Orgasmus erhitzt katalanische Wähler

Im Wahljahr 2007 produzierten viele Kandidierende Kurzfilme, die sie auf ihren Websites einbanden und auf dem Videoportal Youtube hochluden. Die allermeisten dieser Videobotschaften waren „home made“: Der älteste Sohn richtete eine Handycam auf den Kandidaten, der im Garten vor dem Lindenbaum stand. Oder die Menschenmenge eines Parteianlasses oder Quartierfestes wurde als Staffage benützt.

Die Jungsozialisten des Partido Socialista in Katalonien gingen einen anderen Weg. Mit einem Werbespot wollen sie die jungen Wähler aufrütteln und an die Urne bringen. Am kommenden Sonntag finden Wahlen statt. Der Spot heisst “Votar es un placer”, übersetzt: Wählen ist ein Vergnügen.” Das Video verbreitete sich in den letzten Tagen rasend schnell – kein Wunder:

Die Provokation sitzt, im katholischen Spanien ist das kein Wunder. Der Spot wird in Onlineforen hitizig diskutiert, zum Beispiel hier oder hier.

Womöglich inspiriert diese Produktion die Juso-KollegInnen in der Schweiz.  Bürokollege Suppino schnalzt mit der Zunge: “Genau, wir wollen Cédric Wermuth im Wahllokal sehen.”

Wirklich?

Wahlkampfblog goes Facebook

Man kann von Facebook halten, was man will. Der Siegeszug von Mark Zuckerbergs Social-Media-Plattform geht ungebremst weiter. So wurde vor ein paar Monaten die Schallgrenze von 500 Millionen Nutzern durchbrochen. In der Schweiz beträgt die Penetration inzwischen knapp 30 Prozent.

Wo die Masse ist, sind auch die Politiker – quasi ein Naturgesetz. Und so werden Facebook, Twitter  & Co. seit etwa zwei Jahren auch bei Wahl- und Abstimmungskampagnen eingesetzt – mit unterschiedlichem Erfolg.

Von nun an werde ich vermehrt auf einer Facebook-Gruppe politische Themen anstossen, Kampagnen ins Rampenlicht rücken und Tipps und Tricks vermitteln. Die Vermutung liegt nahe, dass auf Facebook ein Dialog schneller möglich ist. Und genau darum geht es.

Die Gruppe heisst

Wahlkampf – Hintergrund, Tipps und Tricks

Es handelt sich um eine komplett offene Gruppe. Also: Link anklicken, “liken” (hurra, Denglisch!), am besten noch unten links bei “Teilen” nochmals klicken –  so wird diese Gruppe schneller bekannt.  Dann kann es losgehen. Es wird dauern, bis die Mitgliederschar grösser und regelmässig zum Diskutieren aufgelegt ist.

Das Wahlkampfblog wird wegen Facebook nicht einschlummern. Allerdings werde ich die Zahl der Postings die nächsten Monate deutlich reduzieren. Der Grund ist simpel: Bis Weihnachten 2010 sollte mein nächstes Buch fertig werden. Arbeitstitel “Wahlkampf – aber richtig – ein Handbuch mit 5 erfolgreichen Kampagnen unter der Lupe”.  Dazu kommt ein Kapitel über den Bereich Social Media.

Es diszipliniert mich (noch mehr), dieses Buch hier anzukündigen.

Wahlkampfblog goes Facebook – dieser Titel geht deutlich an der Realität vorbei. Korrekt wäre: Wahlkampfblog has become a little brother on Facebook. Social Media ist noch nicht einmal in den Kinderschuhen unterwegs, ich betrachte es weiterhin als Spielwiese – und übe.

Hans-Rudolf Merz und das Bündnerfleisch

Die mediale Beachtung der Bundesratswahlen überdeckte und -tönte fast alle anderen politischen Themen in den letzten Wochen. Umso erheiternder ist deshalb der Lachanfall, den Bundesrat Hans-Rudolf Merz hatte. Kurz vor seinem Abgang heimst er so viele Sympathiepunkte ein. Die Sequenz ist auf Youtube ein Renner – schon jetzt wurde dieses Filmchen mehr als 200’000 Mal angeklickt. Falls Sie es noch nicht gesehen haben sollten – beste Unterhaltung ist garantiert:

Vermutlich war das für Merz die letzte grosse Bühne im Parlament. Sein Lachen stimmt versöhnlich – und es inspirierte: Kreative und solche, die sich dafür halten, produzierten flugs eine Adaption des Merzschen Lachanfalls. Dem Berner Rapper Knaeckboul ist das ganz gut gelungen:

Clever, dass auch die Produzenten von Bü-bü-bündnerfleisch subito reagierten. Am Mittwoch verteilten sie auf dem Bundesplatz kleine Päckchen davon – mit Merz’ Konterfei auf der Verpackung.

Verbot von Facebook & Co ist weltfremd

Das Berner Kantonsparlament verbietet den Staatsangestellten, soziale Netzwerke während der Arbeitszeit zu benützen. Dieser Entscheid wurde gestern mit 95 Ja- zu 47 Nein-Stimmen gefällt.

Diese deutliche Ergebnis verblüfft, weil es weltfremd und wirkungslos ist: Technisch lässt sich die Sperrung von Facebook und Co mit fünf Mausklicks und drei Minuten Aufwand umgehen – dauerhaft. Unter Mitarbeitenden einiger Banken, den SBB, der Post etc., die bereits eine Sperrung verfügten, werden die Tipps für das Umgehen des Verbots schon seit geraumer Zeit weiterverbreitet.

Das Verbot kann gemäss Medienberichten offenbar erst im Jahr 2014 umgesetzt werden. Bis dann dürfte die virtuelle Welt bereits wieder einen Entwicklungsschritt weiter sein, eine Mehrheit der Staatsangestellten wird dann ein Handy besitzen, auf dem man bequem, jederzeit und ohne Einschränkungen surfen kann. Wer will, loggt sich also am Arbeitsplatz auf diese Weise bei Facebook ein.

Der Initiant des erfolgreichen Vorstosses nutzt übrigens nach eigenen Angaben die sozialen Netzwerke gar nicht. Worauf basiert sein Wissen, sein Intervenieren? Ein Volksvertreter, der das grosse Wort zu einem Thema führt, das er nicht einmal im Ansatz selber kennt – das ist heikel. Er muss damit rechnen, als Populist bezeichnet zu werden.

Ein anderer Aspekt gibt mir mehr zu denken: Leben wir nicht in einer liberalen Gesellschaft, die mit möglichst wenigen Verboten auskommen möchte und auf Selbstverantwortung setzt? Wenn wir das Facebook-Verbot konsequent weiterdenken, was folgt?

Private Mails, SMS und Telefongespräche während der Arbeitszeit – verboten. Rauchpausen im Freien – pro Halbtag nur noch einmal, aber von einem Aufseher überwacht. Toilettenstopps reglementiert – für das kleine Geschäft zwei Minuten, das grosse fünf. “Wer das nicht schafft, soll mit einem dicken Hals weiterarbeiten. Bei Zeitüberschreitung gibt es Lohnabzug”, frotzelt Bürokollege Suppino.

Und wenn solche Auflagen immer noch nicht reichen, muss in jedem Raum eine Videokamera her, besser noch: jedem Kantonsangestellten wird ein Chip implantiert. Bevormundung komplett, Überwachung total, Strafen bei Missachtung drakonisch – die Arbeitsmoral wäre zweifellos hervorragend.

Suppino gründet jetzt dann gleich eine Facebook-Gruppe mit dem Namen “Weniger Populismus, mehr gesunder Menschenverstand – auch in der Politik”. Während der Arbeitszeit.

Foto: derbund.ch

“Journal 21”: Das jüngste Schweizer Medienkind wird von Pensionären gemacht

Eine Onlinezeitung, die auf Hintergrund und Analyse setzt – diese Idee ist alles andere als neu. Sie spukt schon seit Jahren in etlichen Schweizer Köpfen herum. Ein paar davon suchten Gleichgesinnte, “brainstormten” sich in Euphorie und entwarfen Konzepte. Inzwischen setzen diese Papiere Staub an, weil es an den Ressourcen Zeit und Geld mangelt.

Es gibt weiterhin kein Geschäftsmodell für eine Onlinezeitung in der Schweiz, die den grossen Verlagshäusern die Stirne bieten könnte. Was die Substanz betrifft, keimt seit diesem Wochenende Hoffnung auf: Eine Gruppe mehrheitlich (früh-)pensionierter Journalisten lancierte “Journal21”. Ihre Namen sind noch fast alle geläufig, viele von ihnen begleiteten uns in den Achtziger- und Neunzigerjahren in der NZZ, im “Tages-Anzeiger” oder beim Schweizer Fernsehen.

Die Medienschaffenden und emeritierten Professoren bei “Journal21” arbeiten allesamt ehrenamtlich. Nur dank diesem Grundsatz dürfte ihre Internetzeitung überhaupt Projektreife erlangt haben. Gleichzeitig ist die Ehrenamtlichkeit gefährlich: Was, wenn die Lust auf ein dauerhaftes Mitwirken verloren geht? Das Phänomen kennen wir aus den Vereinen und Bürgerbewegungen: Wenige machen fast alles, das Gros hingegen ist passiv.

Das Engagement der verdienten Journalisten ist löblich, auch wenn sich mir das Konzept von “Journal21” noch nicht erschliesst. Ein qualitativ gutes Angebot kann neben den newsgetriebenen Online-Plattformen newsnetz (Tamedia; Online-Portal für Tagi, “Berner Zeitung”, “Basler Zeitung”, “Bund” und “Thurgauer Zeitung”), 20min (Tamedia) oder blickonline (Ringier) durchaus ein Publikum finden. Will “Journal 21” reüssieren, braucht es einen langen Atem und es muss den “journalistischen Mehrwert”, den es als Claim führt, liefern. An diesem Anspruch wird das jüngste Schweizer Medienkind gemessen.

“Journal21” präsentiert sich so, wie eine Tageszeitung in den Neunzigerjahren. Sollten es die Macher bekannter machen wollen, müssten sie sich mit den Basics von Webzweinull befassen: Bei den bisherigen Beiträgen findet man beispielsweise keinen einzigen Link, Bookmarks fehlen ebenso wie Feedbackregeln oder ein RSS-Feed. Alles keine Hexerei, die Berufskollegen in Nordrhein-Westfalen zeigen, wie es geht.

Andere Stimmen:

Glanz und Elend im Journalismus (NZZ, Rainer Stadler, 14.09.)

Bloggen aus unfreien Staaten

Blogger Tour Berlin 2010/III

Eine Mehrheit meiner Bloggerkollegen kommen aus Staaten, die zum Teil enorme Defizite mit demokratischen Grundrechten haben. Trotzdem oder gerade deswegen bloggen sie. Drei Beispiele.

Michael Anti alias Zhao Jing (Bild) aus China ist extravertiert, voller Energie, witzig, blitzgescheit und ein feuriger Debattierer. Dabei spielt es keine Rolle, ob er im Plenum oder mit einem deutschen Diplomaten spricht.

Als Microsoft Ende 2005 seinen Blog vom Netz nahm, sorgte das weltweit für Schlagzeilen. Der amerikanische Konzern hatte diese Massnahme nicht etwa auf Druck der chinesischen Regierung vollzogen, sondern in vorauseilendem Gehorsam. Dass derzeit 76 andere Blogger in seinem Land inhaftiert sind (weltweit sind es insgesamt 117), scheint Michael nicht gross zu stören. Er publiziert weiter für seine Landsleute, unterzieht sich aber wie die allermeisten anderen Blogger Chinas der Selbstzensur.

Eman Al-Nafjan ist gebildet, ihr Englisch praktisch akzentfrei. Die attraktive Frau hat drei Kinder und lebt in Saudi-Arabien. In Berlin trägt sie Jeans und Blusen, in ihrer Heimat wäre ihr das verwehrt, dort ist die Verschleierung Pflicht. Im öffentlichen Raum ist es ihr beispielsweise untersagt, mit Männern, die nicht mit ihr verwandt sind, zu sprechen. An der Uni musste sie und die anderen Frauen die Vorlesungen von Männern via Videoübertragung aus anderen Räumen verfolgen.

Auf ihrem Blog schreibt sie am liebsten über Frauenrechte. Angst, verhört oder gar inhaftiert zu werden, hat sie nicht. Es macht den Anschein, dass sie genau weiss, wo die Grenzen liegen. (Eman hat darum gebeten, in Berlin nie fotografiert zu werden.)

Mahmood Al Yousif lebt und arbeitet in Bahrain, einem kleinen Inselstaat im Persischen Golf, östlich von Saudi-Arabien gelegen. Er  ist weltgewandt und clever, hat ein sonniges Gemüt und fast immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Er war einer der ersten Blogger in der Golfregion. Schon am zweiten Tag hat er in unserem Kreis einen Übernahmen erhalten: Blogfather, in Anlehnung an James Brown seelig, The Godfather of Soul.

In seinem Blog befasst er sich mit einer breiten Palette an Themen – Menschenrechte und Medienfreiheit spart er nicht aus. Das hat zur Folge, dass Mahmood gelegentlich von der Regierung “zum Tee eingeladen” wird, wie er es nennt. Als bekannter Geschäftsmann hat er aber offensichtlich eine Position erlangt, die ihm eine gewisse Freiheit ermöglicht. Pressionsversuche habe es bislang nicht gegeben, erzählt Mahmood.

Fotos Michael Anti und Mahmood Al Yousif: Mark Balsiger

Schreiben, was ist, auch wenn “es” in der offiziellen Diktion gar nicht existiert

Berlin Blogger Tour 2010/I

Bei den Referaten hört Andrew Loh von der ersten bis zur letzten Minute mit aufmerksamem Gesicht zu und macht sich Notizen. Wenn wir diskutieren, bringt sich der Singapurer ein und stellt durchdachte Fragen.

Andrew  ist ein Blogivist, so wird die Kombination von Blogger und Aktivist gemeinhin bezeichnet. Ein bislang moderater Blogivist, muss ich anfügen, damit keine falschen Schlüsse gezogen werden. Bei den Wahlen 2006 unterstützte Andrew eine kleine Oppositionspartei – angesichts der politischen Konstellation und der Machtballung ein aussichtsloses Unterfangen.

Seit die Republik Singapur Anfang der 1960er-Jahre die Unabhängigkeit der britischen Krone erlangte, wird sie allein von der People’s Action Party regiert. Andrew (Foto) spricht mit ruhiger Stimme: “Wenige Tage vor den Wahlen landete die Regierungspartei einen Coup. Sie zahlte jedem Bürger eine nahmhafte Summe aus.” (Umgerechnet mehrere hundert Franken, Red.). Sie errang schliesslich 82 von 84 Sitzen im Parlament, bei einem Wähleranteil von etwa 65 Prozent. (Die Verzerrungen, die das Majorzwahlsystem auch in Grossbritannien seit jeher produziert, lassen grüssen.)

Im “The Online Citizen” schreiben Bürger für Bürger

Das Gefühl der Machtlosigkeit löste Andrews Entscheidung aus: Er verliess das Gastrounternehmen, das er mit seinem Bruder geführt hatte, und lancierte Ende 2006 ein eigenes Blog. Es heisst: “The Online Citizen”. Inzwischen arbeiten rund 200 freie Mitarbeiter für dieses Medium, der jüngste Kollege ist gerade einmal 17, der älteste 60 Jahre alt. Das Blog versucht sich seit neuem mit Banner-Werbung zu finanzieren, früher mit Google-Ads. Wie das Budget aussieht, getraute ich mich nicht zu fragen.

Andrew hat sich das journalistische Handwerk “learning by doing” angeeignet, wie er bescheiden erklärt. Dasselbe gilt für praktisch alle seiner Kollegen, “wir betreiben Bürgerjournalismus”, Bürger schreiben für Bürger, und genau so will er es auch verstanden wisssen. Täglich zählt das Blog laut seinem Betreiber rund 20’000 Besuche.

Singapur hat international ein weitgehend properes Image. Der Stadtstaat ist ein Shoppingparadies, sauber und sicher, die Skyline (Foto) imposant, die Arbeitslosigkeit tief, es gibt keine sozialen Unruhen oder Umsturzversuche. Der schnelle Aufstieg zu einer Industrienation, einem sogenannten Tigerstaat, ist eine Erfolgsgeschichte. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere: Das rund 4,5 Millionen Einwohner zählende Land ist nicht das, was wir unter einer Demokratie verstehen. Die Einparteienregierung führt autoritär.

Beleuchten wir exemplarisch die Medienfreiheit etwas näher: Die Medien, die in den vier offiziellen Sprachen Englisch, Chinesisch, Malaiisch und Tamilisch berichten, gehören allesamt zu Unternehmen, die direkt durch den Staat kontrolliert werden. Laut Andrew ist es Usus, dass viele Schlüsselstellen bei den staatlichen Medien nicht durch Journalisten, sondern beispielsweise mit Nachrichtendienstlern besetzt werden.

Gemäss der letzten Erhebung von “Reporter ohne Grenzen” belegt Singapur zur Situation der Medienfreiheit weltweit den 133. Rang – ein weiterer Hinweis auf die stark eingeschränkten Möglichkeiten der Journalisten. Bislang blieb die Crew von “The Online Citizen” von massiven Interventionen verschont. Der Server des Blogs steht in den USA.

Die Regierung wacht streng darüber, dass die Medien nur das schreiben oder senden, was sie als relevant erachtet. Den wenigen ausländischen Journalisten macht sie das Arbeiten systematisch schwer. Andrew erzählt, dass diese aufgrund von kritischen Berichten schon mehrfach vor Gericht gebracht wurden. Dort verloren sie praktisch immer und mussten hohe Geldstrafen bezahlen. Die britische BBC knickte schliesslich ein und zog ihr Team aus Singapur ab, berichtet Andrew. Auf diese Weise kriegt das sauber polierte Image Singapurs kaum Kratzer.

Kratzer gibt es aber sehr wohl, und diese nimmt das Blog “The Online Citizen” zuweilen auf. “In einer Serie berichteten wir einmal über Obdachlosigkeit. Ein Problem, das in der offiziellen Diktion der Regierung gar nicht existiert”, führt Andrew aus. Aber es gäbe die Obdachlosigkeit eben doch, “also machten wir sie zum Thema”. Schreiben, was ist.

Fotos:
– Andrew Loh: Mark Balsiger
– Singapur Skyline: Wikipedia

Bloggen in Berlin, Blogger in Berlin

Ob ich denn Lust hätte, ein paar Tage in Berlin zu verbringen, fragte mich die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung. Ich bejahte, blieb aber skeptisch. “Wo… wo liegt der Hund begraben?”, schob ich nach. Die Dame der deutschen Botschaft musste schmunzeln.

Das Telefongespräch liegt ein paar Wochen zurück. Im Moment bin ich gerade daran, in Ruhe durchzugehen, was alles in den Koffer für Berlin muss. Am Auffahrtstag gehts los.

Es hatte Tradition, dass das Auswärtige Amt Deutschlands gruppenweise Medienschaffende aus aller Welt einlädt. Ein erstes Mal findet nur eine solche Reise auch für Blogger statt. Rund 15 verschiedene Poltitblogger aus 15 verschiedenen Ländern sind in diesem Programm mit dabei. Thematisch geht es um, was Wunder: Politik und Medien, vor und hinter den Kulissen, off- und online.

Bei der Suche nach einem Schweizer Politblogger sind die Deutschen auf meinem wahlkampfblog hängengeblieben. Und schliesslich kam die formelle Anfrage der deutschen Botschaft. Ich finde das grossartig und danke den Suchmaschinen, die diese Wahl wohl erst möglich gemacht haben. Bürokollege Suppino flachst irgendetwas von “15 Blogger in einem Raum – wer hält das aus?”

Wenn die Zeit reicht, werde ich die nächsten Tage über die Diskussionen und Erlebnisse in Berlin, allenfalls auch über den einen oder anderen Teilnehmer der “Berlin Blogger Tour 2010” berichten. Diese Postings werden mit diesem farbigen Berlin-Banner gekennzeichnet.

Und natürlich hoffe ich, den Schweizer Medienblogger, der schon seit mehreren Jahren in Berlin arbeitet, einmal auf eine Latte Macchiato zu treffen.

– Foto: schlawien-naab.de
– Berlin-Banner: fatalin.wordpress.com

Internetruinen allüberall

Herr C ist jung, dynamisch – und ambitioniert. Er will auf die grosse politische Bühne. Seine Website ist professionell gestaltet. Unglücklich ist, dass er sie vermutlich seit mehr als zweieinhalb Jahren selber nicht mehr angeklickt hat. Auf seiner Website steht nämlich in fetten Lettern:

“Wählen Sie mich am 21. Oktober 2007 in den Nationalrat.”

Der Fall von Herrn C ist exemplarisch, was viele Politiker in der Schweiz mit ihren Websites tun – oder eben nicht tun. Dasselbe gilt für die Web2.0-Kanäle.

Im Vorfeld der Wahlen im Kanton Bern und in der Stadt Zürich wurden im letzten Winter Hunderte von Facebook-Fangruppen lanciert und Twitter-Accounts eröffnet. Seit dem Wahltermin ist Stille allüberall eingekehrt, die Onlineprofile dämmern vor sich hin. Nur ein ehemaliger Kandidat stellt sich in seinem Blog ähnliche Fragen wie ich.

Wer die Möglichkeiten im Netz stiefmütterlich behandelt, kommt nicht vom Fleck. Wer sich im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen 2011 eine glaubwürdige Online-Präsenz aufbauen möchte, sollte jetzt damit beginnen. Mit “jetzt” meine ich jetzt.

Berner Wahlen 2010: Vor Ort, hinter der Bühne, beobachtend, heavy bloggend

Morgen Sonntag wählt der Kanton Bern seine Regierung und das Parlament. Der Ausgang ist offen, die Spannung gross. Erste Hochrechnungen zu den Regierungsratswahlen dürften um etwa 15 Uhr vorliegen. Bis die definitiven Grossratsergebnisse publik sind, kann es bis Mitternacht dauern.

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Ich werde am Nachmittag und Abend im Berner Rathaus arbeiten. Einerseits muss ich für die beiden Radiostationen BE1 und Canal3 aus Biel Einschätzungen und Instant-Analysen liefern. Andererseits versuche ich mich hier im Wahlkampfblog mit “heavy blogging”. Ein Experiment.

Unter “Berner Wahlen – Splitter aus dem Rathaus” werde ich meine Beobachtungen rund um den Wahltag ins Netz stellen – kurze Häppchen, hoffentlich vielfältig und eigenständig.

Gleichzeitig hoffe ich, dass im virtuellen Berner Wahlbistro Prognosen abgegeben werden, die wiederum zu Diskussionen führen.

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– Karikatur: Max Spring, BZ
– Foto: Thomas Hodel