreise, die Kantonsgrenzen sind aber nicht mehr relevant. Den Wahlkampf prägen ein paar wenige Themen, die den Diskurs schweizweit oder sprachregional (Trend 1) bestimmen. Der Klimawandel dominierte das eidgenössische Wahljahr 2007. Dazu kamen drei Reizthemen, die auch die Trends 2 bis 6 einschliessen:

•    Christoph Blocher: Die an sich simple Frage lautete, ob er im Dezember 2007 als Bundesrat wiedergewählt würde oder nicht. In der zweiten Hälfte des Wahljahrs richtete die SVP ihren Wahlkampf ganz auf ihn aus. Erinnert sei an die Plakatkampagne „Blocher stärken – SVP wählen!“, die die Schweiz zukleisterte und zum Selbstläufer im redaktionellen Teil der Medien wurde.

•    Die 1.-August-Feier auf dem Rütli: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey eroberte innerhalb weniger Wochen das ureigene Terrain der SVP. Das schaffte sie mit einer Mischung aus sicherem Instinkt, Raffinesse und der ihr eigenen Hartnäckigkeit, aber auch dank der Unterstützung einiger Massenmedien. Am 1. August gab die damals sehr populäre Magistratin an der Wiege der Eidgenossenschaft einen „triumphalen Auftritt“, wie sogar die sonst zurückhaltende „Neue Zürcher Zeitung“ titelte. Calmy-Rey wurde gefeiert wie ein Popstar.

•    Die Krawalle vom 6. Oktober in Bern: Die SVP Schweiz wollte einen Marsch vom Bärengraben bis zum Bundesplatz durchführen. Zuvorderst die beiden Bundesräte Christoph Blocher und Samuel Schmid, Parteipräsident Ueli Maurer und Geissbock Zottel, dahinter Tausende von „liebe Fraue und Manne“. Der Alpaufzug kam schon nach wenigen hundert Metern ins Stocken und musste schliesslich abgebrochen werden. Rund sechzig verschiedene Splittergruppen hatten zusammen mit einigen Medien, die wie Brandbeschleuniger agierten, die Stimmung aufgekocht. Die Gegendemonstration „Ganz fest gegen Rassismus“ musste eskalieren: Barrikaden wurden aufgestellt, Scheiben eingeschlagen, Wände besprayt, auf dem Bundesplatz brannte ein Lieferwagen, Autonome und Mitläufer lieferten sich ein stundenlanges Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei.

Bilder haben eine enorme Suggestivkraft. Das zeigte sich nach den Krawallen in Bern exemplarisch: Hier die SVP-Mitglieder, die mit Treicheln und Trachten friedlich durch die Innenstadt marschieren wollten, dort die vermummten Chaoten. Zwei ideologische Welten prallten aufeinander: Hier die „Wir-konservieren-unsere-Albert-Anker-Welt“-Schweiz, dort die SVP-„Pfui!“-Schweiz mit ihren gewaltbereiten Ablegern und jugendlichen Krawalltouristen. Beide Lager beanspruchen für sich, im Recht zu sein, beide Lager kennen nur die Schwarz-Weiss-Argumentation.

Die Emotionen, Berichte und Debatten, die diese Ausschreitungen auslösten, schütteten bis zum Wahltag am 21. Oktober 2007 alle anderen Themen zu. Die SVP konnte aus diesem Tiefpunkt des Wahljahrs Kapital schlagen. Demoskopen haben nachgewiesen, dass die Krawalle von Bern der Volkspartei einen Wählerzuwachs von 1,5 Prozentpunkten beschert haben.

Der permanente Wahlkampf (Trend 2) ist kein oft bemühter Mythos, sondern eine Tatsache. Er hat mit Inseratekampagnen und Einladungen zum „Buurezmorge“ wenig zu tun. Beim permanenten Wahlkampf werden alle Aktivitäten einer Partei oder eines Politikers auf die Wahlen ausgerichtet, orchestriert, mediengerecht aufbereitet und verpackt.

Die Personalisierung der Politik (Trend 3) setzte in der Schweiz deutlich später ein als in anderen Ländern. Anfang der Neunzigerjahre waren die Parteipräsidenten medial präsenter als die meisten Bundesräte. Inzwischen hat sich das geändert: Die Mitglieder der Landesregierung sind omnipräsent. Ich führe fünf Gründe dafür an:

•    Sendungsbewusstsein und Talent für die grosse symbolische Geste. Zudem versuchen sich die Bundesräte mit regelmässigen Auslandreisen zu profilieren, stets begleitet von ein paar Medienschaffenden.

•    Mit öffentlichkeitswirksamen Auftritten bauen sie Druck für eine Sache auf, die ihnen wichtig ist und von der sie wissen, dass sie in der Bevölkerung einen Nerv trifft. Ruth Dreifuss, Adolf Ogi, Christoph Blocher und Micheline Calmy-Rey wählten regelmässig diesen Weg.

•    Die Parteien üben Druck auf ihre Mitglieder im Bundesrat aus, weil sie erkannt haben, dass Bundesräte die wichtigsten Schlachtrosse im Wahlkampf sind.

•    Die Medienlogik verlangt nach Aushängeschildern und wenigen bekannten Köpfen, die die Politik erklären und verkörpern.

•    Das Fernsehen ist inzwischen auch in der Schweiz zum einflussreichsten Massenmedium geworden. Wer möglichst viele Menschen erreichen will – sei es, um sie zu informieren, sei es, um sie zu beeinflussen – muss sich vor der Kamera zu behaupten wissen. Die Macht dieses Mediums ist enorm. Das Fernsehen hat auch neue Entwicklungen in der Darstellung von Politik geschaffen.

Die Selektionskriterien der Medien sind knallhart: Wer beispielsweise nicht „Arena“- oder „SonnTalk“-tauglich ist, bleibt im Schatten.  Nur wenige Politikerinnen und Politiker werden mit der wichtigsten Währung beschenkt: Aufmerksamkeit. Haben sie sich den Status des schlagfertigen und pointiert argumentierenden Talkgasts erarbeitet, zählen sie fortan zur Prominenz, was wiederum ein Kriterium ist, um anderswo eingeladen zu werden. Dieser Mechanismus hat auch beim Schweizer Fernsehen Einzug gehalten: Wer regelmässig in der „Arena“ steht, erhält auch im „Club“ die Chance aufzutreten. So kommt es, dass zu denselben Themen immer wieder die gleichen Protagonisten aufeinandertreffen. Mit der Konsequenz, dass sie einander auch im „Club“ nicht zuhören, sondern erneut ihre „Arena“-erprobten Sätze von sich geben. Der „Club“, so monieren seine Kritiker, ist bei politischen Themen zu einer „Bonsai-Arena“ verkommen, in der man aber sitzen könne. Das Kriterium „Prominenz“ steht bei der Auswahl der Gäste im Vordergrund. Ob sie auch wirklich etwas zu sagen haben, ist irrelevant.

Nebst der Personalisierung, die bereits angeschnitten wurde, zählen zu den Stilmitteln der Medienberichterstattung: Skandalisierung, Eventisierung und Emotionalisierung (Trend 4): Ein Thema muss für viele Medien heutzutage sexy oder emotional aufladbar sein, sonst greifen sie es nicht auf. Je komplexer oder abstrakter ein Thema, desto grösser ist das Risiko, dass die Leute innerlich abschalten und selbst einfache Fakten nicht mehr zur Kenntnis nehmen. Diese Entwicklung dürfte sich weiter verschärfen, weil es in Zukunft keine einfachen Lösungen mehr für die Herausforderungen der Gesellschaft gibt. Infolge der Informations- und Reizüberflutung sind die Medienkonsumenten nur noch beschränkt aufnahmefähig. Was zählt, ist das, was bei ihnen ankommt. Emotionen wie Freude, Angst oder Wut sind einfach zu wecken. In der Schweiz brechen in allen Lebensbereichen jahrzehntealte Gewissheiten weg; der Globalisierungs- und Migrationsdruck verunsichert, was dazu führt, dass viele Menschen für einfache Antworten empfänglich geworden sind.

Bei Podiumsveranstaltungen und in Reden haben sich die bewusst eingebauten Aufregersätze eingebürgert. Damit verfolgen die Politisierenden das Ziel, in den Medien zitiert zu werden. Und die Medien nehmen diese Sätze nur zu gern auf – verleihen sie einer trockenen Berichterstattung doch die fehlende Würze. Daraus lässt sich eine eigenständige Story drehen. Ueli Maurer, von 1996 bis 2008 Präsident der SVP Schweiz, bekannte einmal freimütig: „Solange ich ‚Neger’ sage, bleibt die Kamera bei mir.“

Nebst der Emotionalisierung spielt die Medialisierung und Dramatisierung der Politik eine eminente Rolle. Das zeigt sich darin, dass Storys regelmässig wie Theaterstücke inszeniert werden. Vereinzelte Medien sind Regisseure geworden (Trend 5). Das Verhältnis mit der Politik ist symbiotisch: Politiker suchen das Scheinwerferlicht und bieten exklusive Informationen; Medienschaffende wiederum sind auf der Suche nach Pseudo-Primeurs und bezahlen dafür mit Scheinwerferlicht.

Insgesamt ist eine Entpolitisierung des Wahlkampfs (Trend 6) zu beobachten. Wurden früher in breiten Bevölkerungsschichten engagierte Debatten – zum Beispiel über Asyl, Atomenergie oder Arbeitslosigkeit – geführt, dominieren heute Symbolpolitik und Reizthemen. Das hat auch mit den fundamentalen Umwälzungen der Medienarena Schweiz zu tun, die von ökonomischen Kriterien angetrieben werden.  Viele Journalisten müssen heutzutage News wie am Fliessband fabrizieren; die Zeitung ist kein Kulturgut mehr, sondern ein Industrieprodukt, das Profit abwerfen muss; den Medienkonsumenten werden keine Inhalte mehr geboten, sondern Schlagzeilen, süffige Storys und „Content“.

Das Internet (Trend 7) sorgte mit Verzögerung für einen Entwicklungsschub im Schweizer Wahlkampf. Mit seinem Aufkommen Mitte der Neunzigerjahre sind Wahlkampagnen vielfältiger geworden; seit 2008 die Sozialen Netzwerke Einzug gehalten haben, ist die Irritation gross. Viele Kandidierende fühlen sich überfordert und verzichten darauf, ihre Schwerpunkte neu zu definieren. Das hat verschiedene Gründe: Sie fürchten den Aufwand oder bezweifeln, dass sie mit den neuen Kanälen auch tatsächlich neue Wählersegmente erreichen können. Dabei wächst die Bedeutung des Internets weiter. Im Netz tummelt sich die Masse: 2010 waren in der Schweiz 3,9 Millionen Menschen täglich online, 2005 waren es noch 2,1 Millionen gewesen. Jede dritte Person in unserem Land hat inzwischen ein Facebook-Profil; die Benutzer verbringen durchschnittlich 25 Minuten pro Tag auf dieser Plattform.

Die sieben Trends, die ich in diesem Essay beschreibe, sollen provozieren und zum Nachdenken anregen. Die strukturelle Veränderung der Medienlandschaft und das neue Rollenverständnis der Medien stehen in einem direkten Zusammenhang mit der Kampagnenkommunikation und der neuen Wahrnehmung der Politik. Krasser ausgedrückt: Die Medien formatieren die Politik.

Mark Balsiger

Fotos:
– Landsgemeinde: welt.de

– SVP-Veranstaltung: sueddeutsche.de
– Bundeshaus plus: kampagnenforum.ch

Betty Bossi für den Wahlkampf

Ende Januar haben wir unser neues Handbuch “Wahlkampf – aber richtig” lanciert. Bislang verkauften wir davon 650 Exemplare – ein guter Wert. Beim Verschicken baten wir mehrere Dutzend Käuferinnen und Käufer, uns ein Feedback  zu “Wahlkampf – aber richtig” zu geben.

Jemand brachte einen Vergleich zu Betty Bossi. Ich finde das nicht abwertend, im Gegenteil: Das Buch ist einfach zu lesen und deshalb leichte Kost, es soll Spass machen und anregen, den einen oder anderen Input umzusetzen. Drei Rückmeldungen pickten wir heraus – von einem PR-Berater, einer Politikerin und einem Politikwissenschaftler:


“Basierend auf seinen Erfahrungen als Wahlkampfberater formuliert Mark Balsiger sieben (nicht ganz neue) Trends und regt damit zum Nachdenken an. Vor allem aber bringen die Beschreibung und Analyse von fünf konkreten Wahlkämpfen im Zeichen dieser Trends neue, nützliche und aufschlussreiche Erkenntnisse. In zwei umfassenden Teilen beschäftigt sich Balsiger zudem mit der Rolle und Nutzung von sozialen und klassischen Medien und insbesondere dem Schreiben für politische Zwecke. Abgerundet wird das Handbuch durch ein „26-Erfolgsfaktoren-Modell“ sowie einen Serviceteil. Insgesamt hat Mark Balsiger auf das „Super-Wahljahr 2011“ ein Buch veröffentlicht, das nicht nur für alle Kandidierenden, sondern für PR-Profis generell zur Pflichtlektüre werden sollte.”
Markus Berger,
Direktor Schweizerisches Public Relations Institut SPRI, Zürich

“Wer Politik als seine Leidenschaft bezeichnet, ist automatisch an allen aktuellen, gesellschaftlichen Themen interessiert. Wer von sich sagt am Puls der Zeit zu sein, kommt nicht umhin, auch mit den modernen Kommunikationsmitteln vertraut zu sein. Wer Wahlkampf betreibt, ist ignorant oder einfach unklug, wenn er nicht Mark Balsigers Handbuch für Kandidierende verinnerlicht. Das Buch zeigt einen Querschnitt der Schweizer Politik, bringt auf den Tisch, was mancher vermutete und gibt wertvolle Tipps für den Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln. Es liest sich flüssig und macht Lust auf sofortige Umsetzung.”
Christine Pezzetta,
Vizepräsidentin FDP.Die Liberalen Baselland, Münchenstein

“Benchmarking betreiben – von den Besten lernen – sollten alle, die einen Wahlkampf bestreiten. Aber wo bekommt man tiefere Einblicke in erfolgreiche Wahlkampagnen? Im Buch von Mark Balsiger! Er beschreibt und erklärt die Kampagnen von fünf Kandidierenden aus verschiedenen Parteien in verschiedenen Kantonen. Er führt überdies den Wandel der politischen Kommunikation seit 1860 vor Augen und versorgt Kandidierende mit nützlichen Ratschlägen zu Facebook, Twitter und Blogs. Es versteht sich, dass der Kommunikationsprofi Balsiger das Material in attraktiver Form präsentiert.”
Prof. Dr. Silvano Moeckli,
Politikwissenschaftler, Universität St. Gallen

Alle Feedbacks, die bislang bei uns eingetroffen sind, haben wir in einem Dokument zusammengefasst:

Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern (PDF)

Die Berichte der Medien zu “Wahlkampf – aber richtig” sowie die teilweise kritischen Postings von Politik- und Social-Media-Bloggern sind hier zu finden. An derselben Stelle ist das Online-Bestellformular aufgeschaltet. Noch sind 300 Exemplare verfügbar – Parteipräsidenten und Wahlkampfleiter, dieser Wink gilt Ihnen. Für 38 Franken holen Ihre Kandidatinnen und Kandidaten mehr Stimmen. Aufwachen vor dem 23. Oktober ist erlaubt.

Mark Balsiger

Fotos Markus Berger, Christine Pezzetta, Silvano Moeckli: zvg

Politblog: Dialog oder noch mehr Bashing?

Ein Medienkonzern investiert in einen Politblog! Da staunt der Laie, die wenigen Politblogger dieses Landes kratzen sich am Kopf und Bürokollege Suppino mag dieser überraschenden Entwicklung nicht so recht trauen.

Das neue Projekt heisst Politblog. Es zusammen mit zwei welschen Zeitungen (24heures, Tribune de Genève)  zu betreiben, finde ich spannend. Und wenn der Austausch über den Röstigraben regelmässig fliessen sollte, wäre das die Klammer, die für unser Land wichtiger wäre denn je.

Was mir missfällt: Für das Kommentieren gibt es keine echte Netiquette, offenbar keine Beschränkung der Textlänge und kein Verifizieren der Absender, das diesen Namen verdient. Prompt tauchte bereits ein “James Bond” auf, ein anderer Kommentator teilt respektlos aus, ein echter Dialog ist nach dem ersten Posting und 300 Kommentaren nicht erkennbar.

Das weckt Befürchtungen. Vermutlich geht es schon bald genauso “ab” wie in den Kommentarspalten anderer “Newsnetz”-Artikel. Und genau das, liebe Kollegen, fördert die Politikverdrossenheit. Notabene vor allem bei Menschen, die neugierig sind, sich informieren wollen und neue Formen des Dialogs suchen.

Noch ist es nicht zu spät, klare Regeln zu definieren und durchzusetzen – die Hürden müssen höher sein! Das braucht mehr zeitliche Ressourcen, kostet ergo mehr. Sind Tamedia & Co. bereit, etwas mehr Geld in dieses neue Politblog zu investieren, kann es womöglich einen wertvollen Beitrag im politischen Diskurs leisten. Unser Land hätte echte Debatten nötig, wird doch oft nur noch aufgeheiztes Blabla über ein angebliches Wolfsproblem im Wallis, Köppelhier und Wermuthdort ins Netz geblasen.

Ohne höhere Hürden etabliert sich die Bashing-Kultur in kurzer Zeit. Und der Vorwurf der Kritiker liegt auf der Hand: dass es auch bei diesem Projekt primär um Visits und Hits, Klicks und Clacks gehe.

Mark Balsiger

P.S.  Wie man online eine gute Diskussionskultur hinbringt, zeigen das Langzeitprojekt Vimentis oder dieses Beispiel hier. Eigenlob – jawohl, I confess.

Nachtrag vom 11. März 2011:

Die Schweizer Blogosphäre hat über das neue Politblog bislang noch kaum publiziert. Heute befasste sich dafür Medienjournalist Nick Lüthi in seiner “Bund”-Kolumne mit dem neuen “Diskussionsforum” aus dem Hause Tamedia:

Diskussion braucht Qualität (11.03.; PDF)

Ein Erlebnis namens Buch

Die letzten Monate war ich monothematisch unterwegs. Das färbt ab.

Dieser Videoclip ist grandios, auch ohne Spanischkenntnisse. Wer ihn noch nicht gesehen haben sollte, et voilà: